Die anhaltende Trockenheit wirkt sich deutlich auf den Baumbestand in Graz aus. In der Eggenberger Allee haben große Platanen Teile ihrer Belaubung verloren; das abgefallene Laub liegt in trocken wirkenden Haufen am Straßenrand. Der Wetterbericht der nächsten Tage zeigt überwiegend Sonne, ein Ende der Trockenperiode ist derzeit nicht absehbar, lokale Gewitter würden voraussichtlich keine nennenswerten Niederschlagsmengen bringen.
Unterschiedliche Reaktionen der Bäume
Die Abteilung Grünraum und Gewässer der Stadt Graz beschreibt verschiedene Anpassungsstrategien: Um die Verdunstung zu verringern, reduzieren Bäume die Blattoberfläche oder verringern die Blattmasse, zum Teil durch Einrollen oder frühzeitigen Blattfall. Nach Einschätzung des Experten Tomas Stoisser ist deshalb das von Laien als ungewöhnlich empfundene Blattbild nicht zwingend Hinweis auf dauerhafte Schädigung.
„Bäume haben unterschiedliche Strategien wie sie mit Wassermangel umgehen. Nachdem Wasser über die Blätter verdunstet, reduzieren sie die Blattoberfläche oder die Blattmasse“, so Stoisser.
Gefährdete Standorte und mögliche Folgen
Anders als in der Eggenberger Allee ist die Lage am Kaiser-Josef-Platz besorgniserregender: Dort wirkten bereits Wochen zuvor mehr als zehn Exemplare vollständig verdorrt. Die Rosskastanien an diesem Platz gelten als besonders sensibel; Ursachen seien neben Trockenheit auch Salz und bis zum Stamm versiegelte Standorte, wie Stoisser anmerkt. Die Stadtverwaltung plant eine Bestandsaufnahme im Herbst, um zu prüfen, ob einzelne Bäume ausgewechselt werden müssen. Bei der 2019 erfolgten Platzsanierung sei für eine gründliche Verbesserung der Baumstandorte kein ausreichend großes Zeitfenster gewesen, heißt es aus der Abteilung.
Regional unterschiedliche Belastbarkeit
Ein Gegenbeispiel liefert der Ruckerlberggürtel: Dort zeigten sich 2023 gepflanzte Ulmen widerstandsfähiger gegenüber dem gegenwärtigen Wasserdefizit, während nahegelegene Rosskastanien bereits Braunfärbung zeigen. Dies unterstreicht, dass Pflanzjahr, Standortbedingungen und Artwahl entscheidend für die Kurzzeitreaktion auf Trockenstress sind.
- Eggenberger Allee: Platanen mit teilweisem Blattabwurf, Erscheinung wie im Herbst.
- Kaiser-Josef-Platz: Rosskastanien in sehr schlechtem Zustand, mehr als zehn Bäume komplett verdorrt.
- Ruckerlberggürtel: 2023 gepflanzte Ulmen trotzen der Trockenheit besser.
| Standort | Baumart | Befund |
|---|---|---|
| Eggenberger Allee | Platanen | Teilweiser Blattabwurf, kein Hinweis auf nachhaltige Schädigung (laut Stadt) |
| Kaiser-Josef-Platz | Rosskastanien | Mehrere Bäume komplett verdorrt; Zustand sehr schlecht |
| Ruckerlberggürtel | Ulmen (2023 gepflanzt) | Widerstandsfähiger gegenüber Trockenheit |
Konsequenzen für Pflege und Stadtplanung
Die Beobachtungen in Graz weisen auf mehrere Handlungsfelder hin, ohne dass die Stadtverwaltung aktuell von flächendeckender Baumsterblichkeit spricht. Entscheidend sind:
- verbesserte Standortqualität bei Sanierungen (Bodenvolumen, Entsiegelung),
- artgerechte Auswahl bei Neupflanzungen unter Berücksichtigung von Klimastress,
- gezielte Pflege- und Bewässerungsmaßnahmen in Trockenperioden.
Die anhaltende Trockenheit stellt kommunale Grünraumverantwortliche vor die Herausforderung, kurzfristige Reaktionen (Pflege, Ersatzpflanzungen) mit langfristiger Planung zu verbinden. Ein Lokalaugenschein im Herbst soll klären, ob und welche Bäume am Kaiser-Josef-Platz ersetzt werden müssen; konkrete Entscheidungen hängen auch von weiteren Witterungsentwicklungen ab.
Für Bürgerinnen und Bürger bleibt die Beobachtung des städtischen Baumbestandes relevant: Unterschiede zwischen Arten und Standorten zeigen, dass gezielte Maßnahmen Wirkung haben können, zugleich aber systemische Anpassungen der Stadtplanung nötig sind, um urbane Baumbestände in längeren Trockenperioden zu stabilisieren.