Im Thüringer Wald sind zwei weitere Luchse freigelassen worden. Die Weibchen „Wangari“ und „Lana“ verließen heute nahe Oberhof ein Aufwilderungsgehege und begannen, ihre neue Umgebung zu erkunden. Das teilte der Thüringer Landesverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) mit. Die Öffnung der Gehegetüren erfolgte in Anwesenheit von Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) und Thüringens Umweltminister Tilo Kummer (BSW).
Projektziel: Vernetzung und Aufbau stabiler Populationen
Mit den beiden Tieren erhöhte sich die Zahl der im Rahmen des Projekts im Thüringer Wald freigelassenen Luchse auf insgesamt neun. Der BUND arbeitet bei dem Vorhaben unter anderem mit dem WWF und weiteren Partnern zusammen. Ziel des Projekts ist es, isolierte und zu kleine Bestände zu vernetzen und so die langfristige Etablierung der Art im mitteldeutschen Raum zu ermöglichen.
Der Luchs gilt in Deutschland als streng geschützt und ist regional bedroht. Für die Akteure ist die gezielte Wiederansiedlung deshalb ein ergänzender Baustein zu Naturschutzmaßnahmen, etwa dem Erhalt und der Vernetzung von Lebensräumen.
Herkunft und Technik: Sender zur Nachverfolgung
Den Angaben zufolge stammen beide Weibchen aus Zuchten in Einrichtungen außerhalb Deutschlands: eines der Tiere wurde in einem belgischen Tierpark geboren, das andere in einem Wildnispark in der Schweiz. Beide Luchse wurden mit Halsbandsendern versehen, um ihre Aufenthaltsorte nachverfolgen zu können. Diese Sender sind so konstruiert, dass sie nach rund einem Jahr automatisch abfallen.
Die Nachverfolgung dient mehreren Zwecken: Sie ermöglicht wissenschaftliche Auswertungen zur Raumnutzung und Wanderung, hilft bei der Früherkennung von Problemen und liefert Daten, die für die künftige Planung von Schutzmaßnahmen wichtig sind.
Die Rolle der Weibchen
Laut Luchsexperten kommt den Weibchen eine besondere Bedeutung beim Aufbau stabiler Populationen zu. Weibchen seien seltener wanderfreudig als Männchen, besetzten aber Reviere, ziehen Nachwuchs auf und tragen so maßgeblich dazu bei, dass sich die Art dauerhaft ansiedeln kann. Markus Port, Luchsexperte des BUND Thüringen, betonte den historischen Verlust der Tiere aus heimischen Wäldern und die Bedeutung gezielter Maßnahmen:
„Der Luchs wurde aus unseren Wäldern verdrängt. Solange die Bestände in Deutschland noch zu klein und voneinander isoliert sind, braucht es gezielte Wiederansiedlungsprojekte wie dieses.“
Auswirkungen vor Ort und Erwartungen
Für Anwohnerinnen und Anwohner sowie Erholungssuchende im Thüringer Wald bedeutet die Freilassung vorerst vor allem Beobachtungsinteresse und Fragen zur Sicherheit. Luchse gelten als scheu und meiden in der Regel menschliche Siedlungsbereiche; Angriffe auf Menschen sind extrem selten. Für Landwirtinnen und Landwirte kann die Anwesenheit von Großraubkatzen jedoch Fragen zum Schutz von Nutztieren aufwerfen. Die Projektpartner verweisen in diesem Zusammenhang auf bereits erprobte Präventions- und Entschädigungsmechanismen in anderen Regionen.
Wissenschaftliche Begleitung und Monitoring
Das Projekt setzt auf wissenschaftliche Begleitung, um Erkenntnisse über Ausbreitung, Revierbildung und Fortpflanzung zu gewinnen. Die erhobenen Daten sollen helfen, künftige Freilassungen zu planen und geeignete Korridore zwischen Populationen zu identifizieren. Langfristig ist es das Ziel, nachhaltige, vernetzte Bestände zu schaffen, die genetisch stabil sind und natürlichen Schwankungen besser standhalten.
- Anzahl freigelassener Luchse im Projekt: 9
- Standorte der Herkunftszuchten: Belgien, Schweiz
- Überwachung: Halsbandsender, automatische Abfallfunktion nach ~1 Jahr
| Aspekt | Details |
|---|---|
| Freigelassene Tiere | Wangari, Lana (Weibchen) |
| Ort | Thüringer Wald, nahe Oberhof |
| Beteiligte Organisationen | BUND Thüringen, WWF, weitere Partner |
Ausblick
Die Freilassung von „Wangari“ und „Lana“ ist für die Projektbeteiligten ein weiterer Schritt, doch nach eigener Darstellung bleibt noch viel zu tun. Entscheidend sei die Vernetzung mit anderen Vorkommen in Deutschland, um genetische Austauschprozesse zu ermöglichen und auf lange Sicht stabile Populationen zu sichern. Dazu gehören neben weiteren Auswilderungen auch Maßnahmen zum Schutz und zur Vernetzung von Waldflächen sowie die begleitende Öffentlichkeitsarbeit, um Akzeptanz in der Bevölkerung zu stärken.
Das Monitoring der beiden Weibchen in den kommenden Monaten wird zeigen, ob sie sich in der Region etablieren, wie sie ihre Reviere wählen und ob es zu weiteren sichtbaren Effekten im Ökosystem kommt. Für den Thüringer Wald und seine Besucherinnen und Besucher bleibt die Rückkehr des Luchses ein bedeutendes umweltpolitisches und naturschutzfachliches Thema.