Erfurt. Thüringen verstärkt seine Anstrengungen gegen Einsamkeit im Alter: Das Sozialministerium plant, das bestehende Landesprogramm „Agathe“ flächendeckend auszubauen und gesetzlich zu verankern. Das Angebot, das Seniorinnen und Senioren bei der Vernetzung und bei der Suche nach lokalen Aktivitäten unterstützt, ist derzeit in 16 Landkreisen und kreisfreien Städten aktiv und soll künftig in allen Kommunen des Freistaats zur Verfügung stehen.
Was „Agathe“ leistet
„Agathe“ wurde 2021 gestartet und verfolgt das Ziel, Menschen im höheren Lebensalter zu helfen, soziale Kontakte zu erhalten oder neu aufzubauen. Für die Koordination und Beratung sind derzeit nach Angaben des Ministeriums 74 Fachkräfte tätig. Diese Fachkräfte informieren, beraten und vermitteln zu vorhandenen Unterstützungs- und Beteiligungsangeboten in der jeweiligen Region.
- Information und Beratung bei Vereins- und Freizeitangeboten
- Vermittlung zu ehrenamtlichen Treffpunkten und Initiativen
- Begleitung bei der Nutzung lokaler Unterstützungsstrukturen
In diesem Jahr stehen dem Programm knapp fünf Millionen Euro zur Verfügung; für 2027 sind im Landeshaushalt mehr als 5,9 Millionen Euro eingeplant. Damit soll die personelle und organisatorische Basis für die Ausweitung geschaffen werden.
„Plauderbank“ als sichtbarer Startpunkt
Um das Angebot bekannter zu machen und niedrigschwellige Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen, geht „Agathe“ mit einer sogenannten Plauderbank auf Tour. Der Auftakt fand am Samstag in Erfurt statt; bis September wird die Bank an insgesamt 16 Stationen Halt machen. Die Idee: Eine sichtbare Sitzgelegenheit soll Passanten zum Gespräch einladen und Aufmerksamkeit für das Thema Einsamkeit schaffen.
„Einsamkeit kann jeden Menschen treffen - gerade im höheren Lebensalter können fehlende Kontakte und Begegnungen eine große Belastung sein“, sagte Sozialministerin Katharina Schenk (SPD).
Die Tour soll nicht nur Aufmerksamkeit erzeugen, sondern zugleich als Niedrigschwellenangebot dienen: Wer Platz nimmt, kann ins Gespräch kommen, Informationen zu lokalen Angeboten erhalten oder auf weiterführende Hilfen vermittelt werden.
Hintergrund: Einsamkeit in Thüringen
Nach aktuellen Angaben leben in Thüringen 222.563 Menschen ab 63 Jahren allein. Vor diesem demografischen Hintergrund gewinnt ein strukturiertes Unterstützungsnetzwerk an Bedeutung, denn Einsamkeit kann Folgeprobleme wie psychische Belastungen oder eingeschränkte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben nach sich ziehen.
| Angabe | Zahl |
|---|---|
| Alleinlebende Menschen ab 63 Jahren | 222.563 |
| Fachkräfte im Programm | 74 |
| Stationen der Plauderbank-Tour | 16 |
| Etat 2026 (rund) | knapp 5 Millionen Euro |
| Etat 2027 (geplant) | mehr als 5,9 Millionen Euro |
Die geplante gesetzliche Verankerung soll die Kontinuität des Programms sichern und den Fortbestand auch über wechselnde Haushaltsperioden hinaus stärken. Laut Ministerium ist das derzeitige Netz von Fachkräften eine Grundlage, die mit Ausbau und Verankerung landesweit ausgebaut werden soll.
Praktische Bedeutung für Kommunen und Ehrenamt
Für Kommunen bietet „Agathe“ einen Kooperationspartner, um bestehende Angebote zielgerichteter zu vernetzen. Für Vereine und ehrenamtliche Initiativen kann die Plattform helfen, interessierte Ältere zu erreichen. Zugleich stellt die Ausweitung des Programms Anforderungen an die lokale Infrastruktur: Beratung braucht Räume, Transportangebote und verlässliche Ansprechpartner vor Ort.
Die Plauderbank-Tour ist als Auftakt gedacht, um das Thema sichtbar zu machen und direkt mit Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt zu treten. Konkrete Termine und Orte der weiteren Stationen werden vom Sozialministerium bekanntgegeben; bis September sollen die geplanten Haltepunkte besucht werden.
Langfristig zielt das Programm darauf ab, älteren Menschen möglichst selbstbestimmtes und aktives Leben in ihrem vertrauten Umfeld zu ermöglichen und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu stärken.