Hitze und anhaltende Trockenheit belasten die markanten Baumriesen in den historischen Parkanlagen Thüringens und zwingen Gärtner sowie Stiftungen zu verstärkten Schutz- und Pflegemaßnahmen. Die Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten betreut nach eigenen Angaben zwölf Gartendenkmale mit zusammen rund 360 Hektar Fläche; viele Bäume dort sind mehrere Hundert Jahre alt und als Gestaltungselemente unersetzlich.
Vermehrte Totholzbildung und Absterbeerscheinungen
Die Verantwortlichen beobachten, dass alte Bäume zunehmend mit Totholzbildung und Absterbeerscheinungen reagieren. „Extreme Winter und Sommer, auch Hochwasser und Stürme hat es immer gegeben“, sagte Stiftungssprecher Franz Nagel. Zugleich betonte er, dass Häufigkeit, Dauer und Intensität solcher Extremereignisse in den vergangenen Jahren zugenommen hätten.
„Seit 2018 sind jährlich etwa dreimal so viele Baumverluste zu beklagen wie im Zeitraum davor.“
Diese Entwicklung hat nicht nur ökologische, sondern auch finanzielle Folgen: Die Ausgaben für Baumpflege seien mittlerweile nahezu viermal so hoch wie die jährlichen Aufwendungen bis 2018. Im vergangenen Jahr habe die Pflege der Anlagen rund 700.000 Euro gekostet, teilte die Stiftung mit.
Welche Parks sind betroffen?
Betroffene Anlagen sind unter anderem der Fürstlich Greizer Park, der Schlosspark Altenstein, der Schlosspark Wilhelmsthal sowie der Englische Garten im Herzoglichen Park Gotha. Auch in den Parks der Klassik Stiftung Weimar zeigen sich Schäden: Dort stehen nach Angaben der Stiftung mehrere Alteichen, die vermutlich mehr als 300 Jahre alt sind, etwa im Park Belvedere und in der Nähe von Goethes Gartenhaus. Ebenso sei dort eine Elsbeere erhalten, die bis in die Barockzeit zurückreiche.
| Park | Charakteristik |
|---|---|
| Fürstlich Greizer Park | Artenreich, historische Baumriesen |
| Schlosspark Altenstein | Alte Baumexemplare als Blickpunkte |
| Schlosspark Wilhelmsthal | Gestaltungselemente des 18./19. Jahrhunderts |
| Englischer Garten, Herzoglicher Park Gotha | Einer der ältesten Parks nach englischem Vorbild |
| Park Belvedere (Weimar) | Alteichen und Elsbeere, historische Bedeutung |
Warum sind alte Bäume besonders gefährdet?
Alte Bäume sind häufig schon in ihrer Vitalität eingeschränkt und reagieren sensibler auf zusätzliche Belastungen wie anhaltende Trockenperioden oder sehr hohe Temperaturen. In Landschaftsparks des 18. und 19. Jahrhunderts dienen sie nicht nur als lebende Denkmäler, sondern auch als visuelle Schwerpunkt- und Blickpunktgeber. Geht ein solcher Baum verloren, verändert das die Struktur und Wirkung der gesamten Anlage.
- Viele Bäume in den Parks sind zwischen 200 und 250 Jahre alt.
- Einige Bäume – insbesondere Alteichen – können über 300 Jahre alt sein.
- Die Pflegekosten sind seit 2018 deutlich gestiegen; die Stiftung nennt rund 700.000 Euro für das vergangene Jahr.
Folgen für Besucher und Denkmalpflege
Für Besucher können abgestorbene Äste und instabile Kronen kurzfristig Einschränkungen bedeuten: Baumfällungen und Sperrungen von Wegen sind möglich, wenn die Verkehrssicherheit nicht mehr gewährleistet ist. Für die Denkmalpflege stellen Verluste von Einzelbäumen eine Herausforderung dar, weil Ersatzpflanzungen über Jahrzehnte hinweg nicht die gleiche historische Wirkung erzielen.
Gärtner und Baumpfleger versuchen, so viel wie möglich zu erhalten: Dazu gehören regelmäßige Kontrollen, gezielte Kronenpflege, Totholzentnahme, Bodenverbesserungsmaßnahmen und bei Bedarf die gezielte Fällung gefährdeter Exemplare. Solche Maßnahmen sind personal- und kostenintensiv, wie die steigenden Ausgaben zeigen.
Langfristig stellt sich die Frage, wie historische Parks an veränderte Klimabedingungen angepasst werden können, ohne ihren Charakter zu verlieren. Bisher betonte die Stiftung, dass die alten Bäume als zentrales Gestaltungsmerkmal erhalten bleiben sollen – zugleich übt die zunehmende Zahl von Pflegemaßnahmen und Fällungen Druck auf die Ressourcen der Träger aus.
Für Besucher und Anwohner bleibt wichtig: Beim Besuch historischer Parks ist mit kurzfristigen Einschränkungen zu rechnen, und der Erhalt der Bäume erfordert weiterhin erhebliche Investitionen. Die Frage, welche Baumarten künftig besser zurechtkommen und wie Pflegekonzepte angepasst werden müssen, wird in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen.