Die deutlich gestiegenen Preise für Schiffstreibstoffe setzen die öffentlichen Fährbetreiber in Norddeutschland unter Druck. In Hamburg meldet die städtische Hadag steigende Treibstoffkosten, in Kiel hat die Schlepp- und Fährgesellschaft (SFK) den eingesetzten Kraftstoff umgestellt. Beide Unternehmen betonen, dass das Angebot nicht reduziert werden soll, trotz zusätzlicher finanzieller Belastungen.
Hadag: Mehrkosten trotz stabiler Einnahmen
Die Hamburger HADAG, Betreiberin von insgesamt 28 Schiffen, berichtet von anhaltend höheren Aufwendungen für Schiffstreibstoffe. Nach Angaben des Unternehmens bleiben die Einnahmen konstant; die Kosten für Diesel steigen jedoch deutlich, sodass ein erhöhter Finanzbedarf entsteht, für den die Stadt einspringe. Eine Kürzung des Angebots sei nicht geplant, weil die HADAG zur öffentlichen Daseinsvorsorge gehöre und Fahrten anbieten müsse.
Die Flotte der HADAG tankt nach Unternehmensangaben schwefelbefreiten Marinediesel. Zum Bestand gehören zudem drei Hybrid-Fähren, die auch elektrisch betrieben werden können. Die HADAG erwartet nicht, dass das jüngst beschlossene Entlastungspaket von Bund und Ländern für Autofahrer spürbare Auswirkungen auf ihre Treibstoffkosten hat.
Kiel: Umstellung von GTL auf Marinediesel
Die Kieler Schlepp- und Fährgesellschaft betreibt auf der Schwentinelinie drei vollelektrische Fähren. Auf der Fördelinie, die Stadtteile beidseitig der Kieler Förde verbindet, sind fünf Plug-in-Hybrid-Schiffe im Einsatz. Diese fünf Fähren fuhren bislang üblicherweise mit GTL (Gas-to-Liquid), einem synthetischen Dieselkraftstoff, der aus Erdgas hergestellt wird und nach Angaben der SFK „kaum Feinstaub und Stickoxide“ verursacht.
„Dieser synthetische Dieselkraftstoff wird aus Erdgas hergestellt. Dieser Kraftstoff erzeugt kaum Feinstaub und Stickoxide“, sagt der Sprecher.
Die Produktionsanlage für GTL im Nahen Osten sei jedoch zerstört worden; deshalb setze die SFK nun auf normalen Marinediesel. Für die Reederei habe dies kurzfristig sogar Vorteile: Wegen der höheren Energiedichte des Marinediesels werde vergleichsweise weniger Kraftstoff benötigt, und der Preis liege aktuell niedriger als beim zuvor eingesetzten GTL. Allerdings kompensierten die etwas geringeren Kraftstoffkosten den Mehraufwand nicht vollständig, da der Diesel-Abgasstrom deutlich mehr Feinstaub enthalte und dadurch die Abgasfilter öfter gereinigt werden müssten.
Praktische Folgen für Betrieb und Umwelt
Die Umstellung hat mehrere konkrete Folgen für den Betrieb:
- Häufigere Reinigung und Wartung der Abgasfilter durch erhöhten Feinstaubanteil.
- Veränderte Verbrauchsmenge aufgrund unterschiedlicher Energiedichten der Kraftstoffe.
- Keine geplanten Angebotskürzungen bei HADAG und SFK trotz höherer Kosten.
Beide Gesellschaften betonen, dass die Versorgung der Fährlinien weiterhin gesichert bleiben solle. Bei der HADAG steht die öffentliche Aufgabe im Vordergrund; die Stadt trage den zusätzlichen Finanzbedarf. In Kiel wirkt sich die Treibstoffumstellung technisch und wirtschaftlich zugleich aus: Günstigerer Diesel, aber höhere Betriebskosten durch mehr Reinigungsaufwand.
Übersicht: Flotten und eingesetzte Treibstoffe
| Unternehmen | Flottengröße / Typen | Eingesetzter Treibstoff |
|---|---|---|
| HADAG (Hamburg) | 28 Schiffe, davon 3 Hybrid-Fähren | schwefelbefreiter Marinediesel; Hybridteile elektrisch |
| SFK (Kiel) | 3 vollelektrische Fähren (Schwentinelinie), 5 Plug-in-Hybride (Fördelinie) | bisher GTL; derzeit Marinediesel (Umstellung wegen Produktionsausfall) |
Hintergrund und Ausblick
Die Diskussion um Treibstoffkosten und die Auswahl von Kraftstoffarten ist nicht nur eine Frage der Wirtschaftlichkeit, sondern berührt auch Umweltaspekte und die Versorgungssicherheit öffentlicher Verkehrsangebote. Synthetische Kraftstoffe wie GTL gelten als sauberer in Bezug auf bestimmte Emissionen, sind jedoch anfällig für Lieferkettenstörungen. Marinediesel ist verbreiteter, verursacht aber nach Unternehmensangaben höhere Feinstaubwerte, die technische Maßnahmen zur Filterreinigung notwendig machen.
Für Pendler und Fahrgäste bedeuten die Veränderungen derzeit vor allem: Es soll keine Einschränkung im Angebot geben, kurzfristige Preiserhöhungen wurden von den Betreibern bislang nicht angekündigt. Die langfristige Entwicklung hängt von den Treibstoffmärkten, möglichen politischen Maßnahmen zur Entlastung sowie von Investitionen in alternative Antriebe ab.
Die HADAG und die SFK stehen damit exemplarisch für die Herausforderungen, mit denen kommunale Verkehrsunternehmen in Norddeutschland konfrontiert sind: steigende Energiekosten, technische Anpassungen und der Spagat zwischen ökologischen Zielen und wirtschaftlicher Tragfähigkeit.