Neue Variante reduziert Bauaufwand und Kosten
In der Debatte um die geplante Stadtbahnverbindung nach Ludwigsburg zeichnet sich nach Angaben aus der Region eine pragmatische Lösung ab: Züge mit Elektroakkus sollen die Strecke ohne Oberleitung befahren, und statt eines Viertelstundentakts wäre zunächst ein Halbstundentakt geplant. Diese Kombination würde nicht nur den Bau und die Kosten für eine Oberleitung entfallen lassen, sondern laut Informationen der beteiligten Stellen auch allein dadurch rund 20 Millionen Euro bei der Realisierung einsparen.
Weniger Bau in Ludwigsburg-West
Ein wesentliches Folgeelement des Kompromisses wäre, dass der geplante Neubau eines Bahnsteigs am Westausgang des Ludwigsburger Bahnhofs entfallen könnte. Hintergrund: Mit dem Halbstundentakt wäre es offenbar möglich, die Einfahrt der Strecke so zu planen, dass die Bahn nicht im Ludwigsburger Westen von der reaktivierten Strecke ausfädeln und über die Schlachthof- und Pflugfelder Straße bis vor die MHP Arena geführt werden müsste. Dieses umfangreiche Vorhaben hatte die Stadt Ludwigsburg bislang stets kritisch gesehen.
„Denn jetzt gehe es in erster Linie darum, das Projekt in die Umsetzung zu bringen.“
Nach Informationen dieser Zeitung unterstützen sowohl der Bürgermeister von Markgröningen, Jens Hübner, als auch der Ludwigsburger Rathausapparat diese pragmatische Linie. Aus Markgröningen heißt es, Rat und Verwaltung stünden hinter der geplanten Einfahrt in den Ludwigsburger Bahnhof.
Vorteile, aber auch kritische Punkte
Der Kompromiss bringt mehrere Vorteile: geringerer Bauaufwand, deutlich niedrigere Kosten und nach Einschätzung Beteiligter bessere Mehrheitschancen in den zuständigen Gremien. Gleichzeitig bestehen noch zentrale Einwände, die eine Entscheidung verzögern könnten.
- Verzicht auf den 15-Minuten-Takt: Der ursprünglich angestrebte Viertelstundentakt müsste aufgegeben werden.
- Anderer Charakter der Strecke: Mit der vorgeschlagenen Lösung wäre es nicht mehr unbedingt eine klassische Stadtbahn, sondern eher eine Vollbahn, vergleichbar mit einem Metropolexpress (MEX).
- Gleisbreite und Technik: Vollbahn-Gleise sind breiter als Stadtbahn-Gleise; zudem ist noch unklar, wie reibungslos Ein- und Ausfahrten auf dem betroffenen Streckenabschnitt funktionieren würden.
Unterschiedliche Positionen in der Region
Während Markgröningen und Ludwigsburg offenbar Signalwirkung für das Kompromissmodell senden, nimmt die Gemeinde Möglingen eine abwartende Haltung ein. Dort war der Gemeinderat im Juni noch für den Verbleib beim 15-Minuten-Takt eingetreten. Offiziell ist in Möglingen noch nicht entschieden, ob der Halbstundentakt mit akkubetriebenen Fahrzeugen eine Mehrheit findet.
| Variante | Merkmale | Folgen |
|---|---|---|
| 15-Minuten-Takt (ursprünglich) | Höherer Takt, Oberleitung, Stadtbahn-Charakter | Mehr Bauaufwand, höhere Kosten, größerer Nutzen für Pendler |
| Halbstundentakt + Akku-Züge (Kompromiss) | Keine Oberleitung, Akkubetrieb, Halbstundentakt | ~20 Millionen Euro Einsparung, geringerer Bauaufwand, mögliche Kapazitätseinbußen |
Was jetzt zu tun bleibt
Entscheidend wird sein, ob die beteiligten Kommunen – insbesondere Möglingen – dem Kompromiss zustimmen und ob technische Fragen zur Betriebsführung der akkubetriebenen Fahrzeuge zufriedenstellend geklärt werden können. Ebenso offen ist, wie die veränderte Linienführung und der Verzicht auf den Westbahnsteig städtebaulich und verkehrlich bewertet werden.
Sollte die Variante mit Akku-Zügen und Halbstundentakt die notwendige politische Mehrheit finden, wäre dies ein pragmatischer Schritt hin zu einer schnelleren Umsetzung des Vorhabens, wie mehrere Beteiligte betonen. Gleichzeitig bliebe die Frage, ob die getroffenen Abwägungen den langfristigen Verkehrszielen der Region ausreichend Rechnung tragen.