Spandau wächst — und mit ihm die Sorge, dass die notwendige Infrastruktur nicht mit dem Wohnungsbau Schritt hält. Auf der Insel Gartenfeld, in der Wasserstadt Oberhavel und rund um den Siemensstadt Square entstehen in den kommenden Jahren nach offiziellen Planungen tausende Wohnungen. Aus Erfahrungen mit früheren Neubaugebieten weiß der Bezirk: Wenn Kitas, Schulen, Grünflächen und ÖPNV erst Jahre später folgen, sind soziale Spannungen und logistische Engpässe vorprogrammiert.
„Infrastruktur-Check“ als verbindliches Instrument
Vor diesem Hintergrund fordern lokale Vertreter die Einführung eines verbindlichen Infrastruktur-Checks bei größeren Wohnungsbauvorhaben. Ziel ist, bereits vor dem Einzug der ersten Mieterinnen und Mieter transparent darzustellen, welche Betreuungs‑ und Bildungsplätze, Jugendangebote, Grünflächen und ÖPNV-Anbindungen benötigt werden und wann sie tatsächlich zur Verfügung stehen.
„Die komplette Infrastruktur muss mit und nicht nachwachsen.“
Die Forderung zielt darauf ab, Planungsprozesse zu beschleunigen und Verantwortlichkeiten klar zu benennen. Ein solcher Check soll nach Ansicht der Initiatoren nicht nur Auflistung, sondern auch Zeitpläne und Meilensteine enthalten, damit Bezirkspolitik, Entwicklerinnen und Entwickler sowie die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig wissen, worauf sie sich einstellen müssen.
- Kitas und Schulplätze: Bedarf sichtbar machen, damit Betreuungs- und Unterrichtsplätze rechtzeitig entstehen.
- Grünflächen und Spielräume: Stadtentwicklungsprojekte sollen Freiflächen planen, bevor die Quartiere belegt werden.
- ÖPNV-Anbindung: Planung zur Kapazitätssteigerung und Einbindung bestehender sowie geplanter Schienenprojekte, etwa der Siemensbahn.
Besonders die Einbindung der Siemensbahn wird als entscheidend angesehen: Sie soll nicht erst nachträglich diskutiert, sondern von Anfang an als fester Bestandteil der Quartiersplanung berücksichtigt werden. Nur so lasse sich laut Befürwortern ein reibungsloser Verkehrsablauf und eine nachhaltige Vernetzung der neuen Stadtteile mit dem übrigen Berlin sicherstellen.
| Quartier | Hauptforderung |
|---|---|
| Gartenfeld | Kitas, Integration der Siemensbahn in Planungen |
| Siemensstadt Square | ÖPNV‑Anbindung, Grünflächen |
| Wasserstadt Oberhavel | Schulplätze, Freizeitangebote |
Wachstum könne eine Chance für den gesamten Bezirk sein, betonen die Befürworter. Entscheidend sei, dass durch vorausschauende Planung nicht bestehende Engpässe verschärft, sondern neue Angebote geschaffen werden, die allen Spandauerinnen und Spandauern zugutekommen. Dazu gehöre auch die konsequente Nutzung von Landes‑ und Bundesmitteln sowie eine synchronisierte Planung zwischen Bezirksamt, Senat und privaten Investoren.
Die Debatte spielt gleichzeitig in eine breitere Diskussion über die Geschwindigkeit des Wohnungsbaus in Berlin: Während die Schaffung von Wohnraum dringlich ist, darf dies nach Ansicht vieler nicht zulasten der Lebensqualität und der sozialen Infrastruktur gehen. In Spandau steht daher die Forderung im Raum, bei neuen Bauprojekten zuerst die Frage zu beantworten: Was wird gebraucht und wann ist es da? Für viele Anwohnerinnen und Anwohner ist diese Frage nicht abstrakt, sondern entscheidend für den Alltag — vom Kita‑Platz bis zur Busverbindung zur Arbeit.
Ob der geforderte Infrastruktur-Check verbindlich wird und wie schnell konkrete Maßnahmen umgesetzt werden, bleibt offen. Klar ist aber: Die kommenden Jahre werden zeigen, ob Spandau Wachstum als Chance nutzt oder ob die Stadt an den neuen Belastungen zu knabbern hat.