Der Berliner Feinkostbetrieb Rogacki wird nach der Schließung im Sommer 2025 vorübergehend in Form eines Pop‑up‑Stores in die Stadt zurückkehren. Das Unternehmen kündigte an, dass der Probelauf in der Markthalle Neun in Kreuzberg eröffnet wird; der Starttermin ist für den 2. Oktober geplant.
Historische Wurzeln und schmerzhafte Unterbrechung
Rogacki begann 1928 als Aalräucherei und entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer Berliner Institution. Im Juli 2025 endete diese Kontinuität abrupt: Nach einem Hausbrand, bei dem der Inhaber Dietmar Rogacki ums Leben kam, schloss das Stammgeschäft in Charlottenburg. In der Folge stellte das Unternehmen einen Insolvenzantrag; Teile des Inventars wurden im Februar 2026 versteigert.
Pop‑up als „erster Schritt“
Das nun angekündigte Pop‑up in der Markthalle Neun ist nach Angaben der Geschäftsführung zunächst ein Test — inhaltlich sollen neben den bekannten Klassikern auch neue Gerichte angeboten werden. Jan Spielhagen, Mitglied der Geschäftsführung, ordnete die Rückkehr ein:
„Die Markthalle Neun ist nur der ‚erste Schritt‘.“
Konkrete Informationen zu weiteren Plänen nannte das Unternehmen bislang nicht. Geplant ist laut Mitteilung jedoch ein weiterer kleinerer Standort in Charlottenburg; dessen Adresse und Eröffnungszeitpunkt bleiben offen. Langfristig formulierte das Unternehmen das Ziel, zum 100. Jubiläum im Jahr 2028 ein neues Stammhaus in Charlottenburg zu eröffnen.
Bedeutung für Berlin — zwischen Tradition und Wandel
Für viele Berlinerinnen und Berliner hat Rogacki einen hohen symbolischen Wert: Das Geschäft stand für lokale Handwerkskunst im Bereich Feinkost und galt als Teil der kulinarischen Identität der Stadt. Die Rückkehr als Pop‑up ist einerseits ein Zeichen dafür, dass Marken mit langer Tradition eine zweite Chance erhalten können. Andererseits zeigt die Zwischennutzung in der Markthalle Neun, wie flexibel und experimentierfreudig die Berliner Gastro‑ und Einzelhandelslandschaft geworden ist.
- Datum der Pop‑up‑Eröffnung: 2. Oktober
- Vorübergehende Location: Markthalle Neun, Kreuzberg
- Langfristiges Ziel: neues Stammhaus in Charlottenburg zum 100. Jubiläum 2028
Die Entscheidung, zunächst in einer Markthalle zu starten, ist strategisch: Die Markthalle Neun gilt als beliebter Veranstaltungsort und zieht regelmäßig ein Publikum an, das Interesse an regionalen und traditionellen Produkten hat. Ein Pop‑up erlaubt es Rogacki, das Angebot zu testen, Kundenfeedback zu sammeln und gleichzeitig Präsenz in der Stadt zu zeigen, ohne sofort in ein neues, dauerhaftes Ladenlokal investieren zu müssen.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1928 | Gründung als Aalräucherei |
| Juli 2025 | Schließung des Charlottenburger Stammhauses nach Brand und Tod des Inhabers |
| Februar 2026 | Teile des Inventars wurden versteigert |
| 2. Oktober (geplant) | Eröffnung des Pop‑up‑Stores in der Markthalle Neun |
| 2028 (Ziel) | Eröffnung eines neuen Stammhauses zum 100. Jubiläum |
Offen bleibt, welche Größe und welches Sortiment das Pop‑up haben wird und in welchem Umfang Beschäftigte des früheren Geschäfts wieder aufgenommen werden können. Auch die Frage nach dem Standort des angekündigten kleineren Charlottenburg‑Standorts ist noch unbeantwortet. Für Anwohner und Stammkundschaft sind das entscheidende Punkte: Ob Rogacki in alter Form zurückkehren kann — mit dem Sortiment, dem Service und dem Ambiente, das viele mit dem Namen verbinden — wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Unabhängig davon ist die Rückkehr eines Traditionsbetriebs in die Berliner Marktlandschaft ein Signal: Stadtgeschichte bleibt relevant, wird aber zunehmend in neuen, flexibleren Formen weitergeführt. Das Pop‑up könnte für Rogacki der erste Schritt zu einer dauerhafteren Wiederkehr sein — oder ein kurzes Gastspiel, das der Erinnerung Raum gibt.
Korrespondenz aus Berlin.