Bundesminister vor Ort: Wissenschaft trifft Ehrenamt an der Gera
In Erfurt-Bischleben hat sich Bundesumweltminister Carsten Schneider persönlich an einer Untersuchung der Gera beteiligt. Anlass war ein Termin im Rahmen des bundesweiten Citizen-Science-Projekts FLOW, bei dem Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern den ökologischen Zustand kleiner Fließgewässer erheben. An der Aktion beteiligten sich Vertreterinnen und Vertreter örtlicher Angler sowie Mitglieder des Sportfischervereins Bischleben e. V. und des Deutschen Angelfischerverbands (DAFV).
Zusammenarbeit von Forschung und Zivilgesellschaft
Das Projekt FLOW wird von mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen getragen: der Friedrich-Schiller-Universität Jena, dem Helmholtz‑Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und dem Deutschen Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig (iDiv). Ziel ist es, den Zustand vieler kleiner Bäche und Flüsse flächendeckend besser einordnen zu können. Seit dem Projektstart 2021 haben sich nach Angaben der Projektverantwortlichen bundesweit zahlreiche Freiwillige beteiligt.
- Projektpartner: Friedrich‑Schiller‑Universität Jena, UFZ, iDiv
- Beteiligte vor Ort: Sportfischerverein Bischleben e. V., DAFV und Bürgerforschende
- Ziel: Erfassung des ökologischen Zustands kleiner Fließgewässer
Praxis: Gummistiefel, Kescher und Gespräche
Vor Ort wurden Wasserproben entnommen und die Gewässerstruktur sowie die Artenvielfalt geprüft. Der Minister zog im Gespräch mit Beteiligten Bilanz und hob die Bedeutung naturnaher Wasserräume hervor. Er betonte, dass Auen und Überflutungsflächen wieder gestärkt werden müssten, um Speicherfunktion, Kühlung und Grundwasserneubildung zu fördern. In Folge des anhaltenden Niedrigwassers bezeichnete er den Sommer als einen "Weckruf" für einen veränderten Umgang mit Wasserressourcen.
„Wir müssen Bächen und Flüssen wieder mehr Raum geben.“
Projektkoordinatoren bewerteten die Ergebnisse der Untersuchung an der Gera positiv: Trotz des trockenen Sommers seien Struktur und Artenreichtum des Gewässers besser erhalten als erwartet. Dies zeige, dass gezielte Schutz- und Aufwertungsmaßnahmen Wirkung entfalten können — vorausgesetzt, sie werden langfristig verfolgt und lokal umgesetzt.
Regionale Bedeutung und Ausblick
Für Anwohnerinnen und Anwohner von Gera und Erfurt hat die Aktion mehrere praktische und politische Implikationen: Die erhobenen Daten liefern lokale Informationen für weitere Planungen zum Gewässerschutz und können als Grundlage für Maßnahmen zur Renaturierung dienen. Gleichzeitig macht die Sichtbarkeit solcher Projekte deutlich, wie sehr kommunales Engagement und wissenschaftliche Begleitung verzahnt werden müssen, um kleine Gewässer in langen Trockenzeiten resilienter zu machen.
| Aspekt | Information aus der Aktion |
|---|---|
| Projektpartner | Universität Jena, UFZ, iDiv |
| Beteiligte vor Ort | Angler, Sportfischerverein Bischleben, Bürgerforschende |
| Ziel | Erfassung und Verbesserung des ökologischen Zustands kleiner Fließgewässer |
Die Aktion an der Gera ist Teil einer bundesweiten Initiative, die seit 2021 freiwillige Helferinnen und Helfer einbindet. Nach Angaben der Projektleitung haben sich seither zahlreiche Freiwillige an hunderten Messstellen beteiligt und damit eine Datengrundlage geschaffen, die in weitere Forschung und kommunale Planungen einfließen kann. Für die Akteure vor Ort bleibt nun die Herausforderung, die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Maßnahmen zu überführen — etwa durch Renaturierungsprojekte, die Schaffung von Auenraum oder die sensible Einbindung von Freizeitnutzungen wie Angelfischerei.
Die gemeinsame Untersuchung an der Gera verdeutlichte, dass lokales Engagement, fachliche Begleitung und politische Unterstützung zusammenwirken müssen, wenn kleine Flüsse künftig besser auf Trockenperioden und die Folgen des Klimawandels vorbereitet sein sollen. Für die Menschen entlang der Gera bedeutet das: praktische Verbesserungen am Gewässer und langfristige Planungen für mehr Widerstandskraft der Landschaft.