Der Globale Krebsstatusbericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) warnt, dass die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen ohne verstärkte Massnahmen bis 2050 voraussichtlich auf fast 35 Millionen ansteigen könnte. Die WHO macht neben dem demografischen Wandel vor allem verhaltens- und umweltbedingte Risikofaktoren als Treiber dieses Anstiegs aus.
Risikofaktoren und Präventionspotenzial
In dem Bericht heisst es, dass der erwartete Anstieg nicht allein durch Bevölkerungswachstum und -alterung zu erklären sei, sondern wesentlich von Faktoren wie Tabakkonsum, Alkoholkonsum, Übergewicht/Adipositas, Bewegungsmangel, Luftverschmutzung und bestimmten krebserregenden Infektionen getrieben werde. Eine WHO/IARC-Analyse aus dem Februar 2026 kommt zum Schluss, dass weltweit bis zu 40 Prozent der Krebsfälle durch die Reduktion dieser Risikofaktoren und die Umsetzung evidenzbasierter Präventionsmassnahmen vermeidbar wären.
Gesetzgebung als Instrument der Krebsbekämpfung
Als Reaktion auf die steigende Belastung haben zahlreiche Länder Krebsprävention und -bekämpfung zu einem nationalen Politikfeld erklärt. Der Bericht nennt als frühes Beispiel die Vereinigten Staaten, wo mit dem National Cancer Act von 1971 die Zuständigkeiten und Ressourcen des National Cancer Institute (NCI) erweitert wurden. Dieses Gesetz etablierte ein koordiniertes nationales Krebsprogramm und schuf Gremien zur Beratung, Evaluierung und Überwachung.
Der Nationale Krebsplan umfasst dem Bericht zufolge Ziele wie die Förderung der Forschung, die Ausbildung von Fachpersonal, den Aufbau von spezialisierten Krebszentren und die Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen Bundesbehörden und Forschungseinrichtungen. Für das Haushaltsjahr 2026 stellte der US-Kongress dem NCI dem Bericht zufolge 7,35 Milliarden US-Dollar zur Verfügung.
Konkrete Handlungsfelder für die Schweiz
Für die Schweiz bedeutet der Bericht eine Aufforderung zur Prüfung, welche Massnahmen national verstärkt werden sollen. Relevante Bereiche, die der WHO/IARC-Bericht hervorhebt, sind:
- Stärkere Tabak- und Alkoholpolitik sowie Präventionskampagnen;
- Programme zur Gewichtskontrolle, Ernährung und Bewegungsförderung;
- Reduktion der Luftverschmutzung und Schutz vor beruflichen Karzinogenen;
- Ausbau von Impfprogrammen gegen krebserregende Infektionen (z. B. HPV, Hepatitis B);
- Verbesserte Früherkennung und Zugang zu qualitativ hochwertiger Versorgung.
Der Bericht unterstreicht, dass gesetzgeberische Massnahmen allein nicht genügen; nötig seien integrierte Strategien, die Prävention, Früherkennung, Forschung und Versorgung verbinden. Nationale Programme müssten ausserdem auf evidenzbasierte Interventionen setzen und auf ihre Wirksamkeit geprüft werden.
Folgen für Gesundheitswesen und Politik
Die mögliche Zunahme der Krebsfälle stellt Gesundheitssysteme weltweit vor finanzielle und strukturelle Herausforderungen. Der Bericht macht deutlich, dass Investitionen in Prävention langfristig Kosten senken und die Krankheitslast reduzieren können. Für die Schweiz ist dies besonders relevant, da demografische Veränderungen und bereits bestehende chronische Erkrankungen die Nachfrage nach Onkologie-Dienstleistungen erhöhen werden.
Die WHO/IARC-Analyse liefert zudem Anlass für die Diskussion über Prioritätensetzung: Sollen Mittel stärker in Prävention und öffentliche Gesundheit fliessen oder in die weitere Verbesserung der Behandlungsangebote? Der Bericht legt nahe, beides zu verfolgen und nationale Strategien mit klaren Zielen, Monitoring und Finanzierung auszustatten.
| Aspekt | Schlüsselbotschaft |
|---|---|
| Prognose | Nahezu 35 Millionen jährliche Neuerkrankungen bis 2050 ohne Gegenmassnahmen |
| Präventionspotenzial | Bis zu 40 % der Fälle vermeidbar |
| Wesentliche Risikofaktoren | Tabak, Alkohol, Übergewicht, Bewegungsmangel, Luftverschmutzung, Infektionen |
Der WHO/IARC-Bericht fordert Staaten auf, Krebs als langfristige gesundheitspolitische Priorität zu behandeln und nationale Gesetze und Programme entsprechend anzupassen oder neu zu entwickeln. Für die Schweiz bedeutet das, vorhandene Strategien zu überprüfen und Prävention, Früherkennung sowie Versorgung systematisch zu stärken, um die prognostizierte Belastung zu reduzieren.