Die Waadtländer Mitte-Partei hat die Einreichung einer Strafanzeige gegen Staatsrätin Valérie Dittli angekündigt. Gegenstand der Anzeige ist ein bei der Waadtländer Kantonalbank geführtes Konto der Sektion Lavaux-Oron, das im Jahr 2025 eröffnet worden sei und über ein Guthaben von 22'000 Franken verfüge. Der Präsident der Partei, Giancarlo Sergi, bestätigte die Absicht gegenüber Keystone-SDA.
Was der Vorwurf konkret betrifft
Die Sektion wirft Dittli vor, versucht zu haben, das Konto zu schliessen und den Betrag zu überweisen. Die Staatsrätin verfügte demnach über eine Einzelvollmacht für dieses Konto. Die Sektion hat laut Mitteilung das Konto inzwischen gesperrt und Dittli die Vollmacht entzogen. Dittli bestreitet die Vorwürfe und fordert das Geld weiterhin ein; die Partei lehnt dies ab.
„…der Antrag auf Kontoschliessung“
Der Anwalt der Partei, Samuel Thétaz, präzisierte gegenüber Medien, die Strafanzeige solle bei der Waadtländer Staatsanwaltschaft klären, unter welchen Umständen der Antrag auf Kontoschliessung beim Kontoführer eingegangen sei und ob es sich um ein Parteiwahlkonto, ein persönliches Wahlkonto für Dittli oder ein Unterstützungs-/Zuwendungs‑Konto handle.
Politischer Kontext: Austritt und Neugründung
Die Kontroverse wurde publik am gleichen Tag, an dem Dittli ihren Austritt aus der Mitte-Partei bekanntgab. Der Bruch liegt etwa zwei Wochen zurück. Die gebürtige Zugerin hat nach eigenen Angaben eine neue Formation gegründet, das «Mouvement libéral», und will im kommenden Februar erneut für den Waadtländer Staatsrat kandidieren.
Offene Fragen und rechtliche Schritte
Die Partei kündigte an, die Strafanzeige am Donnerstag einzureichen. Sie zielt darauf ab, folgende Punkte durch die Staatsanwaltschaft prüfen zu lassen:
- Wer hat den Antrag auf Kontoschliessung gestellt?
- Wer ist wirtschaftlich berechtigt, über das Guthaben von 22'000 Franken zu verfügen?
- War das Konto als offizielles Parteiwahlkonto deklariert oder diente es ausschliesslich dem Wahlkampf von Dittli?
Auswirkungen auf den Kanton und die Parteienlandschaft
Der Fall verbindet rechtliche Fragen mit politischer Symbolik: Es geht nicht nur um die buchhalterische Klärung eines Kontos, sondern auch um Vertrauen innerhalb der Partei und die Integrität öffentlicher Amtsträger. Eine Strafanzeige gegen eine amtierende Staatsrätin ist ungewöhnlich und kann das politische Klima im Kanton weiter belasten, insbesondere in einer Zeit vor einer anstehenden Wiederwahl.
Was Betroffene und Beobachter jetzt wissen müssen
Bis zur Prüfung durch die Staatsanwaltschaft bleiben mehrere Aspekte ungeklärt. Relevant sind folgende Tatsachen, wie sie bisher bekannt sind:
| Fakt | Stand |
|---|---|
| Kontoinhaber | Sektion Lavaux-Oron der Waadtländer Mitte-Partei |
| Eröffnungsjahr | 2025 |
| Streitobjekt | Guthaben von 22'000 Franken und Antrag auf Kontoschliessung |
| Massnahme der Sektion | Kontosperre und Entzug der Vollmacht |
| Geplante Reaktion | Strafanzeige bei der Waadtländer Staatsanwaltschaft (Einreichung am Donnerstag) |
Die bevorstehende staatsanwaltliche Abklärung wird darüber Aufschluss geben, ob strafrechtlich relevante Handlungen vorliegen, oder ob der Konflikt primär innerparteilicher Natur ist und administrativ beigelegt werden kann.
Ausblick
Die Ankündigung der Strafanzeige markiert eine Eskalation im Konflikt zwischen Dittli und ihrer ehemaligen Partei. Für die Wählerinnen und Wähler im Kanton dürfte interessant sein, wie schnell und mit welchem Ergebnis die Staatsanwaltschaft die Angelegenheit klärt. Für die parteipolitische Landschaft im Waadt könnten die Entscheidungen vor den Wahlen im Februar spürbare Folgen haben.
Ich beobachte die Entwicklung und werde berichten, sobald die Staatsanwaltschaft oder die beteiligten Parteien weitere offizielle Angaben machen.