In den Kantonen Waadt und Genf kommen laut einem neuen Bericht des Interkantonalen Informationszentrums für Glaubensfragen (CIC) weiterhin Konversionsmassnahmen vor. Die Untersuchung, die zwischen 2023 und 2026 durchgeführt wurde, stützt sich auf 41 Interviews, Beobachtungen und zahlreiche Dokumente. Das CIC führt darin auch direkte Aussagen von Betroffenen an.
Umfang und Methode der Untersuchung
Die Studie basiert auf einer systematischen Auswertung qualitativer Daten. Die Autorinnen und Autoren führten insgesamt 41 Interviews durch; 18 Personen berichteten dem CIC ausdrücklich von Praktiken, die darauf abzielten, ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität zu verändern. Diese Aussagen bilden einen Kern der Analyse und zeigen ein breites Spektrum an Methoden und Situationen, in denen Konversionsmassnahmen stattfinden.
Was unter Konversionsmassnahmen verstanden wird
Das CIC beschreibt Konversionsmassnahmen als Praktiken mit dem Ziel, die Geschlechtsidentität oder sexuelle Orientierung einer Person zu ändern oder zu unterdrücken. Die Bandbreite reicht dem Bericht zufolge von subtilen Beeinflussungsversuchen bis zu schwerwiegenden Eingriffen in die körperliche Unversehrtheit. Solche Massnahmen können laut Studie im familiären Umfeld, innerhalb religiöser oder spiritueller Gemeinschaften sowie in psychotherapeutischen und medizinischen Zusammenhängen stattfinden.
- Kontext: Familie, religiöse Gemeinschaften, psychotherapeutische/medizinische Angebote
- Methoden: verbale Beeinflussung, Druck zu konfessionellen Praktiken, in Einzelfällen medizinische Eingriffe
- Beteiligte Altersgruppen: Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene
Psychische Folgen für Betroffene
Die Berichte der Betroffenen zeigen deutliche psychische Belastungen. Das CIC hebt besonders einen wiederkehrenden psychologischen Mechanismus hervor, der die Leidensgeschichte prägt:
«Der zugrunde liegende Mechanismus ist jener einer doppelten Schuldzuweisung. Viele Betroffene tragen bereits ein Schuldgefühl im Zusammenhang mit ihrer sexuellen Orientierung in sich. Das Scheitern der Veränderungsversuche verstärkt dieses Gefühl zusätzlich.»
Dem Bericht zufolge können Konversionsmassnahmen zu bedeutendem psychischen Leid führen, unter anderem zu Angst- und Depressionszuständen, vermindertem Selbstwertgefühl und Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen.
Beobachtungen aus der Westschweiz
Die Untersuchung dokumentiert konkrete Vorkommnisse in der Westschweiz, ohne jedoch in der öffentlichen Zusammenfassung einzelne Einrichtungen oder Personen namentlich zu nennen. Das Ziel der Studie ist es, das Ausmass und die Wirkungsweise dieser Praktiken transparent zu machen und die Erfahrungen der Betroffenen hörbar zu halten.
Wesentliche Erkenntnisse in einer Übersicht
| Angabe | Wert |
|---|---|
| Untersuchungszeitraum | 2023–2026 |
| Anzahl Interviews | 41 |
| Direkte Berichte von Betroffenen | 18 |
Praktische Bedeutung und offene Fragen
Die Studie liefert belastbare Hinweise, dass Konversionsmassnahmen kein Randphänomen sind. Für Politik, Gesundheits- und Sozialdienste stellen sich daraus mehrere Konsequenzen: Sensibilisierung von Fachpersonen, klare Handlungsleitlinien für therapeutische und medizinische Einrichtungen sowie Schutzangebote für Betroffene. Die Untersuchung dokumentiert Leid, nennt Mechanismen und zeigt Handlungsbedarf – konkrete politische oder juristische Forderungen enthält die öffentliche Zusammenfassung nicht.
Weitere Fragen betreffen die Prävention und die Aufarbeitung vergangener Fälle: Wie lassen sich Betroffene besser erreichen? Welche Rolle spielen religiöse Führungspersonen und familiäre Netzwerke? Und welche Unterstützungssysteme sind nötig, um psychische Folgen zu lindern?
Fazit
Das CIC macht mit seinem Bericht deutlich, dass Konversionsmassnahmen in der Westschweiz weiterhin vorkommen und erhebliche psychische Belastungen verursachen können. Die dokumentierten Erfahrungsberichte und die Analyse psychologischer Mechanismen bieten eine Grundlage für Diskussionen in Politik, Gesundheitswesen und Zivilgesellschaft über Prävention, Schutz und Unterstützung der Betroffenen.
Weitere, detaillierte Empfehlungen und mögliche politische Schritte bleiben Gegenstand künftiger Auseinandersetzungen auf kantonaler und interkantonaler Ebene.