Die Absage eines Schwimm-Events, das für schwarze Kinder und Jugendliche vor der Berliner Volksbühne geplant war, hat eine politische Debatte ausgelöst. Claudia Roth (Bündnis 90/Die Grünen) wirft der CDU Berlin und dem Regierenden Bürgermeister Frank Wegner vor, mit ihrem Verhalten rechten Kräften Vorschub zu leisten. Anlass der Auseinandersetzung ist die Streichung der Veranstaltung aus Sicherheitsgründen und die scharfen öffentlichen Reaktionen darauf.
Politische Vorwürfe nach Absage
Das temporär vor der Volksbühne am Rosa‑Luxemburg‑Platz aufgestellte Schwimmbecken, das als sogenanntes «Volksbad» betrieben wurde, sollte einige Stunden lang ausschließlich für Schwarze geöffnet werden, vor allem für Kinder und Jugendliche. Der Veranstalter, das Theater zusammen mit dem Verein Each One Teach One (Eoto), sagte die Veranstaltung ab, offiziell wegen Sicherheitsbedenken.
Unter den Kritikern befand sich auch die Vorsitzende der AfD, Alice Weidel, die das Ereignis als «Apartheid» bezeichnete und sogar die Streichung von Fördermitteln forderte. In diesem Klima meldete sich Claudia Roth zu Wort. Sie betonte, eine demokratische Regierungspartei müsse solcher Rhetorik entschieden widersprechen. Andernfalls trage sie dazu bei, dass sich die Stimmung «ungebremst gegen eine gesellschaftliche Gruppe» richte, die ohnehin häufig Anfeindungen ausgesetzt sei.
„Wer im Wahlkampf auf Distanz zu rechter Hetze verzichtet, weil sie gerade politisch bequem erscheint, macht sich zum Steigbügelhalter für die Kräfte, die unsere Gesellschaft spalten wollen.“
Was steht auf dem Spiel?
Die Debatte dreht sich um mehrere Ebenen: die Frage, wie öffentliche Räume genutzt werden dürfen; die Verantwortung staatlicher und politischer Akteure, wenn gesellschaftliche Spannungen sichtbar werden; sowie die Balance zwischen Sicherheitsbedenken und dem Recht auf geschützte Räume für marginalisierte Gruppen. Roth macht deutlich, dass politisches Schweigen in solchen Situationen nicht neutral sei, sondern Wirkung entfaltet.
Für viele Beobachter zeigt der Fall zudem, wie schnell kulturelle Projekte in einen politischen Konflikt umgedeutet werden können. Ein Angebot, das als Schutzraum und Erfahrungsort für Kinder gedacht war, wurde zum Gegenstand einer Debatte über Separation und Förderpolitik.
Reaktionen und Konsequenzen
Bisher gab es vonseiten der Berliner CDU und des Regierenden Bürgermeisters kein öffentlich starkes Statement, das den Vorwurf Roths entkräftet. Die Absage wegen Sicherheitsbedenken bleibt der offizielle Grund; weitere Schritte oder interne Abklärungen sind nicht kommuniziert.
- Veranstalter: Volksbühne und Verein Each One Teach One (Eoto); Absage wegen Sicherheitsbedenken.
- Kritik: Alice Weidel (AfD) sprach von «Apartheid» und forderte Sanktionen.
- Reaktion von Claudia Roth: Vorwurf an CDU und Wegner, durch Schweigen rechter Hetze nicht entgegenzutreten.
| Akteur | Haltung |
|---|---|
| Volksbühne / Eoto | Absage der Veranstaltung aus Sicherheitsgründen |
| Alice Weidel (AfD) | Kritik: bezeichnete Event als «Apartheid» |
| Claudia Roth (Grüne) | Vorwurf gegen CDU/Wegner: Schweigen fördere Spaltung |
Die Diskussion zeigt exemplarisch, wie sensibel kulturelle und gesellschaftliche Interventionen im öffentlichen Raum sind. Für politisch Verantwortliche stellt sich die Frage, ob und wie sie in polarisierten Debatten Position beziehen sollen, ohne die Sicherheit zu gefährden.
Für betroffene Familien und Kinder bleibt die praktische Konsequenz vorerst: Ein Angebot, das ihnen eine geschützte Erfahrung hätte ermöglichen sollen, fand nicht statt. Die Kontroverse könnte jedoch über den Einzelfall hinauswirken, wenn sie Standards dafür prägt, welche Projekte als zulässig oder förderungswürdig angesehen werden.
Die weitere Entwicklung hängt davon ab, ob die beteiligten Institutionen und die Politik den Dialog suchen, Hintergründe der Sicherheitsbedenken transparent machen und Möglichkeiten prüfen, ähnliche Angebote künftig zu schützen und zu ermöglichen.