Der traditionelle Standorthebel niedriger Gewinnsteuern gilt in der Unternehmensansiedlung weiterhin als wichtig, verliert aber an ausschliessender Wirkung. Stattdessen setzen Kantone vermehrt auf direkte Subventionen und andere fiskalische Mittel, um Firmen anzulocken. Das berichtet eine aktuelle Analyse, wonach Kantone wie Zug, Luzern und Nidwalden zu den aktivsten Wettbewerbern zählen.
Mehr als nur Steuern – Kriterien bei Ansiedlungen
Wirtschaftsförderer betonen, dass Entscheide von Unternehmen nicht allein aufgrund tiefer Steuersätze fallen. Neben der Steuerbelastung spielen laut der Analyse mehrere Faktoren eine Rolle:
- Rechtssicherheit und politische Stabilität
- Liberale Arbeitsmarktbedingungen
- Lohn- und Betriebskosten
- Versorgungssicherheit, namentlich Strom
- Dichte an Branchenclustern und qualifizierte Arbeitskräfte
- Verfügbarkeit geeigneter Immobilien
Dabei lasse sich vieles «auf einem Excel-Sheet darstellen», wie der Steuerexperte Remo Keller vom Zürcher Anwaltsbüro Pestalozzi präzisiert.
«Verglichen wird alles, was auf einem Excel-Sheet dargestellt werden kann»
Zug, Luzern und Nidwalden: die interkantonalen Spitzenreiter
Die Untersuchung zeigt, dass der interne Steuerwettbewerb zwischen Kantonen weiterhin ausgeprägt ist. Als harte Konkurrenten der Schweiz auf internationaler Ebene werden Singapur, Irland und die Niederlande genannt. Innerhalb der Schweiz messen Experten den effektiven Steuerdruck in manchen Kantonen auf rund 11,7 Prozent bezogen auf den Gewinn — eine Zahl, die oft mit Zug, Luzern und Nidwalden in Verbindung gebracht wird.
| Konkurrenten / Kantone | Bemerkung | Effektive Steuerbelastung (Gewinn) |
|---|---|---|
| Zug, Luzern, Nidwalden | Interkantonaler Steuerwettbewerb | ≈ 11,7 % |
| Singapur, Irland, Niederlande | Harte ausländische Konkurrenz | — |
Subventionen als neues Instrument
Weil Steuern nicht mehr allein entscheiden, greifen Kantone vermehrt zu direkten finanziellen Anreizen. Subventionen können für Unternehmen kurzfristig attraktiv sein und Investitionsentscheidungen beschleunigen. Gleichwohl werfen sie Fragen der Fairness und der langfristigen Wirksamkeit auf: Subventionen belasten den kantonalen Haushalt und verschieben den Wettbewerb von der Steuerpolitik in Richtung ausgewiesener Förderpakete.
Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Zug
Für Zug bleibt die Kombination aus tiefen Steuern, Infrastruktur und einem etablierten Unternehmensumfeld ein starkes Argument. Die Stadt und der Kanton profitierten historisch von einer klaren Standortmarke, die jetzt jedoch durch aktive Subventionspolitik anderer Kantone ergänzt werden muss. Für lokale Behörden bedeutet dies, dass Standortförderung zunehmend komplexer wird: Es geht nicht mehr nur um Steuersätze, sondern um abgestimmte Angebote aus Baurecht, Spezialförderungen, Genehmigungsprozessen und Infrastruktur.
Praktische Fragen für Unternehmen und Steuerpolitik
Unternehmen, die einen Standortwechsel oder eine Expansion in der Schweiz prüfen, stehen vor einer erweiterten Entscheidungsgrundlage. Sie müssen steuerliche Aspekte gegen praktische Standortfaktoren abwägen und die Nachhaltigkeit von Subventionsangeboten kritisch prüfen. Für die öffentliche Hand bedeutet der Trend zu Subventionen, dass Steuerharmonisierung und Transparenz wichtiger werden, um einen ruinösen Wettlauf zu vermeiden.
Die Debatte um Steuerwettbewerb und Subventionen wird in den kommenden Monaten und Jahren an Bedeutung gewinnen, wenn Kantone ihre Strategien zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Steuererträgen überdenken. Die Herausforderung für Zug liegt darin, seine Stärken zu bewahren und gleichzeitig flexibel auf neue, direkte Förderangebote der Konkurrenz zu reagieren.
Kontakt und weiterführende Informationen: Wirtschaftsförderung und Steuerexperten empfehlen, Standortentscheide auf eine breite Datenbasis zu stellen und nicht allein auf kurzfristige Subventionsversprechen zu vertrauen. Weitere Analysen zur kantonalen Steuer- und Förderpolitik werden erwartet.