Der Kanton Schaffhausen führt ab Mitte August ein kantonsweites First-Responder-System ein. Damit sollen bei Herz-Kreislauf-Stillständen Leben gerettet werden, indem geschulte Ersthelferinnen und Ersthelfer schon vor dem Eintreffen der Ambulanz mit der Reanimation beginnen. Die Massnahme ersetzt bisherige lokale Lösungen und zielt darauf ab, die Zeitspanne bis zum Beginn lebensrettender Massnahmen zu verkürzen.
Bedeutung der ersten Minuten
Bei einem Herzstillstand entscheidet insbesondere die erste Zeitspanne über das Überleben. Gemäss den Verantwortlichen sinkt die Überlebenschance mit jeder Minute ohne Hilfe um rund 10 Prozent. First Responder sollen diese Lücke schliessen, indem sie vor Ort eintreffen und unmittelbar mit Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) und gegebenenfalls Defibrillation beginnen.
Daniel Göggel, Fachverantwortlicher des neuen Systems und Rettungssanitäter bei den Spitälern Schaffhausen, betont die Relevanz:
«Unsere Aufgabe ist es, möglichst schnell vor Ort zu sein und mit der Reanimation zu beginnen.»
Göggel spricht aus beruflicher Erfahrung und beschreibt auch eine persönliche Situation, in der er erfolgreich reanimierte und den Patienten mit stabilem Kreislauf an die eintreffende Ambulanz übergeben konnte. Solche Erlebnisse unterstreichen den praktischen Nutzen eines raschen Einsatzes.
Von lokalen Lösungen zu einer kantonsweiten Struktur
Bis anhin existierten im Kanton einzelne, lokal organisierte First-Responder-Strukturen. In Stein am Rhein und umliegenden Gemeinden sowie in Wilchingen und Osterfingen waren vor allem Feuerwehren als Ersthelfer im Einsatz. Diese bestehenden Angebote werden in das neue System integriert und formal zu einer gemeinsamen kantonalen Einheit zusammengeführt.
Die Umstellung beinhaltet organisatorische Änderungen, wobei die Bereitschaft der bisherigen Helferinnen und Helfer, weiter mitzuwirken, laut Göggel «sehr gross» sei. Damit bleibt wertvolles Know-how erhalten, während die Koordination zentralisiert wird.
- Ziel: Frühzeitiger Beginn der Reanimation bei Herzstillstand
- Start: Ab Mitte August kantonsweit
- Betroffene Regionen: Integration bestehender Standorte wie Stein am Rhein, Wilchingen/Osterfingen
Organisation und Einsatzkriterien
Das System wird von der Notrufzentrale ausgelöst, sobald ein Herz-Kreislauf-Stillstand vorliegt und der Rettungsdienst voraussichtlich längere Anfahrtszeiten hat. In solchen Fällen alarmiert die Zentrale die First Responder parallel zur Ambulanz. Die Ersthelferinnen und Ersthelfer sollen so schnell wie möglich vor Ort sein, um mit der Reanimation zu beginnen und allfällige Defibrillationsmassnahmen einzuleiten.
Die Einbindung in die Notfallkette verlangt klare Absprachen zwischen Notrufzentrale, Rettungsdienst, Spitälern und Ehrenamtlichen. Göggel kennt diese Abläufe aus dem Rettungsdienst und ist einer der Fachverantwortlichen, die den Aufbau des Systems betreuen.
Regionale Auswirkungen und praktische Hinweise
Für Bewohnerinnen und Bewohner ausserhalb städtischer Zentren kann das neue System besonders wichtig sein. In dünn besiedelten Gebieten sind Anfahrtszeiten der Ambulanz oft länger; hier können lokal stationierte First Responder die entscheidenden Minuten überbrücken.
Praktische Hinweise für die Bevölkerung:
- Bei Notfällen weiterhin sofort die Notrufnummer wählen.
- Beschreiben Sie den Einsatzort möglichst genau (Gemeinde, Strasse, markante Punkte), damit die Notrufzentrale rasch disponieren kann.
- Wenn möglich, bitten Sie Anwesende um aktive Unterstützung (HLW oder Absetzen eines Defibrillators), bis die First Responder eintreffen.
Ausblick und offene Fragen
Das kantonsweite System soll die Erste Hilfe im Notfall verbessern. Entscheidend bleibt, wie schnell die externe Koordination, Ausbildung und Verfügbarkeit der First Responder in allen Regionen umgesetzt werden können. Angaben zu Ausbildungskursen, Ausrüstung oder konkreten Einsatzzeiten nannte die Quelle nicht; diese Informationen dürften in den kommenden Wochen folgen, wenn das System eingeführt wird.
Für den Kanton Schaffhausen ist die Neuerung ein Schritt zur Stärkung der Notfallversorgung: Durch frühzeitige Interventionen der First Responder soll die Zeit bis zur definitiven medizinischen Versorgung verkürzt und so die Überlebenschancen bei Herzstillstand erhöht werden.