Jeannine Hess, Senior Lecturer am Department of Chemistry des King’s College London und Gruppenleiterin im Biological Inorganic Chemistry Laboratory des Francis Crick Institute, ist Trägerin des German Chemical Biology Lectureship 2026. Die Auszeichnung würdigt Ansätze, die chemische Biologie und Wirkstoffforschung verbinden und neue, strukturgeleitete Werkzeuge zur Erforschung von Krankheitserregern entwickeln.
Ausgezeichnete Forschungsansätze
Die Jury hob Hess’ Arbeit hervor, in der metallorganische Komplexe sowohl als präzise chemische Sonden als auch als funktionale Werkzeuge eingesetzt werden. Ihre Forschung verbindet strukturorientiertes Design mit der Ausnützung intrinsischer chemischer Eigenschaften dieser Verbindungen, um Pathogene gezielt zu untersuchen. Damit trägt sie Methoden bei, die in der Wirkstoffforschung und in der molekularen Biologie neue Möglichkeiten eröffnen.
Preisvergabe und Vortragstermine
Die Verleihung des Lectureship ist mit einem Vortrag verbunden: Hess wird ihren Preisvortrag an der Tagung Advances in Chemical Biology halten, die vom 26. bis 27. Januar 2027 in Frankfurt stattfindet. Darüber hinaus ist vorgesehen, dass sie anschliessend mehrere wissenschaftliche Vorträge an weiteren Orten in Deutschland präsentiert.
- Preisverleihung und Hauptvortrag: Advances in Chemical Biology, Frankfurt, 26.–27. Januar 2027
- Weitere wissenschaftliche Vorträge: an verschiedenen Orten in Deutschland (Termine folgen)
Förderer und Auswahlkriterien
Der Lectureship wird alle zwei Jahre vergeben. Anspruchsberechtigt sind junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die in einem anderen EU- oder assoziierten Land arbeiten und das 40. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Ausgezeichnet werden kreative oder besonders interessante Forschungsansätze im Bereich der chemischen Biologie.
Die Finanzierung des Preisgelds erfolgt gemeinschaftlich durch vier Fachgesellschaften, die den Award unterstützen. Die Auswahl trifft der Vorstand der gemeinsamen Chemical Biology Division dieser Gesellschaften.
| Mitfinanzierende Gesellschaften | Rolle |
|---|---|
| Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie e.V. (DECHEMA) | Mitfinanzierung |
| Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft e.V. (DPhG) | Mitfinanzierung |
| Gesellschaft für Biochemie und Molekularbiologie e.V. (GBM) | Mitfinanzierung |
| Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh) | Mitfinanzierung |
Als Preisgeld wird ein Betrag von Fr. 2'000 genannt, der gemeinsam von den vier Gesellschaften bereitgestellt wird.
Bedeutung für die Forschung
Der German Chemical Biology Lectureship hebt explizit junge, international tätige Forschende hervor, deren Arbeit Brücken zwischen Disziplinen schlägt. In Zeiten, in denen interdisziplinäre Ansätze in der Arzneimittelentwicklung an Bedeutung gewinnen, sind strukturgeleitete Methoden und chemische Sonden zentrale Werkzeuge. Hess’ Fokus auf Metallkomplexe als multifunktionale Instrumente steht exemplarisch für dieses Feld.
Für die Schweiz und die hiesige Forschungslandschaft sind solche Auszeichnungen ebenfalls relevant: Sie signalisieren Forschungsrichtungen, die in europäischen Netzwerken sichtbar werden, und zeigen, welche Methoden und Denkweisen aktuell als besonders fruchtbar gelten. Konferenzen wie die Advances in Chemical Biology dienen als Plattformen für Austausch, Kooperation und Transfer zwischen Universitäten, Instituten und der Industrie.
Die Bekanntgabe des Preisträgers macht zudem deutlich, wie Fachgesellschaften gemeinsam Nachwuchsförderung betreiben: durch finanzielle Unterstützung, durch Sichtbarkeit und durch die Einladung zu Vorträgen, die Forschungsergebnisse einem breiten Fachpublikum zugänglich machen.
Für die kommenden Monate bleibt zu beobachten, welche Forschungsinhalte Hess in Frankfurt und bei den weiteren Terminen präsentiert. Ihre Arbeit könnte Impulse für neue Fragestellungen in der chemischen Biologie geben und Denkanstösse für kollaborative Projekte, auch mit Schweizer Forschungseinrichtungen, liefern.