Trockenheit gefährdet Rheinschifffahrt — Auswirkungen für die Schweiz
Der Rhein führt infolge anhaltender Trockenheit so wenig Wasser, dass die Güterschifffahrt zwischen Koblenz und Mainz bald unterbrochen werden könnte. Für die Schweiz wäre das ein spürbarer Einschnitt: Über die Rheinhäfen werden nach Angaben der Betreiber rund 10 bis 12 Prozent des gesamten Importvolumens abgewickelt; darunter befindet sich etwa ein Drittel des eingeführten Treibstoffs.
Im Jahr 2025 wurden der Statistik zufolge rund 3,8 Millionen Tonnen Güter via Rhein importiert. Aufgrund der aktuellen Situation fahren zurzeit keine Containerschiffe mehr auf dem Rhein, weil sich die Fahrten nur noch dann rentieren würden, wenn die Schiffe voll beladen sind — was bei den niedrigen Wasserständen nicht gewährleistet ist.
Logistiker weichen auf Strasse und Schiene aus
Die Schweizerischen Rheinhäfen und Logistikunternehmen beobachten bereits eine Verschiebung der Transporte: Auftraggeber entscheiden, welche Güter prioritär sind, und stellen dafür von Wasser auf Strasse oder Schiene um. Die Rhenus Logistics AG, ein bedeutender Logistikdienstleister mit Terminals in Basel, bestätigt die Notwendigkeit zur Flexibilität.
„Wir müssen flexibel bleiben“, sagt Claudia Bracher, Sprecherin der Rhenus Alpina Gruppe.
Wie viele Aufträge konkret via Alternativrouten abgewickelt werden, geben die Unternehmen nicht an. Dennoch ist klar: Bei eingeschränkter Schifffahrt steigen Kosten und Belastungen für die anderen Verkehrsträger — mit Folgen für Transitzeiten, Frachtpreise und Verkehrssicherheit.
Versorgungssicherheit: Pflichtlager puffern, aber nicht unbegrenzt
Für die Versorgungssicherheit spielen gesetzliche Pflichtlager eine zentrale Rolle. Nach Angaben aus der Berichterstattung sichern solche Lager die Versorgung mit Nahrungsmitteln für etwa zwei bis vier Monate, Treibstoffbestände reichten derzeit für rund viereinhalb Monate. Diese Fristen bieten Spielraum, ersetzen aber nicht dauerhaft funktionierende Transportwege.
| Ware | Vorrat (geschätzt) |
|---|---|
| Nahrungsmittel | 2–4 Monate |
| Treibstoff | 4,5 Monate |
| Importvolumen via Rhein (2025) | 3,8 Mio. Tonnen |
| Anteil Schweizer Importe über Rhein | 10–12 % |
Welche Güter sind besonders betroffen?
Aus den vorliegenden Angaben geht hervor, dass besonders Mineralölprodukte und Containerfracht unter den eingeschränkten Schifffahrtskapazitäten leiden. Die Rheinhäfen melden, dass aktuell keine Containerschiffe verkehren, weil Teilbeladungen die Wirtschaftlichkeit der Fahrten aufheben. Entsprechende Verzögerungen treffen die gesamte Lieferkette: Häfen, Speditionen, Umschlagbetriebe und letztlich Abnehmer in Industrie und Handel.
- Direkte Folge: Verschiebung von Transporteinheiten auf Strasse und Schiene.
- Indirekte Folge: Erhöhte Transportkosten und längere Lieferzeiten.
- Risiko: Zusätzliche Belastung der Strasseninfrastruktur und des Schienennetzes.
Auswirkungen für den Wirtschaftsstandort Schweiz — auch Zug betroffen
Für den Kanton Zug als Wirtschaftsstandort mit vielen international tätigen Unternehmen sind unterbrochene Rheinverkehre ein zusätzliches Risiko. Lieferengpässe bei Treibstoff können Transport- und Produktionskosten erhöhen. Firmen, die stark auf importierte Vorprodukte setzen, müssen ihre Beschaffungs- und Lagerstrategien prüfen. Kurzfristig bieten Pflichtlager einen Puffer; mittelfristig sind jedoch alternative Logistikkonzepte und Belastungen des Strassennetzes zu erwarten.
Was bleibt zu beobachten
Entscheidend für die weitere Entwicklung sind die hydrologischen Bedingungen am Rhein in den kommenden Wochen sowie die Verfügbarkeit und Kapazität von Ausweichrouten. Behörden und Wirtschaftsverbände werden die Lage beobachten und gegebenenfalls Massnahmen empfehlen. Im Vordergrund steht, die Lieferketten möglichst störungsfrei zu halten und Engpässe bei kritischen Gütern zu vermeiden.
Für Unternehmen heisst das: Kurzfristig operative Flexibilität, mittelfristig Anpassungen in Beschaffung und Lagerhaltung sowie verstärkte Koordination zwischen Hafenbetreibern, Logistikern und Auftraggebern.
Die Situation zeigt einmal mehr, wie verwundbar internationale Transportachsen gegenüber klimatischen Extremen sind und welche Bedeutung resiliente Logistik für die Versorgungssicherheit der Schweiz hat.