Auf der Abschlussfahrt der diesjährigen Literaturboote in Neuhausen nahm Bernard «Beni» Thurnheer das Publikum mit auf eine kompakte Weltreise aus Anekdoten, Zahlen und feiner Selbstironie. Bei sonnigem Abendlicht am Rheinquai hiessen die Lautsprecher pünktlich um 17.00 Uhr: «Anker hoch und Sorgen runter!»
Ein Verein, drei Anliegen
Die Veranstaltung fand auf einem Elektrosolarboot statt; Gäste warteten an Festbanktischen, die Atmosphäre erinnerte an ein Dorffest mit literarischer Note. Ruedi Meier, Präsident des ausrichtenden Rebbauvereins Neuhausen, stellte klar, dass der Verein nicht allein Weinpflegen pflegt, sondern auch Dorfveranstaltungen und Kultur fördert. Die Literaturboote seien ein fester Bestandteil dieser kulturellen Arbeit.
Konzentrierte Miniaturen: Thurnheers Konzept
Als Anlass seines Auftritts diente Thurnheers jüngstes Buch «Beni Thurnheer reist um die Welt (siehe Kreditkarte)». Das Konzept ist bewusst knapp: Jede Geschichte umfasst laut Autor etwa zwei bis drei Seiten und beansprucht rund fünf Minuten Lesezeit. In dieser Prägnanz lag der Reiz des Abends: kurzweilige Kapitel, die im Kopf Grosses zu einer kompakten Collage fügen.
| Element | Angabe |
|---|---|
| Geschichtenlänge | 2–3 Seiten |
| Dauer pro Kapitel | ca. 5 Minuten |
| Erster Abzug im Buch | 500 australische Dollar (Sydney) |
Anekdoten mit Zahlen
Thurnheer eröffnete die Lesung mit einer finanziellen Fussnote: Das erste Kapitel beginnt mit einer Abbuchung über 500 australische Dollar in Sydney. Die Stadt bezeichnete er als seine «absolute Lieblingsstadt», die er bereits siebenmal besucht habe. Zudem verwies er auf seine umfangreichen Reisen: Über seine Karriere hinweg habe er mehr als 100 Länder besucht – ein Rekord, den er teilweise seinem langjährigen Arbeitgeber zuschrieb.
«Bei den Kreditkartenabrechnungen merkt man in diesen 15 Jahren auch einen gewissen Reifeprozess. Andere würden sagen: einen Alterungsprozess.»
Mit trockenem Humor räumte Thurnheer ein, er habe «alle europäischen Länder auf Kosten der Konzessionszahler besucht», ein Bild, das beim Publikum Heiterkeit hervorrief. Moderator und ehemaliger Schulleiter Stefan Balduzzi, zugleich Mitglied des Organisationskomitees, ergänzte pointiert biografische Hinweise: Am 11. August habe Thurnheer ein Alter erreicht, dessen Quersumme 14 ergebe – ein kurzer, schelmischer Blick auf die Zeitspanne zwischen 60 und 75 Jahren.
Zwischen Wein, Wort und Rhein
Die Form des Abends spiegelte den regionalen Charakter: Der Rebbauverein verband Kultur mit lokaler Geselligkeit, und das Elektrosolarboot band Nachhaltigkeit in die Veranstaltung ein. Die Literaturboote bleiben so eine Plattform, auf der bekannte Namen und Dorfbewohnerinnen aufeinander treffen, Geschichten geteilt und Erinnerungen austauscht werden.
- Format: Kurze, aufmerksamkeitsstarke Miniaturen aus Reisen und Alltag.
- Publikum: Mehrheitlich regional und gereift, wie Meier betonte.
- Ort: Elektrosolarboot auf dem Rhein, Start am Rheinquai Neuhausen.
Der Abend zeigte, wie lokale Kulturinitiativen mit überschaubaren Mitteln prominente Figuren einbinden und so Literatur, Wein und Ortsleben verknüpfen. Die Kombination aus persönlichen Anekdoten, präziser Kürze und einem Hauch Fernweh machte die Abschlussfahrt zu einem typischen Kulturereignis, das sowohl Unterhaltungswert als auch eine gewisse literarische Ernsthaftigkeit besass.
Für den Rebbauverein bleibt die Mission klar: Kultur vor Ort sichtbar machen, Begegnungsräume schaffen und mit Veranstaltungen wie den Literaturbooten das kulturelle Profil der Gemeinde stärken. Für das Publikum bot der Abend einen leichten, doch nachhaltigen Blick in eine Welt, die sich zwischen Kreditkartenabrechnungen, Lieblingsstädten und langen Fernsehkarrieren entfaltet.