Elke Heidenreich veröffentlicht mit «Ach, eine Fanfare!» eine Sammlung ihrer literarischen Liebeserklärungen. Der Band versammelt Rezensionen, Vorworte und Porträts, die die Literaturkritikerin und Moderatorin über Jahrzehnte geschrieben hat. Ziel ist weniger eine chronologische Werkschau als eine Einladung: Leserinnen und Leser sollen wieder Lust bekommen, Klassiker und vergessene Autorinnen und Autoren neu zu entdecken.
Eine Stimme, die Bücher lebendig macht
Heidenreichs Tonfall ist vertraut und mitreissend. In den Texten zeigt sich, weshalb sie für viele als eine der leidenschaftlichsten Vermittlerinnen von Literatur gilt. Der Band enthält keine neuen, eigens für diese Ausgabe verfassten Beiträge, sondern versammelt bereits veröffentlichte Stücke aus ihrer langen Tätigkeit als Kritikerin und Kommentatorin. Damit entsteht ein Panorama literarischer Leitsterne, die sie auf ihrer «Lebenslesereise» begleitet haben.
Die frühen Orientierungspunkte
Als prägende Lektüre nennt Heidenreich unter anderem Gottfried Benn. Schon als Teenager habe sie sich intensiv mit Benns Dichtung auseinandergesetzt; die frühe Begegnung habe ihr literarisches Empfinden geschärft und ihr Sprachbewusstsein geformt. Eindrücklich schildert sie, wie Bücher in Krankheitstagen um ihr Bett gestapelt waren und so zu Gefährten wurden, die Trost und Einsicht brachten. Zugleich bleibt Heidenreich kritisch: Sie verschweigt nicht Benns politische Verstrickungen und problematische Seiten.
«Ach, eine Fanfare!»
Der Band ist ein Kaleidoskop von Stimmen: Neben Benn begegnet die Leserschaft Autorinnen wie Simone de Beauvoir, deren Kühnheit Heidenreich bewundert. Insgesamt zeigen die ausgewählten Texte ein Spektrum, das von klassischen bis zu weniger modischen Schriftstellerinnen und Schriftstellern reicht.
- Keine neuen Texte: Der Band versammelt bereits erschienene Beiträge.
- Breites Spektrum: Von etablierten Klassikern bis zu wiederzuentdeckenden Autorinnen.
- Persönliche Verbindung: Heidenreich verknüpft Lektüreerinnerungen mit literarischer Wertung.
Vermittlerrolle und Publikumserwartung
Heidenreich hat sich über Jahrzehnte als öffentliche Intendantin der Leselust profiliert, sei es als Moderatorin oder als Gast in literarischen Sendungen. Die neue Sammlung bewegt sich in dieser Tradition: Sie will nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch die Lust am Lesen entfachen. Indem die Autorin sowohl Leidenschaft als auch kritische Distanz zeigt, versucht sie, die Komplexität grosser Namen ohne Verklärung darzustellen.
| Aspekt | Im Band sichtbar |
|---|---|
| Textarten | Besprechungen, Vorworte, Porträts |
| Zeitraum | Beiträge aus mehreren Jahrzehnten (seit frühen 1980er-Jahren) |
| Beispielhafte Autoren | Gottfried Benn, Simone de Beauvoir |
Für Leserinnen und Leser, die sich an literarische Entdeckungsreisen erfreuen, bietet die Sammlung sowohl Orientierung als auch Anstoss, bereits Bekanntes neu zu lesen. Heidenreichs Texte funktionieren als Wegweiser: mal enthusiastisch, mal kritisch, stets aufmerksam für die feinen Nuancen von Sprache und Haltung.
Ob «Ach, eine Fanfare!» als Weg hin zu vernachlässigten Werken oder als Bestandsaufnahme eines langen schriftstellerischen Lebenswerks gelesen wird, bleibt offen. Unbestritten ist jedoch, dass der Band den Diskurs über Kanon und Geschmack bereichert und dazu auffordert, Klassiker nicht nur als Relikte, sondern als lebendige Gesprächspartner zu betrachten.