Im September 2027 zeigt das Kunstmuseum Basel erstmals in einer Ausstellung alle vier heute noch existierenden Versionen von Arnold Böcklins berühmtem Gemälde Die Toteninsel vereint. Die Präsentation, die im Rahmen der Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag des Malers stattfindet, verspricht ein seltenes Zusammentreffen eines der markantesten Motive des Symbolismus.
Vier Fassungen, eine Bildidee
Das Sujet der ‹Toteninsel› entstand erstmals 1880 in Florenz. Böcklin, dessen Werk durch phantastische Landschaften und mythische Figuren geprägt ist, schuf mehrere Fassungen des Motivs. Die Schau in Basel bringt jene vier Versionen zusammen, die bis heute erhalten geblieben sind. Sie gehören zu den bekanntesten Bildern der europäischen Kunstgeschichte und werden unterschiedlich datiert und dokumentiert.
Entstehung und Rezeptionsgeschichte
Die zweite Fassung malte Böcklin ebenfalls 1880 für die Auftraggeberin Marie Berna; er nannte diese Variante in der Entstehungszeit auch ‹Die Gräberinsel›. Eine dritte Version entstand 1883 für den Galeristen Fritz Gurlitt. Diese Arbeit wechselte später den Besitzer und wurde 1936 von Adolf Hitler erworben; während der NS-Zeit hing sie unter anderem in der Neuen Reichskanzlei in Berlin. Eine weitere Fassung aus 1884 ging im Zweiten Weltkrieg verbrannt verloren; von ihr existiert lediglich eine Schwarzweiss-Fotografie.
Heute sind die verbliebenen Fassungen an verschiedenen Orten der Welt zu finden: Die älteste Variante befindet sich in Basel, weitere in Berlin, Leipzig und New York. Eine Fassung von 1886 wurde für das Museum der bildenden Künste in Leipzig bestellt und ist dort erhalten.
Konsequenzen für Forschung und Publikum
Die Basel-Show eröffnet die Möglichkeit, die Bildvarianten unmittelbar nebeneinander zu sehen und damit Fragen zu Stilentwicklung, Motifikreise und künstlerischer Wiederholung zu vertiefen. Gleichermassen wirft das Zusammentreffen der Werke Fragen zur Rezeptionsgeschichte auf, etwa zur Aneignung einzelner Versionen durch politische Akteure und zur Rolle von Kopien, Nachbestellungen und zerstörten Originalen in der Kunstgeschichte.
- Vergleichsblicke: Direkter visueller Vergleich der Pinselgestik, Lichtsetzung und Kompositionsvarianten.
- Provenienzfragen: Diskussion um Besitzwechsel und politische Instrumentalisierung, etwa der Erwerb einer Fassung durch Hitler 1936.
- Publikumszugang: Erstmals können Besucherinnen und Besucher alle vier erhaltenen Fassungen in einem Haus sehen.
| Fassung | Jahr | Bemerkung / Standort (laut Ankündigung) |
|---|---|---|
| Erste | 1880 | Entstanden in Florenz; älteste Fassung heute in Basel |
| Zweite | 1880 | Für Marie Berna; Benannt als «Die Gräberinsel» |
| Dritte | 1883 | Für Galerist Fritz Gurlitt; 1936 von Adolf Hitler erworben |
| Vierte | 1884 | Wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört (nur Schwarzweiss-Fotografie erhalten) |
| Weitere Fassung | 1886 | Für Museum der bildenden Künste Leipzig bestellt; dort erhalten |
Die Ausstellung trägt den Arbeitstitel «Böcklin. Jenseits des Mythos» und wird in Basel ihre erste Station haben. Sie ist ein wissenschaftlich relevantes Projekt und zugleich ein Publikumsmagnet: Die Möglichkeit, Variationen eines solch prägenden Motivs zu studieren, bietet Kuratoren, Kunsthistorikern und Besucherinnen neues Anschauungsmaterial für die Debatte um Originalität, Kopie und Erinnerungskultur.
Für die Schweiz bedeutet die Schau, dass Basel sich erneut als Zentrum für kunsthistorische Auseinandersetzung profiliert. Die Zusammenführung der Fassungen macht sichtbar, wie ein einzelnes Bildmotiv über Jahrzehnte hinweg arbeitet: es verwandelt sich, wird geordert, instrumentalisiert und — in einigen Fällen — zum Opfer historischer Zerstörung. Gerade diese Vielschichtigkeit macht die Basel-Präsentation zu einem wichtigen Ereignis im Kulturbetrieb 2027.