Die Verantwortlichen des Fußball-Bundesligisten WSG Tirol haben die Entscheidung des Marktgemeinderats von Wattens kritisiert, eine beantragte Haftungsübernahme nicht zu beschließen. Die Klubführung zeigte sich am Freitag enttäuscht und besorgt über die Finanzierung des laufenden Aus- und Umbaus des Stadions.
Konflikt um Haftung und Finanzierungsbedingungen
Der Verein modernisiert derzeit das Wattener Stadion. Die Gesamtkosten der Maßnahmen werden mit mehr als sechs Million Euro beziffert. Teil der Arbeiten ist bereits umgesetzt: Laut Klubangaben ist eine Rasenheizung verlegt worden; aktuell werde aufgefüllt und eingesät. Anschließend sollen Tribünen und die notwendige Infrastruktur errichtet werden, um die Bundesligatauglichkeit zu erreichen.
Das zentrale Problem ist aber die Absicherung des Projekts. Nach Darstellung von WSG-Manager-Sport Stefan Köck verlangten die Banken zunächst Sicherheiten für 65 bis 70 Prozent der Finanzierung. Diese Forderung sei erfüllt worden. Kurz darauf hätten die Institute ihre Bedingungen verschärft und verlangten nun eine Besicherung von 95 Prozent.
Die Anfrage an die Gemeinde und die Reaktion
Vor diesem Hintergrund habe der Verein bei der Marktgemeinde Wattens um eine Haftungsübernahme in der Höhe von 900.000 Euro ersucht. Der Gemeinderat lehnte das Ansinnen in seiner Sitzung am Dienstag ab. In der Diskussion innerhalb des Gremiums war nach Angaben des Vereins von einem Haftungsrisiko über einer Million Euro die Rede.
Der Clubmanager zeigte sich überrascht von den Argumenten, die in der Debatte geäußert worden seien. In deutlichen Worten schilderte er seine Enttäuschung:
„Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass wir in der Rückrunde wie geplant in das Stadion einlaufen.“
Er ergänzte, die ablehnende Haltung habe ihn „fast schockiert“.
Reaktionen im Verein: Trainer erwägt Konsequenzen
Auch WSG-Coach Philipp Semlic äußerte scharfe Kritik an der Entscheidung des Gemeinderats. Für ihn war das Projekt ein wesentlicher Grund für die persönliche Vertragsverlängerung. Semlic, der in Wattens wohnt, deutete an, dass die Entwicklung seine Bindung an den Wohnort und möglicherweise auch seine weitere Tätigkeit hinterfragen lasse:
„Es war für mich ein essenzieller Grund, hier zu verlängern, dass wir dieses Stadion bekommen. ... Auf Basis dieser Entscheidung muss ich das hinterfragen für mich persönlich, definitiv.“
Folgen für das Projekt und politische Dimension
Die Ablehnung der Haftungsübernahme bringt das Vorhaben in eine schwierige Lage. Der Verein verweist auf bereits getätigte Maßnahmen und auf die Notwendigkeit zusätzlicher Investitionen, um die Spielstätte bundesligatauglich zu machen. Die gesteigerten Bankenanforderungen erhöhen den Druck auf Sponsoren, Vorstandsmitglieder und weitere potenzielle Garanten.
Auf kommunaler Ebene begründete der Gemeinderat die Ablehnung mit dem für die Marktgemeinde nicht akzeptablen Haftungsrisiko. Aus Sicht der Gemeindepolitik steht damit die Frage im Raum, welche finanziellen Verpflichtungen eine Gemeinde für private oder halbstaatliche Sportinfrastruktur übernehmen soll.
Was jetzt zu erwarten ist
Der Verein betonte, nach wie vor daran zu glauben, die Rückrunde im eigenen Stadion beginnen zu können. Gleichzeitig ist mit weiteren Gesprächen mit Banken, Sponsoren und politischen Gremien zu rechnen. Die Auseinandersetzung zeigt exemplarisch die Spannungsfelder zwischen Sportförderung, kommunaler Haushaltsverantwortung und den Anforderungen des Finanzmarkts.
- Projektkosten: mehr als 6.000.000 Euro
- Angefragte Haftung durch Gemeinde: 900.000 Euro
- Bankanforderungen: zunächst 65–70 %, aktuell 95 % Besicherung verlangt
| Position | Angabe |
|---|---|
| Gesamtkosten | mehr als 6 Mio. Euro |
| Beantragte Haftung | 900.000 Euro |
| Bankanforderung | Ursprünglich 65–70 %, nun 95 % |
Ob und wie die Finanzierung nun neu strukturiert wird, bleibt offen. Die Debatte wird nicht nur in Wattens, sondern auch in anderen Gemeinden verfolgt, die ähnliche Investitionen in Sportinfrastruktur erwägen. Für die politisch Verantwortlichen stellt sich die Frage nach dem Verhältnis von kommunaler Solidarität und Haushaltsvorsorge.