Der US-Botschafter in Israel hat die seit Tagen andauernde Belagerung palästinensischer Familien im Westjordanland scharf verurteilt und die Vorfälle als „schreckliche Terrortat“ bezeichnet. Die Erklärung des Diplomaten kommt ungewöhnlich deutlich, weil er zuvor als Fürsprecher von Siedlern galt.
Akute Lage in Kusra
In dem Dorf Kusra, nördlich von Nablus, blockieren radikale Siedler seit Sonntag mehrere Häuser. Betroffen ist auch ein Haus, das einem US-Staatsbürger gehört. Bewohner berichten, sie könnten seit Beginn der Belagerung nicht mit Lebensmitteln und anderen Vorräten versorgt werden, weil das Gebiet von der israelischen Armee abgeriegelt worden sei.
- Ort: Kusra, nahe Nablus (Westjordanland)
- Beginn der Belagerung: seit Sonntag (laut Bericht mehrere Tage)
- Besonderheit: ein eingeschlossenes Haus gehört einem US-Bürger
Eine Bewohnerin, Aisha Hassan, schilderte, dass bisher niemand Lebensmittel oder Vorräte zu den Eingeschlossenen bringen konnte, weil das Gebiet von der Armee vollständig abgesperrt sei. Sie berichtete weiters, dass die Siedler auf den umliegenden Hügeln verteilt seien.
Reaktion des US-Botschafters
Der US-Botschafter Mike Huckabee veröffentlichte eine deutliche Stellungnahme im Onlinedienst X. Er verurteilte die Taten der Siedler und forderte israelische Sicherheitskräfte zu Maßnahmen auf. Seine Wortwahl ist bemerkenswert, weil Huckabee bislang als Unterstützer israelischer Siedlungen gilt und in der Vergangenheit einen palästinensischen Staat abgelehnt hat.
„Die Handlungen derjenigen, die diese schreckliche Terrortat verübt haben, um diese Familie einzuschüchtern und zu drangsalieren, sind widerlich.“
Huckabee betonte, es gebe keine Rechtfertigung für dieses brutale Verhalten und schrieb weiter, die USA hätten Israels Militär und Polizei aufgefordert, die radikalen Siedler aus Kusra zu entfernen.
Vor Ort: Vorgehen von Armee und Siedlern
Nach Angaben aus dem betroffenen Gebiet entfernten Soldaten der israelischen Armee am Mittwoch ein von Siedlern errichtetes Zelt. Ungeachtet dessen blieben die Siedler weiterhin vor Ort präsent. Die Berichte sprechen von einer anhaltenden Präsenz in den umliegenden Gebieten.
| Akteur | Bekannte Handlung/Aussage |
|---|---|
| Radikale Siedler | Belagern mehrere Häuser in Kusra; blockieren Versorgung |
| Israelische Armee | Hat Gebiet laut Bewohnern abgeriegelt; entfernte ein Zelt am Mittwoch |
| US-Botschafter Mike Huckabee | Verurteilt Vorfall als „schreckliche Terrortat“; fordert Entfernung der Siedler |
Die Zuspitzung führt zu diplomatischen Spannungen, weil die USA unter dem betreffenden Botschafter sonst als nahestehend gegenüber politischen Positionen gelten, die Siedlungen einschließen. Die deutliche Kritik an den Siedlern und der explizite Appell an israelische Sicherheitskräfte markieren eine Abweichung vom sonst erwarteten Tonfall.
Für die Menschen in Kusra hat die Situation unmittelbare humanitäre Folgen: Eingeschlossene Familien sind von Lebensmitteln und Versorgungen abgeschnitten. Ob und wie rasch die israelischen Kräfte die geforderten Maßnahmen umsetzen, blieb vorerst offen.
Die Ereignisse zeigen die Fragilität der Lage im Westjordanland. Gewaltakte einzelner Siedlergruppierungen treffen zivile palästinensische Familien und stellen zugleich Sicherheits- und Rechtsfragen für die Verantwortlichen vor Ort. Die ungewöhnlich klare Reaktion eines US-Diplomaten könnte die Aufmerksamkeit auf solche Vorfälle verstärken und Druck auf israelische Behörden erhöhen, vor Ort konsequenter einzugreifen.