Heranwachsende, die Nikotin konsumieren, weisen laut aktuellen Studien der Universität Göteborg häufiger Symptome von Angst, Depression und anderen psychischen Problemen auf als Gleichaltrige ohne Nikotinkonsum. Besonders betroffen scheinen demnach junge Frauen zu sein, wie aus zwei Publikationen in den Fachzeitschriften Tobacco Use Insights und Nicotine & Tobacco Research hervorgeht.
Kernergebnisse aus Befragungen und Längsschnittdaten
In einer Querschnittsstudie mit 3.730 schwedischen Schülern der Sekundarstufe II gaben fast 80 Prozent der weiblichen Nikotinkonsumentinnen klinisch relevante Angstsymptome an. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler fanden den Zusammenhang nicht nur bei klassischen Tabakprodukten, sondern auch bei nikotinhaltigen Produkten ohne Tabak — etwa Pouches und E‑Zigaretten.
Eine ergänzende Längsschnittuntersuchung begleitete 1.592 Heranwachsende in Südschweden über mehrere Jahre (Alterseinschluss etwa 12/13 bis 17 Jahre). Hier zeigte sich, dass rauchende Teilnehmende häufiger Symptome einer Depression sowie eine höhere Neigung zu suizidalen Gedanken berichteten. Mädchen, die ihren Tabakkonsum über die Beobachtungszeit steigerten, entwickelten häufiger Schlafprobleme, Angstzustände, gedrückte Stimmung und Konzentrationsstörungen.
„Wir sehen klare Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen. Dabei scheinen Mädchen, die rauchen, besonders empfindlich zu reagieren. Gleichzeitig müssen wir besser verstehen, wie Nikotin‑Pouches die psychische Gesundheit beeinflussen – insbesondere bei weiblichen Heranwachsenden, bei denen der Konsum von Nikotin‑Pouches so rasch zugenommen hat.“
Die zitierte Forscherin gehört zur Sahlgrenska Academy der Universität Göteborg. Die Erkenntnisse beruhen überwiegend auf Fragebogenbasierten Erhebungen und den erwähnten Längsschnittdaten; ergänzend führten die Forschenden experimentelle Versuche an Ratten durch, um mögliche Mechanismen zu prüfen.
Was die Daten bedeuten — und was nicht
- Korrelation, kein endgültiger Kausalnachweis: Die Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Nikotinkonsum und psychischen Symptomen, ersetzen jedoch keine abschließenden kausalen Aussagen. Die Kombination aus Beobachtungsdaten und Tierversuchen soll Hinweise auf mögliche Mechanismen liefern.
- Geschlechtsspezifische Effekte: Die Unterschiede zwischen Mädchen und Buben sind konsistent genug, um weitere, gezielte Forschung zu rechtfertigen.
- Neue Nikotinprodukte sind relevant: Auch Pouches und E‑Zigaretten werden mit negativen psychischen Effekten in Verbindung gebracht, nicht nur rauchen mit Tabak.
Für Prävention und öffentliche Gesundheit hat das Konsequenzen: Programme, die sich nur auf das Rauchen klassischer Zigaretten konzentrieren, könnten den rasch wachsenden Konsum von Alternativprodukten unterschätzen. Ebenso wichtig ist die geschlechtsspezifische Ausrichtung von Präventionsmaßnahmen und die frühe Erkennung psychischer Belastungen bei Jugendlichen.
| Studie | Stichprobe | Wichtigste Befunde |
|---|---|---|
| Querschnitt (Gothenburg) | 3.730 Schüler/innen Sek II | Fast 80 % der weiblichen Nikotinkonsumentinnen berichteten klinisch relevante Angstsymptome |
| Längsschnitt Südschweden | 1.592 Heranwachsende (12/13–17 Jahre) | Rauchende häufiger mit Depression, suizidalen Gedanken; bei Mädchen Verschlechterung von Schlaf, Angst, Stimmung, Konzentration |
Ausblick und offene Fragen
Die Forschenden fordern weitere Untersuchungen, insbesondere zur Wirkung von Nikotin‑Pouches auf die psychische Gesundheit junger Frauen. Offene Fragen betreffen auch biologische Mechanismen, zeitliche Abfolgen (ob psychische Probleme vor oder nach Konsumbeginn stärker werden) und mögliche soziale oder familiäre Einflussfaktoren, die gleichzeitig mit Nikotinkonsum und psychischer Belastung assoziiert sein könnten.
Für Entscheidungsträger in Gesundheit, Schule und Jugendarbeit bedeuten die Ergebnisse: Aufklärung muss breiter gedacht werden, Screening für psychische Probleme sollte bei nikotinkonsumierenden Jugendlichen konsequent erfolgen, und Angebote zur Unterstützung und Entwöhnung sollten geschlechtsspezifische Bedürfnisse berücksichtigen. Die Studien liefern wichtige Hinweise, ersetzen aber nicht weitergehende, lokal erhobene Daten — etwa zur Situation in Österreich — und können nicht allein als Grundlage für gesetzgeberische Maßnahmen dienen.
Die Berichte erschienen in den Fachzeitschriften Tobacco Use Insights und Nicotine & Tobacco Research; die Auswertung kombiniert Fragebogen‑ und Längsschnittdaten mit experimentellen Tierversuchen.