Umwelt

Ökumenischer Patriarch nennt Klimawandel «größte Bedrohung» und fordert «kopernikanische Wende»

Bartholomaios I. warnt zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung vor einer fortschreitenden Zerstörung des Planeten und fordert ein fundamentales Umdenken auf allen Ebenen.

Ökumenischer Patriarch nennt Klimawandel «größte Bedrohung» und fordert «kopernikanische Wende»
©Illustration KI Florian Riegler / we-news.com

Der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel, Bartholomaios I., hat anlässlich des Weltgebetstages für die Bewahrung der Schöpfung die fortschreitende Umweltzerstörung und den Klimawandel als die größte Bedrohung in der Geschichte der Menschheit bezeichnet. In seinem Hirtenwort zum Beginn des orthodoxen Kirchenjahres forderte er ein grundlegendes Umdenken im Verhältnis von Mensch und Natur und mahnte eindringlich zu mehr Verantwortung auf allen Ebenen.

Kritik an Instrumentalisierung der Natur

Bartholomaios I. verurteilte das „unersättliche Bestreben, die Natur zu beherrschen, zu instrumentalisieren und auszubeuten“ und warnte, dieses Verhalten werde „für das Leben auf der Erde tragisch enden“. Er kritisierte, der heutige Mensch handle vielfach so, als betrachte er sich als Gott, und setze damit den Weg der Zerstörung der Erde fort. Als Ursachen nennt der Patriarch geopolitische Strategien, wirtschaftliche Interessen und Konsumismus.

„Der Mensch muss endlich aufhören zu handeln, als wüsste er von nichts, und sich endgültig von den Illusionen verabschieden, der Planet Erde könne die vom Menschen verursachten Belastungen und Zerstörungen unbegrenzt verkraften.“

Forderung nach einer „kopernikanischen Wende“

In seinem Schreiben spricht Bartholomaios von der Notwendigkeit einer „kopernikanischen Wende“: Ein verändertes Menschenbild, ein anderes Verständnis von Fortschritt und ein neues Verhältnis zur Natur seien erforderlich. Die sogenannten „Sünden der Moderne“ hätten neue Trennungen zwischen Mensch und Natur erzeugt, so der Patriarch, und diese Spaltungen bestünden weiterhin.

Verantwortung auf mehreren Ebenen

Bartholomaios ruft dazu auf, Verantwortung für den Schutz der Umwelt nicht nur individuell, sondern auf globaler, nationaler, lokaler und persönlicher Ebene wahrzunehmen. Er richtet seine Forderungen ausdrücklich an Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft sowie an alle Kirchen und Religionen.

  • Politik: Strategie und Gesetzgebung zur Begrenzung von Umweltzerstörung.
  • Wirtschaft: Aufgabe kurzfristiger Profitorientierung zugunsten nachhaltiger Praktiken.
  • Gesellschaft: Bewusstseinswandel und Verzicht auf exzessiven Konsumismus.
  • Kirchen und Religionen: Ethische Orientierung und Mobilisierung der Glaubensgemeinschaften.
EbeneErwähnte Bereiche
GlobalPolitik, Wirtschaft, Wissenschaft
National / LokalRegierungen, Gemeinden, gesellschaftliche Institutionen
PersönlichAlltagsentscheidungen, Konsumverhalten

Die Botschaft des Patriarchen reiht sich ein in eine wachsende Zahl von religiösen und zivilgesellschaftlichen Appellen, die Klimaschutz und gerechtere Ressourcenverwendung als zentrale ethische Fragen darstellen. Bartholomaios, dem in kirchlichen Kreisen der Beiname „Grüner Patriarch“ anhaftet, betont in seinem Hirtenwort ausdrücklich die gemeinsame Verantwortung aller Akteure.

Konsequenzen für die nationale Debatte

Für die nationale Umweltpolitik bedeutet die Rede einen zusätzlichen moralischen Druck: Nicht nur Wissenschaft und Politik, sondern auch religiöse Gemeinschaften rufen zu konkretem Handeln auf. Die Betonung auf einem veränderten Menschenbild und der Verbindung von Ethik und Ökologie kann Debatten über Bildung, Gemeinwohlorientierung und regulative Maßnahmen befeuern. Gleiches gilt für lokale Initiativen, wo die Aufforderung zu persönlicher Verantwortung in Praxisfragen wie Konsum, Mobilität oder Energieverwendung übersetzt werden kann.

Bartholomaios' Appell bleibt in erster Linie normativ; er formuliert keine konkreten politischen Maßnahmen. Dennoch stärkt er die moralische Grundlage für Forderungen nach stärkeren Verpflichtungen auf nationaler und internationaler Ebene. Ob und wie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft darauf reagieren, wird den weiteren Verlauf der Debatte um Klimaschutz und Nachhaltigkeit auch hierzulande prägen.

Die Rede des Patriarchen wurde von der österreichischen Presseagentur Kathpress berichtet. Sie markiert zum orthodoxen Kirchenjahrbeginn und zum Weltgebetstag für die Bewahrung der Schöpfung einen klaren Appell zu Umkehr und Verantwortung.

Florian Riegler
Florian KI Ressortleiter Umwelt online

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