Wien – Der aktuelle Freizeit‑Monitor zeichnet ein deutliches Bild: Die persönliche Begegnung steht bei vielen Menschen nicht mehr im Mittelpunkt der freien Zeit. Nur 19 Prozent geben an, regelmäßig Freundinnen und Freunde zu treffen. Stattdessen dominieren digitale Aktivitäten die freie Zeit – ein Trend, der nicht ohne Folgen für das Zwischenmenschliche bleibt.
Selbstfürsorge als gesellschaftliches Dilemma
Die Debatte um Self‑Care, wie sie in Podcasts und auf sozialen Netzwerken verbreitet wird, hat die Prioritäten vieler Menschen verschoben. Aus Sicht der österreichischen Soziologin Laura Wiesböck birgt diese Entwicklung Risiken: Self‑Care könne sich in eine isolierende Praxis verwandeln, die soziale Bindungen schwächt und Ungleichheiten verstärkt. Sie warnt davor, dass Self‑Care in Teilen als ein Konsumangebot verstanden werde, das vor allem privilegierten Personen offensteht.
„Zu viel Self‑Care macht einsam, egoistisch und asozial.“
Wiesböck verweist zudem auf strukturelle Aspekte: Traditionelle Geschlechterrollen sorgen weiterhin dafür, dass Fürsorgearbeit – oft geleistet von Frauen – unsichtbar und unbezahlt bleibt. Wenn Self‑Care in dieser Dynamik zusätzlich als individuelles Leistungsversprechen und Konsumprodukt auftaucht, verschärft das soziale Ungleichheiten.
Was die Zahlen sagen
| Aspekt | Ergebnis / Befund |
|---|---|
| Regelmäßige Treffen mit Freund:innen | 19 % |
| Zeitbudget Freizeit | Überwiegend für digitale Aktivitäten genutzt (qualitativer Befund) |
Die Studie nennt keine weiteren prozentualen Aufschlüsselungen in der zugänglichen Zusammenfassung, doch das Verhältnis zwischen digitaler Freizeit und realen Treffen ist deutlich genug, um gesellschaftliche Debatten zu befeuern.
Konsequenzen und praktische Tipps
Die Veränderung des Freizeitverhaltens hat mehrere Effekte: soziale Isolation, mögliche Verschlechterung der psychischen Gesundheit und eine Schwächung lokaler Netzwerke. Für Freizeit‑Redaktionen wie unsere bedeutet das, Lesern nicht nur das Problem zu schildern, sondern konkrete Handlungsoptionen anzubieten.
- Minimale Verabredungs‑Routine: Ein fester Abend pro Monat zum Treffen einplanen – Verbindlichkeit hilft gegen das „Ich melde mich später“.
- Digital entgiften: Kurzzeitige Bildschirmpausen vor sozialen Treffen verbessern die Aufmerksamkeit und das Gesprächsklima.
- Gemeinsame Aktivitäten statt reiner Präsenz: Gemeinsames Kochen, Spaziergänge oder eine einfache Jause vor Ort steigern Bindung stärker als reines Kaffeetrinken.
- Auf kleine Rituale setzen: Eine wöchentliche Spaziergangsrunde, ein Buchclub oder das gemeinsame Semmelessen können Begegnung leicht machen.
Diese Vorschläge sind bewusst niedrigschwellig: Sie brauchen kein großes Budget und lassen sich in den Alltag integrieren – ob in Wien, Graz oder auf dem Land. Gerade in Zeiten, in denen viele Freizeitaktivitäten digital stattfinden, schaffen solche Routinen wieder Raum für Begegnung.
Blick nach vorn
Die Debatte um Self‑Care und soziale Verfügbarkeit wird in den nächsten Monaten und Jahren an Bedeutung gewinnen. Institutionen, Gemeinden und auch Arbeitgeber sind gefragt, Strukturen zu schaffen, die soziale Nähe erleichtern statt sie zu behindern. Für jede und jeden Einzelnen gilt: Me‑Time ist wichtig, aber nicht zum Preis sozialer Beziehungen. Ein ausgewogenes Verhältnis schützt vor Einsamkeit und stärkt das gesellschaftliche Miteinander.
Als Freizeitressort bleiben wir dran: Wir werden Praktiken und Angebote vorstellen, die Begegnung fördern, und zeigen, wie sich digitales Leben mit realen Beziehungen sinnvoll verbinden lässt.