Die Stadt Wien hat erstmals einen frei stehenden, mobilen Taubenschlag in Betrieb genommen. Das Wildtierservice platzierte das rund neun Quadratmeter große Objekt zwischen U‑Bahn und S‑Bahn bei der Station Ottakring. Der Verschlag bietet Raum für geschätzt 150 Tauben und soll die Population rund um den Ottakringer Markt und die Koppstraße dämpfen.
Warum ein mobiler Taubenschlag?
Nach Angaben des Leiters des Wildtierservice, Günther Annerl, konnte in der Umgebung kein geeignetes Gebäude gefunden werden, um einen herkömmlichen Taubenschlag zu integrieren. Deshalb entschied man sich für eine frei stehende Lösung, die flexibel positioniert werden kann. „Nachdem wir hier im Umfeld kein Objekt gefunden haben, wo wir einen Taubenschlag in ein Haus integrieren können, hat sich angeboten den ersten frei stehenden Taubenschlag zu installieren“, sagte Annerl gegenüber „Wien heute“.
Wie funktioniert die Geburtenkontrolle?
Die Idee beruht auf einer gängigen Methode: Mitarbeitende des Wildtierservice betreuen den Verschlag und ersetzen gelegte Eier durch Kunsteier. Dadurch wird verhindert, dass aus jedem Gelege Nachwuchs entsteht, während die Altvögel weiterhin den Brutplatz annehmen. Annerl betont, dass die Maßnahme als kontrollierte Geburtenregulierung gedacht ist, nicht als Tötung von Tieren.
„Sie werden dann die Eier die gelegt werden durch Kunsteier austauschen. Ziel ist es, eine kontrollierte Geburtenkontrolle zu machen“, sagte Annerl.
Erfahrungen aus anderen Bezirken
Die Stadt weist darauf hin, dass ähnliche Ansätze bereits an mehreren Stellen Wirkung gezeigt haben. In Wien gibt es demnach drei stationäre Taubenschläge in den Bezirken Leopoldstadt (2.), Wieden (4.) und Meidling (12.). In der Umgebung des Hauptbahnhofs seien den Tauben bereits rund 1.500 unangebrütete Eier abgenommen worden. Gelegentlich lasse man den Vögeln bewusst einen Bruterfolg, damit der Brutplatz angenommen bleibt und die Tiere nicht an anderen, unerwünschten Orten Unterschlupf suchen.
| Standort | Beschaffenheit | Ziel |
|---|---|---|
| Ottakring (zwischen U‑ und S‑Bahn) | Frei stehender mobiler Taubenschlag (~9 m²) | Bestandsregulierung, Geburtenkontrolle |
| 2., 4., 12. Bezirk | Fixe Taubenschläge | Reduktion von Bruterfolgen |
| Gegenüber Hauptbahnhof | - | ~1.500 unangebrütete Eier entnommen |
Technik und Sicherheitsaspekte
Der neue Verschlag ist an den Seiten unter den Luken mit Blech verstärkt. Das dient laut Wildtierservice der Abwehr von Mardern, die versuchen könnten, in den Taubenschlag zu gelangen. Zudem beobachten die Mitarbeitenden seit mehreren Wochen das Flugverhalten der Tauben: Die Vögel nutzten demnach bestimmte Einflugschneisen über die Gleise, die nun direkt zum mobilen Taubenschlag führen sollen.
Auch ein gestalterischer Blick
Die Stadt plant, den frei stehenden Verschlag nicht nur funktional, sondern auch gestalterisch zu nutzen. Annerl sprach von einem „Sidestep zur Kunst“: Die frei stehenden Taubenschläge könnten demnach künstlerisch gestaltet werden, sodass sie sich in den öffentlichen Raum einfügen oder als Objekt wahrgenommen werden.
Was bedeutet das für Ottakring?
Für Anrainer und Marktbesucher kann eine Reduktion der Taubenbruten mehrere Effekte haben: weniger Kotbelastung auf Gehsteigen und Marktständen, geringeres Risiko von Schäden an Gebäuden und Infrastruktur sowie eine insgesamt geringere Konfliktdichte zwischen Menschen und Stadttieren. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung, Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen: Maßnahmen müssen tierschutzgerecht kommuniziert werden, damit sie nicht als reine Vergrämung wahrgenommen werden.
- Platzangebot: rund 9 m², ca. 150 Tauben
- Methode: Austausch von Eiern durch Kunsteier
- Weitere Standorte: fixe Taubenschläge in 2., 4. und 12. Bezirk
Die Einführung des mobilen Taubenschlags zeigt, wie städtische Stellen versuchen, pragmatische Lösungen für Konflikte mit Wildtieren zu finden. Ob die frei stehende Variante in Ottakring genauso erfolgreich wird wie die fixen Anlagen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen — sowohl im Verhalten der Vögel als auch in der Wahrnehmung durch die Bewohnerinnen und Bewohner des Bezirks.
Korrespondenz aus Wien