Die britische Umweltschutzbehörde hat in einer mehrjährigen Erhebung festgestellt, dass nur noch 14,3 Prozent der englischen Oberflächengewässer einen «guten» ökologischen Zustand aufweisen. Die Untersuchung umfasst Flüsse, Seen und Mündungsgebiete und zeigt zugleich eine flächendeckende Belastung mit Chemikalien und Mikroplastik.
Wenige Gewässer im akzeptablen Zustand
Die Environment Agency (EA) beurteilte über einen Zeitraum von sechs Jahren den ökologischen Gesamtzustand sowie separate Parameter wie Umgebungs- und Habitatqualität, Wasserqualität und das Vorkommen von Mikroplastik und verschiedenen Schadstoffen. Dem Bericht zufolge erreichen lediglich 14,3 Prozent der circa 4.600 erfassten Gewässer den Status «gut». Damit liegt der Anteil unter dem Wert, der bei einer früheren Erfassung genannt wurde: Im Jahr 2019 waren demnach noch 16,3 Prozent der Gewässer als «gut» eingestuft worden, wobei die EA auf methodische Unterschiede zwischen den Erhebungen hinweist und direkte Vergleiche nur eingeschränkt möglich sind.
Chemische Belastung und persistente Schadstoffe
Die Untersuchung identifiziert eine Vielzahl chemischer Belastungen, die in vielen Fällen die geltenden Grenzwerte überschreiten. Als besonders problematisch werden unter anderem Quecksilber, PFOS (Perfluoroktansulfonsäure) und PBDE (polybromierte Diphenylether) genannt. PBDE sind bromierte Flammschutzmittel, die trotz teilweiser Verbote aufgrund ihrer früheren breiten Verwendung weiterhin in der Umwelt nachweisbar sind.
„In Sachen chemischer Verschmutzung seien alle englischen Oberflächengewässer durchgefallen“, resümierte der «Guardian».
PBDE gehören zu den persistenten Stoffen, die sich in Luft, Wasser und Sediment anreichern können. Sie werden in der Fachliteratur mit negativen Effekten auf Fortpflanzung, Hormonhaushalt, Krebsrisiko und der Gehirnentwicklung in Verbindung gebracht. Die EA weist außerdem auf die ubiquitäre Verbreitung von Mikroplastik hin, das in praktisch allen untersuchten Proben nachgewiesen wurde.
Regionale Unterschiede und Trends
Die besten Bewertungen finden sich weiterhin in Teilen des Nordwestens und Südwestens Englands, Regionen, in denen sich auch größere Nationalparks befinden. Dennoch bleibt die Gesamtbilanz angesichts der breiten chemischen Belastung kritisch. Die EA berichtet, dass sich die Wasserqualität seit der letzten Erfassung tendenziell verschlechtert hat, weist aber zugleich auf geänderte Methoden und Datenerfassungen hin, die direkte Trendvergleiche erschweren.
- Erfasste Gewässer: rund 4.600 Flüsse, Seen und Mündungsgebiete
- Aktuell «gut»: 14,3 Prozent
- 2019: 16,3 Prozent (methodische Unterschiede beachten)
- Hauptbelastungen: Quecksilber, PFOS, PBDE, Mikroplastik
Die Ergebnisse haben mehrere Folgen: Ökologische Einbußen beeinträchtigen Biodiversität, Fischbestände und die Funktion von Ökosystemen. Chemikalien und Mikroplastik stellen zudem ein Risiko für die Nahrungsketten und potenziell für die menschliche Gesundheit dar. Für Politik und Verwaltung bedeuten solche Befunde Handlungsbedarf in der Abwasser- und Abfallwirtschaft, bei der Regulierung von Schadstoffen sowie bei Maßnahmen zur Reduktion diffuse Einträge.
| Jahr | Anteil Gewässer mit «gut» |
|---|---|
| 2019 | 16,3 % |
| aktuelle Erhebung | 14,3 % |
Die EA-Analyse ist zugleich ein Hinweis darauf, wie langwierige Persistenz von Schadstoffen frühere regulatorische Maßnahmen unterlaufen kann: Stoffe, die einst weit verbreitet waren, bleiben in Umweltkompartimenten nachweisbar. Daraus folgt, dass neben Sofortmaßnahmen zur Senkung aktueller Emissionen auch langfristige Strategien zur Sanierung und zur Verringerung historischer Belastungen nötig sind.
Für Österreich bedeuten die englischen Befunde keine direkte Übertragbarkeit, liefern aber wichtige Anhaltspunkte: Monitoringprogramme, strengere Kontrollen bei problematischen Chemikalien und Investitionen in die Abwasserinfrastruktur sind zentrale Elemente, um ähnliche Entwicklungen zu verhindern oder abzuschwächen.
Die Environment Agency stellt mit der vorliegenden Auswertung eine Datengrundlage bereit, die Diskussionen über Prioritäten im Gewässerschutz sowie über die Notwendigkeit weitergehender regulatorischer Maßnahmen befeuern dürfte.