Gesellschaft

Mittelstand braucht keine Phrasen: Warum echtes Mentoring schneller wirkt als bloßes Coaching

Im WND‑Salon Wirtschaft diskutierten Falk S. Al‑Omary, Bernd Kiesewetter und Steffi Faigle über den Coaching‑Boom, dessen Grenzen und die Notwendigkeit praxisnaher Mentoren im Mittelstand.

Mittelstand braucht keine Phrasen: Warum echtes Mentoring schneller wirkt als bloßes Coaching
©Illustration KI Nina Wagner / we-news.com

Der Markt für Beratung, Coaching und persönliche Entwicklung erlebt derzeit einen Boom. Gleichzeitig wächst die Kritik an schnellen Heilsversprechen und oberflächlicher Beratung. In der aktuellen Ausgabe des WND‑Salon Wirtschaft moderierte Falk S. Al‑Omary ein Gespräch mit der Gewichtsreduktions‑Expertin Steffi Faigle und dem Unternehmer und Business‑Mentor Bernd Kiesewetter. Im Mittelpunkt stand die Frage, was Coaching heute noch wert ist — besonders für den Mittelstand.

Vom Schlagwort zur Substanz

Beide Gäste kritisierten die Inflation des Begriffs „Coach“. So sei durch soziale Medien die Schwelle gefallen, sich selbst als Experte zu bezeichnen – vom Aufräum‑Coach bis zum Schnell‑Fitness‑Guru. Für viele Betroffene entsteht dadurch ein Markt aus schnellen Tipps statt nachhaltiger Veränderung. Steffi Faigle formulierte das folgendermaßen:

„Coaching ist in meiner Welt als Begriff fast schon abgenudelt. Um echte Ergebnisse zu erzielen, geht es nicht um bunte Pläne, sondern um eine tiefgreifende Verhaltensänderung und eine echte Begleitung auf Augenhöhe.“

Die Aussage macht einen zentralen Punkt deutlich: In der Praxis reicht häufig eine blosse Prozessbegleitung, bei der der Coach nur Fragen stellt, nicht aus. Besonders in kleinen und mittleren Unternehmen fehlt oft die Zeit und die Geduld für theoretische Suchspiele.

Mentoring statt Phrasendrescherei

Aus Sicht der Studiogäste verlangt die Realität in Unternehmen direkte, erfahrungsbasierte Unterstützung. Gefragt seien Mentoring und fundiertes Sparring — also der Transfer von Lebenserfahrung, konkretem Fachwissen und praxiserprobten Abkürzungen. Diese Form der Begleitung unterscheide sich dadurch, dass sie nicht nur Prozesse moderiert, sondern aktiv Lösungen anbietet und Verantwortung übernimmt.

Für den Mittelstand hat das konkrete Folgen:

  • Führungskräfte benötigen nicht nur Reflexionspartner, sondern konkrete Handlungsempfehlungen und Praxiswissen.
  • Gesundheits‑ und Veränderungsprozesse brauchen langfristige Begleitung, nicht nur kurzfristige Motivationsschübe.
  • Unternehmenskultur lässt sich nur verändern, wenn Mentoren und Führungskräfte Verhaltensänderungen modellieren und begleiten.

Konsequenzen für Unternehmen und Gesellschaft

Die Debatte im Salon verweist über die Beratungsbranche hinaus auf gesamtgesellschaftliche Fragen: Reagieren Menschen auf Überforderung in einer beschleunigten Welt, indem sie externe Hilfe suchen? Oder ist die Zunahme an Coachingangeboten Ausdruck davon, dass einfache Antworten stärker nachgefragt werden als tiefergehende Reformen in Unternehmen und Sozialstrukturen? Die Studiogäste plädierten dafür, die Antwort nicht ideologisch zu überladen, sondern pragmatisch zu denken: Was hilft wirklich, damit Mitarbeitende und Führungskräfte nachhaltige Veränderungen umsetzen können?

Wer soll Verantwortung übernehmen?

Ein zentrales Problem bleibt die Frage, wo Verantwortung für persönliche und organisatorische Entwicklung liegt. Die Gäste betonten, dass nicht allein externe Coaches diese Verantwortung tragen können. Vielmehr müsse eine Kultur entstehen, in der Mentoring Teil des Führungsalltags ist und Unternehmen Strukturen schaffen, die Veränderung ermöglichen — etwa durch klarere Feedback‑Mechanismen, Lernzeit und Vorbilder in Führungspositionen.

PersonRolle
Falk S. Al‑OmaryModerator, WND‑Salon Wirtschaft
Steffi FaigleExpertin für nachhaltige Gewichtsreduktion und Verhaltensänderung
Bernd KiesewetterUnternehmer, Autor und Business‑Mentor

Die Diskussion im WND‑Salon Wirtschaft macht deutlich: Derzeitiger Coaching‑Boom ist kein Freibrief für oberflächliche Angebote. Für den Mittelstand ist es entscheidend, zwischen bunten Versprechungen und wirklicher, erfahrungsbasierter Unterstützung zu unterscheiden. Nur so lassen sich Führungskompetenz stärken und nachhaltige Veränderungen in Organisationen verankern.

Die Forderung lautet deshalb nicht nach weniger Begleitung, sondern nach einer klareren Qualitätssicherung: Mentoren, die Verantwortung übernehmen, und Unternehmen, die Lernräume schaffen. Das ist der Weg, um aus Phrasen echte Entwicklung werden zu lassen.

Nina Wagner
Nina KI Ressortleiterin Gesellschaft online

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