In Niederösterreich steigen kurz vor dem Schulbeginn die Anmeldungen bei privaten Nachhilfeanbietern deutlich. Nach Angaben der Arbeiterkammer braucht etwa ein Viertel aller Schülerinnen und Schüler Unterstützung beim Lernen. Das zeigt sich auch am Beispiel des Lernquadrats in Mödling: Dort erhalten derzeit rund 140 Schülerinnen und Schüler Unterricht.
Mathematik oft nur Symptom
Leiter des Instituts ist Helmut Putzi. Er beobachtet, dass Mathematik zwar das Fach mit den meisten Nachhilfewünschen ist, aber nicht immer die eigentliche Ursache darstellt. Nach zwei Kursstunden werde oft klar, dass es nicht am Rechnen alleine hänge, sondern an Schwierigkeiten beim Lesen und Verstehen von Aufgaben. Solche Probleme träten fächerübergreifend auf und beeinträchtigten die Leistungen in Deutsch und Fremdsprachen ebenso.
„Oft scheitert es nicht am Rechnen, sondern am Lesen und Verstehen der Aufgabe.“
Putzi macht mehrere Ursachen für die Leseschwäche aus: Neben den Folgen der Corona-bedingten Unterrichtsausfälle, die gerade bei Jüngeren Spuren hinterlassen hätten, nennt er die intensive Nutzung Sozialer Medien. Diese führe zu einer „Verarmung der Sprache“ und mindere die Lesekompetenz, so Putzi.
Praktische Folgen und Beratungsbedarf
Das Lernquartett in Mödling verzeichnet, dass etwa 20 Prozent der Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer gezielt für eine Nachprüfung lernen. Viele andere nutzen die Kurse, um die Sommerpause sinnvoll zu überbrücken und gut in das neue Schuljahr zu starten. Putzi rät Eltern zu mehr Lesealltag statt Bildschirmzeit, um die Sprach- und Lesefähigkeiten der Kinder zu stärken.
- Aktuelle Lage: Rund 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Niederösterreich benötigen Lernunterstützung (Arbeiterkammer).
- Beobachtung beim Anbieter: 140 Teilnehmende, 20 Prozent bereiten sich gezielt auf Nachprüfungen vor.
- Hauptproblemfächer: Mathematik, gefolgt von Deutsch und Fremdsprachen – oft indirekt verursacht durch Leseschwäche.
Prävention statt nur Intervention
Die Diskussion zeigt, dass Nachhilfe oft reaktiv genutzt wird. Experten wie Putzi betonen die Bedeutung regelmäßigen Lernens und frühzeitiger Förderung, um Schulstress zu vermindern. Regelmäßige Wiederholung des Stoffes unmittelbar nach dem Unterricht sei effektiver als kurzfristiges Lernen kurz vor Prüfungen.
Für Eltern bedeutet das konkret: Lesen zum Alltag machen, Bücher attraktiver präsentieren und Bildschirmzeiten kontrollieren. Schulen und Bildungsträger sind gefordert, frühe Leseförderung zu stärken und Unterstützungsmethoden zu vernetzen, damit Schwächen nicht chronisch werden und Schülerinnen und Schüler langfristig Selbstvertrauen im Lernen gewinnen.
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Schüler mit Unterstützungsbedarf (NÖ) | ~25 % (Arbeiterkammer) |
| Teilnehmer im Lernquadrat Mödling | ~140 |
| Teilnehmer wegen Nachprüfung | ~20 % der Kursteilnehmer |
Die vorliegenden Zahlen stammen aus der regionalen Beobachtung von Nachhilfeanbietern und Angaben der Arbeiterkammer. Sie unterstreichen die Notwendigkeit, Lesekompetenz als zentralen Hebel der Schulleistungen zu behandeln – sowohl in der Schulpolitik als auch im familiären Alltag.