In einem Grenzabschnitt nahe dem geschlossenen Übergang Silene haben lettische Behörden einen bislang unbekannten Tunnel entdeckt, durch den Migranten offenbar von Belarus in die Europäische Union gelangt sind. Der Fund wurde von Grenzschutz, Militär und Polizei gemacht. Nach Behördenangaben wurden bei der Spurensicherung 15 Personen festgenommen.
Erster Tunnel dieser Art in Lettland
„Es ist der erste Tunnel dieser Art in Lettland“
Innenminister Janis Dombrava erklärte gegenüber lettischen Medien, man habe in dem betroffenen Grenzabschnitt einen bisher unbekannten unterirdischen Durchgang ausfindig gemacht. Der Tunnel lag nach Angaben des Grenzschutzes rund 10 Meter vom Grenzzaun entfernt und wurde entdeckt, als versucht wurde, den Einreiseweg einer Gruppe aufgegriffener Migranten zu rekonstruieren.
Die Entdeckung läuft zeitlich und thematisch in eine Reihe ähnlicher Befunde in der Region. In den vergangenen Wochen waren bereits unterirdische Unterführungen an der Grenze zwischen Belarus und Litauen aufgetaucht. Lettland, Litauen und Polen werfen Minsk vor, Migrantinnen und Migranten in organisierter Form an die EU-Außengrenze zu bringen. Die Regierung in Riga hatte daraufhin bereits den Bau eines Grenzzauns und verstärkte Schutzmaßnahmen angekündigt.
Maßnahmen und Technik zur Aufspürung weiterer Gänge
Dombrava ordnete an, mit Hilfe elektronischer Geräte nach weiteren unterirdischen Gängen zu suchen. Der Fund erfolgte durch ein gemeinsames Vorgehen von Grenzschutz, Militär und Polizei. Lettland will zudem die Überwachung entlang der Grenze weiter erhöhen; dabei sollen auch Drohnen eine Rolle spielen, wie es in offiziellen Mitteilungen heißt.
- Ort: Grenzabschnitt nahe geschlossenen Übergang Silene
- Abstand zum Grenzzaun: rund 10 Meter
- Festgenommene: 15 Personen
- Suchmaßnahmen: Einsatz elektronischer Geräte, verstärkte Drohnenüberwachung
Bislang hatten Migranten überwiegend versucht, illegal über den Grenzzaun in das baltische EU-Land zu gelangen. Dabei berichtete der Grenzschutz, dass verschiedene Werkzeuge eingesetzt wurden, darunter Metallscheren und selbstgebaute Leitern aus Ästen und Stöcken. Der neu entdeckte Tunnel zeigt, dass die Methoden variieren und die Grenze auch auf bisher ungeahnte Weise umgangen werden können.
Regionale Folgen und politische Einordnung
Der Tunnel-Fund dürfte die Debatte über die Kontrolle der EU-Außengrenzen und über mögliche staatliche Instrumentalisierung von Migrationsbewegungen weiter anheizen. Lettland hatte in Reaktion auf den erhöhten Druck an der Grenze bereits den Zaun errichtet und die personellen Ressourcen an den Grenzschutz verstärkt. Die Entdeckung eines unterirdischen Gangs lässt erwarten, dass technische und personelle Maßnahmen künftig ausgeweitet werden.
Konkrete Hinweise auf Beteiligte jenseits der aufgegriffenen Migranten wurden von den lettischen Behörden in den bislang veröffentlichten Angaben nicht genannt. Auch Details zum Aufbau, zur Länge oder zum Zeitpunkt der Nutzung des Tunnels liegen in den vorliegenden Mitteilungen nicht vor. Die Behörden betonen jedoch, die Suche nach weiteren Anlagen und Spuren fortzusetzen.
| Merkmal | Bekannte Angabe |
|---|---|
| Standort | Grenzabschnitt nahe Silene |
| Entfernung zum Zaun | rund 10 Meter |
| Festgenommene | 15 Personen |
Die Entdeckung untermauert die Einschätzung, dass an Teilen der belarussisch-baltischen Grenze weiterhin ein hoher Druck herrscht. Lettland hat, wie auch Litauen und Polen, wiederholt Minsk beschuldigt, Migranten aus Krisenregionen an die EU-Außengrenze zu bringen. Riga reagierte darauf mit verstärktem Grenzschutz; nun kommen offenbar technischere Herausforderungen hinzu, die eine neue Dimension der Grenzsicherung betreffen.
Die lettischen Sicherheitsorgane setzen nun verstärkt auf elektronische Suchverfahren und Drohnen, um weitere unterirdische Anlagen zu erkennen. Das weitere Vorgehen der Behörden wird zeigen, ob es sich bei dem aufgefundenen Tunnel um eine Einzeltat oder um ein systematischeres Vorgehen handelt.
Die Entdeckung hat unmittelbare Folgen für die operative Arbeit an der Grenze. Sie dürfte gleichzeitig in Brüssel und in den Nachbarstaaten die Debatte über gemeinsame, grenzüberschreitende Verfahren zur Erkennung und Schließung solcher Untergriffe anstoßen.