Kärntens Landeshauptmann und SP-Landesvorsitzender Daniel Fellner hat die schlechten Umfragewerte der Bundes-SPÖ als „wirklich besorgniserregend“ bezeichnet. In einem Interview mit dem Privatsender oe24.tv am Dienstagabend sagte Fellner, es sei kaum vorstellbar, „einen Landesparteivorsitzenden zu finden, der sagt, da ist alles in Ordnung“.
Fellner fordert realistische Einschätzung und Plan B
Fellner betonte, die Diskussion um mögliche Konsequenzen für die Parteispitze dürfe nicht an einer einzigen Person festgemacht werden. Zugleich sprach er davon, dass die Partei für alle Fälle einen alternativen Plan bereithalten müsse. Ihm zufolge sei Babler „die Nummer 1 in der Sozialdemokratie“ und daran werde sich „wahrscheinlich auch in der nächsten Zeit nichts ändern“.
„Ich glaube nicht, dass es möglich ist, einen Landesparteivorsitzenden zu finden, der sagt, da ist alles in Ordnung.“
Die Aussagen fallen in eine Phase intensiver innerparteilicher Debatten. Bereits am vergangenen Freitag hatte der burgenländische Landeshauptmann und SP-Kollege Hans Peter Doskozil angesichts negativer Umfragedaten von „Feuer am Dach“ der Sozialdemokratie gesprochen. Doskozil forderte, Vertrauen zurückzugewinnen und bei ausbleibenden Erfolgen personelle Konsequenzen nicht auszuschließen.
Zwischen Loyalität und Führungskritik
Fellner erklärte, die Drohung, mit einem ungeeigneten Spitzenkandidaten in eine Wahl zu gehen und dadurch zur Kleinstpartei zu verkommen, sei für niemanden in der Partei annehmbar. Das gelte auch für die Führungsspitze der SPÖ. Gleichzeitig erklärte er, Doskozils Kritik könne er „zum Teil“ verstehen. Eine klare Distanzierung von zentralen Personen der Bundespartei enthielt Fellner allerdings nicht.
Aus den Aussagen lassen sich zwei zentrale Spannungsfelder ablesen:
- Interne Glaubwürdigkeitskrise: Schlechte Umfragewerte erzeugen Druck auf die Führung und verstärken Forderungen nach zügigem Handeln.
- Führung und Strategiewechsel: Diskussionen über mögliche personelle Konsequenzen stehen neben dem Ruf nach einem planerischen Ausweichszenario, einem „Plan B“.
Fellner wies darauf hin, dass die Frage, wer Spitzenkandidat werde, gegenwärtig nicht die alleinige Erklärung für die Probleme der Partei sei. Er plädierte dafür, die Ursachen breiter zu analysieren statt nur Personalentscheidungen in den Mittelpunkt zu stellen.
Mögliche Folgen für die SPÖ
Die öffentliche Debatte zwischen regionalen Landeschefs und der Bundespartei kann mehrere Folgen haben. Kurzfristig erhöht sie den Druck auf die Parteispitze, ein überzeugendes Konzept zur Wählerrückgewinnung vorzulegen. Mittelfristig besteht das Risiko, dass anhaltend schlechte Umfragewerte innerparteiliche Spannungen vertiefen und strategische Neuorientierungen forcieren.
Fellners Worte zeigen, dass die Landesorganisationen eine aktive Rolle in der Debatte einnehmen. Ob daraus konkrete Schritte gegenüber der Führung erwachsen, bleibt offen. In seinem Interview nannte Fellner keine konkreten Alternativen oder Termine für Entscheidungen.
| Sprecher | Kernaussage | Datum |
|---|---|---|
| Daniel Fellner | Umfragewerte „wirklich besorgniserregend“, Plan B nötig | 11.08.2026 |
| Hans Peter Doskozil | „Feuer am Dach“, bei Misserfolg sind Konsequenzen notwendig | früherer Auftritt (vergangener Freitag) |
Die SPÖ steht damit vor einem Balanceakt: einerseits die Unterstützung der bestehenden Führung, andererseits die Notwendigkeit, Wählervertrauen zurückzugewinnen. Die Debatte wird von Beobachtern genau verfolgt, weil sie Auswirkungen auf die bundespolitische Lage und die Positionierung der Sozialdemokratie in kommenden Wahlen haben kann.
Quelle der Zitate und Angaben: Interview mit oe24.tv; berichtende APA-Meldung.