Bei der Gala-Premiere des Films über Bruno Kreisky im Wiener Gartenbaukino sind der amtierende SPÖ-Bundesparteiobmann Andreas Babler und sein Herausforderer Gerhard Zeiler erstmals persönlich aufeinandergetroffen. Die Begegnung fand vier Tage nach Zeilers öffentlicher Ankündigung statt, die Führung der Bundespartei übernehmen zu wollen.
Wortloser Handschlag, räumliche Distanz
Vor dem Kinosaal kam es zu einem kurzen Handschlag zwischen den beiden Kontrahenten. Im Inneren des Kinos verfolgten sie die Vorführung jedoch mit sichtbarem Abstand zueinander. Zeiler war in Begleitung seiner Ehefrau Alexandra Zeiler-Lohberger anwesend und erklärte im Vorfeld, man sei gekommen, um den Film anzusehen.
„man sei gekommen, um den Film anzusehen.“
Der Medienmanager hatte das Filmprojekt über den früheren Bundeskanzler zuvor finanziell unterstützt. Babler erschien in Begleitung des Finanzministers Markus Marterbauer. Auf der Gästeliste stand außerdem der ehemalige SPÖ-Chef Christian Kern.
Keine Ruhe in der Partei
Das Treffen fällt in eine Phase deutlich spürbarer innerparteilicher Spannungen. In nationalen Umfragen liegt die SPÖ derzeit bei rund 15 bis 16 Prozent. Vier Tage nach Zeilers Vorstoß existiert dem Bericht zufolge weder ein konsentierter Zeitplan zur Führungsfrage noch eine breite öffentliche Solidaritätsbekundung zugunsten des Amtsinhabers.
Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim wies darauf hin, dass Zeiler bislang nicht die Unterstützung der Landesorganisationen oder Vorfeldorganisationen für sich verbuchen könne. Zugleich blieben umfassende Solidaritätsadressen für Babler in den ersten Tagen aus. SPÖ-Klubchef Philip Kucher stellte sich hinter Babler; Justizministerin Anna Sporrer wies darauf hin, die Partei habe diese Debatte nicht selbst gewählt.
Formales und Zeitplan
Die nächste reguläre Vorstandssitzung der Bundespartei ist laut Quelle für den 6. November angesetzt. Bis dahin bleiben viele Fragen offen: Gibt es in den Landesorganisationen bereits Gespräche zur Unterstützung eines der Kandidaten? Werden offizielle Nominierungs- oder Wahlprozesse losgetreten? Aus der Berichterstattung ergibt sich, dass bislang kein geschlossener Fahrplan existiert.
- Ort des Treffens: Gartenbaukino, Wien
- Anlass: Gala-Premiere des Films über Bruno Kreisky
- Beteiligte Personen: Andreas Babler, Gerhard Zeiler (mit Alexandra Zeiler-Lohberger), Markus Marterbauer, Christian Kern
| Umfragen | 15–16 % |
| Nächste reguläre Vorstandssitzung | 6. November |
Konsequenzen und Ausblick
Das kurze, öffentliche Aufeinandertreffen zeigt zweierlei: Erstens, dass beide Seiten bereit sind, in der Öffentlichkeit aufzutreten, ohne die Konfrontation eskalieren zu lassen. Zweitens bleibt die Führungssituation innerhalb der Partei ungeklärt. Das Fehlen breit sichtbarer Solidaritätsbekundungen für Babler in den Tagen nach Zeilers Ankündigung deutet auf zumindest temporäre Orientierungslosigkeit in Teilen der Partei hin.
Für die SPÖ stellen sich daraus mehrere Herausforderungen: die Klärung formaler Schritte nach den Parteistatuten, der Umgang mit medialer Aufmerksamkeit während des Prozesses und die Frage, wie die Partei geschlossen nach außen auftreten kann, während innerparteiliche Debatten offen sind. Bislang liegen aus den Ländern keine eindeutigen Mehrheiten für eine der beiden Seiten vor, so die Berichterstattung.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob es bei symbolischen Begegnungen wie jener im Gartenbaukino bleibt oder ob eine organisierte Auseinandersetzung um die Führung in konkrete, statutarisch verankerte Schritte mündet. Die Partei hat Zeit bis zur regulären Vorstandssitzung Anfang November; bis dahin dürften interne Beratungen und mögliche Unterstützungsbekundungen aus den Landesorganisationen entscheiden, wie die Angelegenheit weitergeführt wird.