Wien verzeichnet im ersten Halbjahr einen deutlichen Anstieg bei Einbürgerungen. Insgesamt wurden in der Bundeshauptstadt 3.333 Personen die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen. Das entspricht einem Plus von 60,5 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres, teilte Statistik Austria mit.
Herkunftsländer und Verteilung
Die größte Gruppe unter den neu Eingebürgerten hatte zuvor die syrische Staatsbürgerschaft: 723 Personen stammten aus Syrien. Auf die Folgegruppen – Afghanistan, Türkei und Iran – geht die Statistik ein, ohne in der veröffentlichten Zusammenfassung konkrete Zahlen für diese Gruppen anzuführen. Österreichweit stiegen die Einbürgerungen ebenfalls, jedoch deutlich schwächer: Im Rest des Landes lag das Plus bei knapp 23 Prozent.
MA 35: Mehr Verfahren, aber lange Dauer
Die zuständige Wiener Magistratsabteilung MA 35 gab an, sie habe heuer fast 3.000 Verfahren mehr abgearbeitet als im ersten Halbjahr 2025. Gleichwohl bleibt die Verfahrensdauer ein Problem. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit liegt derzeit bei 322 Tagen – deutlich über der gesetzlich vorgesehenen Frist von sechs Monaten.
„Es ist und muss auch unser deklariertes Ziel sein, dass wir die gesetzlich vorgeschriebene Verfahrensdauer von sechs Monaten einhalten können. Da sind wir leider noch nicht. Wir sind mitten im Prozess“,
so Nicole del Carmen Garfias, Leiterin der Einwanderungsbehörde MA 35. Sie wies zugleich darauf hin, dass viele Personen, die 2015 etwa aus Syrien gekommen seien, 2025 die notwendigen Voraussetzungen für eine Einbürgerung nachweisen konnten. Das trage wesentlich zu den gestiegenen Antragszahlen bei.
Unterschiede bei Einbürgerungen im Ausland
Bei Verleihungen der österreichischen Staatsbürgerschaft an Personen im Ausland – darunter vor allem Nachfahren von NS-Opfern – ist die Zahl hingegen zurückgegangen. Hier wurde ein Rückgang um 9,6 Prozent verzeichnet.
- 3.333 Einbürgerungen in Wien im ersten Halbjahr
- 60,5 Prozent Zuwachs gegenüber Vorjahr
- Größte Herkunftsgruppe: Syrien (723)
- Durchschnittliche Verfahrensdauer bei MA 35: 322 Tage
Reaktionen und Folgen
Kritik kam von Menschenrechtsorganisationen. SOS Mitmensch bemängelte, die Einbürgerungsrate in Wien bleibe insgesamt «sehr niedrig» und viele Menschen, die lange in der Stadt lebten, erhielten keine Staatsbürgerschaft. Konkrete Forderungen nannte die Organisation in der Kurzfassung der Meldung nicht, doch die Kritik zielt allgemein auf den Zugang zu Rechten und Teilhabe.
Für die Verwaltung bedeuten die gesteigerten Fallzahlen zunehmenden Druck: Mehr Anträge erfordern mehr Personal, effizientere Abläufe und eine verbesserte IT-Unterstützung, um die gesetzlich geregelten Fristen einhalten zu können. Solange die durchschnittliche Dauer bei über 300 Tagen liegt, besteht die Gefahr, dass politische und rechtliche Forderungen nach schnelleren Verfahren lauter werden.
| Kategorie | Wert |
|---|---|
| Einbürgerungen Wien (H1) | 3.333 |
| Zuwachs gegenüber Vorjahr | 60,5 % |
| Einbürgerungen aus Syrien | 723 |
| Durchschnittliche Verfahrensdauer MA 35 | 322 Tage |
Politisch hat die Entwicklung mehrere Implikationen. Kurzfristig stehen Verwaltungslasten und die Einhaltung rechtlicher Fristen im Zentrum. Mittelfristig wirft die Zunahme der Einbürgerungen Fragen nach Integrationsangeboten, Sprachförderung und Zugang zu Sozialrechten auf. Außerdem könnte der Unterschied zwischen Wien und dem Rest des Landes Debatten über föderale Unterschiede bei der Ressourcenverteilung anfachen.
Die MA 35 betont die laufenden Bemühungen, die Verfahrensdauer zu verkürzen. Ob und wie schnell sich die Bearbeitungszeiten verringern, wird entscheidend dafür sein, ob die gestiegene Zahl der Einbürgerungen zu einer Entspannung oder zu weiterem Druck auf die Verwaltung führt.