Das Brandenburgische Landesamt für Umwelt (LFU) hat am Staudamm der Spremberger Talsperre ein glyphosathaltiges Mittel gegen Brombeerpflanzen, Weiden und Pappeln eingesetzt. Nach Angaben des LFU begründet die Behörde die Maßnahme mit der Gefahr, dass die Wurzeln der Gehölze in die unter der Steinschüttung liegende Lehmschicht eindringen und damit die Abdichtung des Damms beschädigen könnten. In diesem Fall müsste die Talsperre nach Einschätzung der Behörde vorübergehend stillgelegt werden.
Warum die Maßnahme jetzt erfolgt
Die Arbeiten finden laut Bericht bei derzeit niedrigem Wasserstand statt. Das LFU bezeichnet das heuer geringe Pegelniveau als günstig für die Maßnahmen: Es sei absehbar, dass die Talsperre über den Sommer nicht im Vollstau betrieben werde, daher könne man die Ufersituation für die Bekämpfung nutzen. Vor Ort trugen Mitarbeiter grüne Schutzanzüge und Mundschutz und trugen das Mittel gezielt auf die betroffenen Pflanzen auf; ein Bauprüfer kontrollierte mit einem Windmesser die Bedingungen am Ufer.
Vorgehen und bisher gescheiterte Methoden
Nach Angaben des LFU wurden an der Talsperre in den vergangenen Jahren bereits verschiedene Verfahren erprobt, um die Vegetation zu reduzieren. Diese Maßnahmen blieben laut LFU jedoch wirkungslos oder führten sogar zur Ausbreitung der Gehölze:
- Abschneiden
- Verbrennen
- Behandlung mit heißem Dampf und heißem Wasser
„Es hat immer nur dazu geführt, dass sich die Gehölze hier ausgebreitet haben“, sagte Isabell Hiekel vom Landesamt für Umwelt und begründete damit den Schritt zu einem chemischen Mittel.
„Weil wir wissen, wir haben sowieso wenig Wasser und müssen die Talsperre runterfahren und werden sie nicht im Vollstau über den Sommer bringen.“
Risiken und technische Hintergründe
Die Sorge des LFU richtet sich auf die Lehmabdichtung unter der Steinschüttung des Damms. Wurzeln, die in diese Dichtschicht vordringen, könnten den Damm porös und durchlässig machen. Das Landesamt betont, dass in einem solchen Fall eine Stilllegung der Talsperre nötig werden könnte, um die Sicherheit zu gewährleisten und Sanierungsarbeiten durchzuführen.
Kontrollen und Einsatzbedingungen
Der Bericht nennt zudem konkrete Schutzvorkehrungen: Mitarbeiter trugen persönliche Schutzausrüstung und arbeiteten auf Planen, um Kontaminationen zu begrenzen. Zusätzlich wurde die Windrichtung und -stärke gemessen, bevor das Mittel appliziert wurde, wie Bauprüfer Frank Spundflasch vor Ort dokumentierte. Konkrete Angaben zur eingesetzten Wirkstoffkonzentration oder zur zeitlichen Dauer der Anwendung wurden in der vorliegenden Darstellung nicht genannt.
Kontext und Folgen
Der Einsatz eines glyphosathaltigen Mittels an einer Talsperre berührt mehrere Schnittstellen: Zum einen die technische Sicherheit von Wasserbauwerken, zum anderen Fragen des Gewässerschutzes und des Einsatzes von Pflanzenschutzmitteln in unmittelbarer Nähe zu Trink- und Brauchwasserspeichern. Das Vorgehen dürfte deshalb sowohl wasserwirtschaftliche als auch umweltrechtliche Diskussionen anstoßen, etwa zu alternativen Vegetationsmanagementmethoden, der Langzeitwirkung von Herbiziden in Uferbereichen und der Notwendigkeit regelmäßiger Pflege von Talsperren.
| Bereich | Situation |
|---|---|
| Ursache | Brombeeren, Weiden, Pappeln wurzeln in Dammaufbau |
| Gefährdung | Beschädigung der Lehmschicht, mögliche Stilllegung der Talsperre |
| Vorherige Maßnahmen | Abschneiden, Verbrennen, Dampf/Wasser – laut LFU unwirksam |
| Aktuelle Maßnahme | Applikation eines glyphosathaltigen Mittels bei niedrigem Wasserstand |
Offene Fragen bleiben: welche Alternativstrategien langfristig vorgesehen sind und wie die Behörden mögliche Umweltwirkungen überwachen wollen. Das LFU nennt den niedrigen Wasserstand als opportunen Zeitpunkt für die Maßnahmen; detaillierte Angaben zur Erfolgskontrolle oder zu Monitoring-Programmen nach der Behandlung lagen in der Berichterstattung nicht vor.
Die Maßnahme zeigt exemplarisch den Zielkonflikt zwischen dem Erhalt baulicher Sicherheit von Talsperren und dem vorsichtigen Umgang mit Pflanzenschutzmitteln in Nähe von Gewässern. Eine transparente Kommunikation über Risiken, Schutzmaßnahmen und Kontrollmechanismen wird entscheidend sein, um die technische Notwendigkeit mit umweltrechtlichen Vorgaben in Einklang zu bringen.