Erfurt. Die Zahl der Empfängerinnen und Empfänger von Ausbildungsförderung nach BAföG in Thüringen hat im Jahr 2025 deutlich abgenommen. Wie das Landesamt für Statistik mitteilte, bezogen im vergangenen Jahr 19.119 Menschen in Thüringen BAföG, das sind etwa 4.300 Personen beziehungsweise 18,5 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Damit setzte sich ein bereits 2024 begonnener Rückgang fort.
Stärkster Rückgang bei Studierenden
Am deutlichsten zeigte sich die Entwicklung bei Studierenden: Nur noch 14.334 Studierende erhielten BAföG, ein Minus von 22,5 Prozent im Vergleich zu 2024. Bei Schülerinnen und Schülern fiel die Zahl der Geförderten moderater und ging um 3,8 Prozent zurück.
Gleichzeitig stieg der durchschnittliche monatliche Förderbetrag pro Person. Nach Angaben der Statistik lag er bei 621 Euro und damit um 27 Euro über dem Wert von 2024. Für Studierende betrug der Mittelwert 666 Euro (+41 Euro), für Schülerinnen und Schüler 463 Euro (+8 Euro).
Ausgaben und Wohnsituation
Die Gesamtausgaben für die Ausbildungsförderung in Thüringen beliefen sich 2025 auf 96,4 Millionen Euro. Das waren rund 18,7 Millionen Euro weniger als im Jahr davor, ein Rückgang von etwa 16,2 Prozent.
Bezüglich der Wohnverhältnisse gab das Landesamt an, dass 27,8 Prozent der Geförderten bei ihren Eltern lebten; der Anteil lag damit geringfügig unter dem Wert von 2024 (28,0 Prozent).
Bearbeitungszeiten und Zuständigkeiten
Neben den reinen Zahlen bleibt die Bearbeitungsdauer von BAföG-Anträgen in Thüringen ein wiederkehrendes Thema. Kritik an teils langen Wartezeiten wird seit längerem geäußert. Eine spezifische Belastung ergibt sich aus der Zuständigkeit des Studierendenwerks in Erfurt für die Anträge der IU Internationale Hochschule: Seit der Verlegung des Hauptsitzes der IU nach Erfurt im Jahr 2019 ist das Studierendenwerk auch für die bundesweit eingehenden Anträge der privaten Hochschule verantwortlich.
- Empfänger 2025 gesamt: 19.119
- Studierende: 14.334 (-22,5 %)
- Schülerinnen/Schüler: Rückgang um 3,8 %
| Indikator | 2025 | Veränderung zu 2024 |
|---|---|---|
| Geförderte insgesamt | 19.119 | -18,5 % |
| Ø Förderbetrag pro Person | 621 € / Monat | +27 € |
| Ø Studierende | 666 € / Monat | +41 € |
| Ø Schülerinnen/Schüler | 463 € / Monat | +8 € |
| Gesamtausgaben | 96,4 Mio. € | -16,2 % |
Mögliche Erklärungsansätze und Bedeutung für Betroffene
Die Statistik liefert keine direkte Aussage zu Ursachen des Rückgangs. Für Betroffene und Studieneinrichtungen sind mehrere Aspekte relevant: Veränderungen bei der Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger, veränderte Einkommens- oder Vermögensverhältnisse bei Antragstellenden, aber auch Verfahrensfragen und Bearbeitungszeiten können Einfluss haben. Die explizite Übernahme der Antragsbearbeitung für die IU durch das Studierendenwerk in Erfurt erhöht zudem das Volumen der bearbeiteten Fälle und kann Abläufe belasten.
Für einzelne Studierende und Familien bedeutet ein geringerer Zugang zu BAföG oft Mehrbelastungen bei der Finanzierung des Lebensunterhalts und Studiums. Die Statistik zeigt zugleich, dass der einzelne Förderbetrag gestiegen ist – dies mildert finanzielle Engpässe einzelner Empfängerinnen und Empfänger, erklärt aber nicht den deutlichen Rückgang bei den Geförderten insgesamt.
Was Betroffene jetzt tun können
Wer aktuell eine Ausbildungsförderung beantragt hat oder plant, dies zu tun, sollte sich frühzeitig informieren und die Fristen beachten. Zuständige Stellen sind das zuständige Studentenwerk oder die für den Wohnort zuständige BAföG-Stelle; bei Fragen zur Bearbeitung der Anträge können die Beratungsangebote der Hochschulen und Studierendenwerke helfen. Für Antragstellende der IU bleibt das Studierendenwerk Erfurt ein zentraler Ansprechpartner.
Die Landesstatistik liefert einen Überblick über die Mengen- und Finanzentwicklung. Für eine umfassendere Ursachenanalyse sind ergänzende Angaben von Ministerium, Hochschulen und den Studierendenwerken notwendig, etwa zur Entwicklung der Studienanfängerzahlen, zu Einkommenstrends oder zu Verwaltungsabläufen.
Die Zahlen zeigen: Trotz leicht gestiegener individueller Förderbeträge nutzen deutlich weniger Thüringerinnen und Thüringer die staatliche Ausbildungsförderung – eine Entwicklung, die Politik, Hochschulen und Beratungsstellen weiter beobachten und erklären müssen.