Erfurt/Jena. Am Abend des 2. Oktober lädt Thüringen erstmals zur „Langen Nacht der Demokratie“ ein. Die Initiative, die im Jahr 2012 in Augsburg entstanden ist, soll am Vorabend des Tags der Deutschen Einheit Menschen im Freistaat zusammenbringen, Diskussionen anstoßen und unterschiedliche Perspektiven auf demokratische Fragen sichtbar machen, wie die Veranstalter mitteilten.
Veranstalter und Zielsetzung
Veranstalter sind der Thüringer Volkshochschulverband und die Landesorganisation der freien Träger in der Erwachsenenbildung Thüringen e. V. (LOFT). Gemeinsam mit weiteren Einrichtungen der Erwachsenenbildung wollen sie an mehreren Orten Workshops, Diskussionen, Lesungen, Ausstellungen und Führungen anbieten. Es gehe dabei nicht vorrangig um reine Wissensvermittlung, sondern darum, dass sich Menschen begegnen und über Demokratie ins Gespräch kommen, betonen die Initiatoren.
Themen und Programme
Das Programm ist thematisch breit angelegt; zentrale Punkte sind die Auseinandersetzung mit dem Begriff Heimat, die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit in Thüringer Städten sowie die Erinnerung an den Fall der Mauer und die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Konkrete Angebote reichen von Gesprächsrunden über Stadtrundgänge bis zu Ausstellungen zu Menschenrechten.
- „Reden über Heimat“: Gesprächsrunde in der Volkshochschule Meiningen (Beginn 15:00 Uhr).
- NS-Geschichte Erfurt: Stadtrundgang zu lokalen Spuren und Inszenierungen, u. a. zum Hitler-Besuch 1933 (18:00–20:00 Uhr).
- Nachkriegszeit: Vorträge in Rudolstadt (Beginn 18:00 Uhr) und Weimar (Beginn 19:00 Uhr), die Fragen der Zeit nach 1945 und der Friedlichen Revolution 1989 thematisieren.
Programmübersicht
| Ort | Format | Beginn |
|---|---|---|
| Meiningen | Gesprächsrunde „Reden über Heimat" | 15:00 Uhr |
| Erfurt | Stadtrundgang zur NS-Geschichte | 18:00–20:00 Uhr |
| Rudolstadt | Vorträge zur Nachkriegszeit | 18:00 Uhr |
| Weimar | Vorträge: Bedeutung der Mauer und Folgen des Mauerfalls | 19:00 Uhr |
Regionale Vernetzung und Bildungsauftrag
Die Langen Nächte der Demokratie haben sich seit 2012 als Format an verschiedenen Orten etabliert; in Thüringen findet die Veranstaltung in diesem Jahr erstmals landesweit statt. Mit ihrem dezentralen Konzept wollen die Veranstalter zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure, Bildungsstätten und kommunale Einrichtungen miteinander vernetzen. Für die Erwachsenenbildung bietet das Format die Chance, historische und aktuelle Themen lokal zu verankern und damit politische Bildung erfahrbar zu machen.
Bedeutung für die lokale Erinnerungskultur
Die Einbindung von Stadtrundgängen und lokalen Zeitzeugenvorträgen betont die Bedeutung regionaler Erinnerungskultur. In Erfurt etwa stehen Fragen im Zentrum, wie die nationalsozialistische Machtdarstellung damals inszeniert wurde. In Rudolstadt erinnern Vorträge an die Umbruchszeit und an Personen, die lokale Debatten in den Jahren vor 1989 prägten. In Weimar soll die Perspektive auf die Mauer und ihre Folgen für die Menschen vor Ort zur Sprache kommen.
Praktische Hinweise für Teilnehmende
Interessierte Bürgerinnen und Bürger sollten sich über die Angebote vor Ort informieren, da die Veranstaltungen dezentral und an verschiedenen Orten im Freistaat stattfinden. Die Veranstaltenden empfehlen, Anfahrtszeiten und mögliche Anmeldebedingungen vorab zu prüfen, insbesondere für Führungen und Gesprächsrunden mit begrenzter Teilnehmerzahl.
Einladung zur Diskussion
Das Ziel der „Langen Nacht der Demokratie“ ist es, Begegnungsräume zu schaffen, in denen unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen ausgetauscht werden können. Angesichts aktueller gesellschaftlicher Debatten sehen die Initiatoren in der Veranstaltung eine Möglichkeit, demokratische Werte zu stärken und lokale Geschichte in die Gegenwart zu holen.
Weitere Informationen zu Programmpunkten und Veranstaltungsorten stellen der Thüringer Volkshochschulverband und LOFT bereit.