Sanierung legt Verbindung Lehrte–Berlin teilweise lahm
Die DB InfraGO beginnt am 2. Oktober 2026 mit einer umfassenden Korridorsanierung der Strecke Lehrte–Berlin. Die Maßnahme zählt zu den größten Eingriffen auf dieser Nord-Süd-Achse und hat direkte Folgen für den Bahnverkehr in der Altmark. Für die Stadt Stendal bedeutet dies in der ersten Bauphase eine Totalsperrung des betroffenen Abschnitts und den Wegfall der ICE-Halte.
Wie sich die Bauphasen auf Fahrgäste auswirken
Die DB gliedert die Arbeiten in zwei zentrale Phasen. In der ersten Phase von Oktober bis Dezember 2026 wird der Abschnitt komplett gesperrt. Reisende zwischen Stendal und Berlin können in diesem Zeitraum nicht mit Zügen der RE‑Linie 4 fahren; stattdessen sind Schienenersatzbusse vorgesehen. Zudem entfallen die Fernverkehrshalte in Stendal.
| Zeitraum | Maßnahme | Folgen für Stendal |
|---|---|---|
| 2. Okt.–Dez. 2026 | Totalsperrung | RE4 entfällt, Schienenersatzbusse nach Nauen; keine ICE-Halte; Expressbusse nach Wolfsburg und Genthin |
| Dez. 2026–Okt. 2027 | Abschnittsweise eingleisige Befahrung | Umleitung der RE4 über Lehrter Stammbahn; RE4 übernimmt Fahrten der bisherigen RB34 |
In der zweiten Phase, die von Dezember 2026 bis Oktober 2027 geplant ist, ist zumindest eine abschnittsweise eingleisige Befahrung über die Lehrter Stammbahn zwischen Rathenow und Stendal vorgesehen. Dann soll die RE4 umgeleitet werden und Teile des bisherigen Regionalverkehrs übernehmen.
Ersatzangebote: Busse, Umsteigeverbindungen, Takt
Als Ersatzverkehre nennt die DB mehrere Maßnahmen, die den Regional- und Fernverkehr für Stendal kompensieren sollen. Konkret werden folgende Linien und Angebote eingerichtet oder erweitert:
- Schienenersatzbusse zwischen Stendal und Nauen mit Umstiegsmöglichkeiten in den Zugverkehr;
- Zweistündliche Expressbusse ohne Zwischenhalte nach Wolfsburg und nach Genthin als Ersatz für den weggefallenen Fernverkehr;
- Die Expresslinien X1 (Stendal–Genthin) mit Anschluss an den RE1 und X4 (Stendal–Rathenow–Nauen) mit Anschluss an RE8 und RE2 werden als Kernverbindung für Pendler genannt.
„Der lange Sperrzeitraum sei für die Altmark eine massive Verschärfung der ohnehin schwierigen Situation.“
Dieses Urteil sprach Sachsen-Anhalts Verkehrsministerin Lydia Hüskens (FDP) laut MDR über die geplante Sperrung aus. Die Aussage verweist auf die bereits bestehende Belastung der Region durch eingeschränkte Verbindungen und zusätzliche Umsteigezeiten.
Konkrete Auswirkungen für Pendler und Pendlerinnen
Für Pendlerinnen und Pendler aus Stendal und dem umliegenden Rathenow ändert sich der Alltagsweg erheblich: Wegfall direkter Verbindungen nach Berlin, zusätzliche Umstiege und verlängerte Fahrzeiten sind zu erwarten. Die seit Dezember 2025 eingerichteten Schienenersatzverkehre für die RB34 (Stendal–Rathenow) und RB35 (Stendal–Wolfsburg) bleiben laut DB bis zum Ende der Totalsperrung im Dezember 2026 unverändert bestehen.
Die Ankündigungen der DB enthalten technische Maßnahmen und Ersatzangebote, doch die praktische Umsetzung wird für viele Fahrgäste von Anschlüssen, Pünktlichkeit und Kapazitäten der Busse abhängen. Ebenso bleibt offen, wie sich die Änderungen auf Pendlerkosten, Park-and-ride-Nutzung und den innerstädtischen Verkehr in Stendal auswirken werden.
Ausblick und Erwartungen
Die Gesamtsanierung des Korridors Lehrte–Berlin ist Teil einer bundesweiten Strategie: Es handelt sich um die achte Korridorsanierung im deutschen Streckennetz. Ziel ist, die Infrastruktur langfristig zu stabilisieren und leistungsfähiger zu machen. Kurzfristig aber bedeuten die Arbeiten für Stendal und die Altmark deutliche Einschnitte. Fahrgäste sollten Reisepläne prüfen, Anschlussverbindungen berücksichtigen und sich auf geänderte Fahrzeiten einstellen.
Die DB hat die Bauphasen terminiert und Ersatzfahrpläne angekündigt; lokale Behörden und Verkehrsverbünde werden zur Abstimmung der Busverkehre und Anschlussangebote voraussichtlich weitere Informationen bereitstellen. Reisende aus Stendal sollten kurzfristig die Mitteilungen der Deutschen Bahn und der Landesbehörden verfolgen, um aktuelle Abfahrtszeiten und Anschlussmöglichkeiten nicht zu verpassen.