Der Bau der ersten landeseigenen Abschiebehaftanstalt Sachsen-Anhalts in Volkstedt (Landkreis Mansfeld-Südharz) verzögert sich: Nach Angaben des Finanzministeriums in Magdeburg ist der ursprünglich angestrebte Fertigstellungstermin Ende 2026 nicht zu halten. Stattdessen soll die bauliche Fertigstellung nach derzeitiger Planung "möglichst bis Juni 2027" erfolgen, sodass die Übergabe und die Inbetriebnahme durch den Nutzer bis Ende 2027 realisiert werden könnten.
Ursachen der Verzögerung
Als Gründe für die Verzögerung nennt das Ministerium mehrere Faktoren, die sich kumulativ auf den Bauablauf ausgewirkt hätten. Dazu gehören witterungsbedingte Stillstände im Winter, zahlreiche Nachprüfungsverfahren bei Vergaben sowie die Nichtleistung einzelner Baufirmen. Besonders gravierend habe die Frostperiode Ende 2025 und Anfang 2026 den Ablauf beeinträchtigt: In dieser Zeit musste die Bautätigkeit laut Ministerium vollständig eingestellt werden.
Der Rohbau sowie die äußere Umwehrung des Geländes seien bereits fertiggestellt. Aktuell laufe der Ausbau der technischen Gebäudeausrüstung. Parallel sei geplant, die IT-Ausstattung der Einrichtung zu ergänzen; dafür war ursprünglich eine Fertigstellung bis Anfang/Mitte des zweiten Quartals 2027 vorgesehen.
"Vor diesem Hintergrund soll nach derzeitigen Planungen die bauliche Fertigstellung möglichst bis Juni 2027 erfolgen, sodass die Übergabe und Inbetriebnahme durch den Nutzer bis Ende des Jahres erfolgen kann."
Konsequenzen für Abschiebungen
Solange die neue Einrichtung nicht in Betrieb ist, bleibt Sachsen-Anhalt bei Abschiebungen auf die Unterstützung anderer Bundesländer angewiesen. Das Innenministerium plant, bereits ab Anfang Oktober zwei Vollzugsbedienstete einzusetzen, die den Inbetriebnahmeprozess vorbereiten sollen. Konkrete Aussagen dazu, wie viele Plätze dem Land durch die neuen Einrichtungen zur Verfügung stehen werden oder wie lange bestehende Absprachen mit anderen Ländern verlängert werden müssen, liegen in der Mitteilung nicht.
Kostenrahmen bleibt laut Ministerium stabil
Zu den finanziellen Auswirkungen der Verzögerung erklärt das Finanzministerium, dass sich am bisher kommunizierten Kostenrahmen bislang nichts geändert habe. Auf Basis der Entwurfsplanung werde weiterhin von geplanten Projektrealisierungskosten in Höhe von 37,4 Millionen Euro ausgegangen.
| Baustand | Geplantes Ziel |
|---|---|
| Rohbau und äußere Umwehrung | Fertiggestellt |
| Technische Gebäudeausrüstung | Im Ausbau |
| Bauliche Fertigstellung | Geplant bis Juni 2027 |
| Übergabe / Inbetriebnahme | Geplant bis Ende 2027 |
| Kostenrahmen | 37,4 Millionen Euro |
Reaktionen und Bedeutung für Sachsen-Anhalt
Die Verzögerung hat politische und organisatorische Relevanz: Die Abschiebehaftanstalt war als staatliche Infrastruktur gedacht, um Abschiebungen unabhängig von Kapazitäten Dritter durchführen zu können. Solange diese Möglichkeit nicht besteht, ist das Land auf Kontingente anderer Bundesländer angewiesen, was Abläufe verzögern und logistische Belastungen für die Behörden erhöhen kann.
Die Entscheidung, bereits vor der endgültigen Fertigstellung Personal einzusetzen, signalisiert, dass Innenministerium und Vollzugsbehörden die Vorbereitungen für die Inbetriebnahme ernst nehmen. Dennoch bleibt offen, wie lange bestehende Absprachen zur Unterbringung noch aufrechterhalten werden müssen und welche operativen Folgen die erneute Verzögerung konkret für anstehende Abschiebungen hat.
Praktische Informationen und Ausblick
Für Bürgerinnen und Bürger sowie betroffene Behörden ist wichtig zu wissen:
- Die bauliche Fertigstellung ist nach aktuellem Stand für Juni 2027 geplant.
- Die Inbetriebnahme durch den Nutzer ist bis Ende 2027 avisiert.
- Bis dahin werden Plätze in anderen Bundesländern benötigt.
- Ab Anfang Oktober sollen zwei Vollzugsbedienstete mit den Vorbereitungen beauftragt werden.
Ob und in welchem Umfang weitere Verzögerungen oder zusätzliche Kosten auftreten, lässt sich derzeit nicht sagen. Das Ministerium verweist auf die bereits genannten Ursachen und betont, dass die Planung weiterhin auf Grundlage der Entwurfsplanung und der damit verbundenen Kostenberechnung erfolgt. Beobachter werden besonders auf die nächsten Schritte bei Vergaben, die Fertigstellung der technischen Ausrüstung und den Zeitplan zur IT-Ausstattung achten.
Die Lage in Volkstedt bleibt damit in den kommenden Monaten ein Thema für Landesregierung, Sicherheitsbehörden und Kommunen. Für die betroffenen Verfahren und die organisatorische Umsetzung von Abschiebungen bedeutet die Verzögerung aber weiterhin einen spürbaren Mehraufwand und Abhängigkeiten von externen Kapazitäten.