Auch nach Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind in Sachsen‑Anhalt zahlreiche betriebliche Lehrstellen noch offen. Laut Angaben der Regionaldirektion Sachsen‑Anhalt‑Thüringen der Bundesagentur für Arbeit standen Ende August landesweit 2.006 unbesetzte Ausbildungsplätze gegenüber 1.784 noch suchenden Bewerberinnen und Bewerbern.
Verhältnis von offenen Stellen und Bewerbern
Rechnerisch ergibt sich daraus, dass auf 100 freie Ausbildungsplätze etwa 89 suchende junge Menschen kommen. Besonders viele vakante Stellen verzeichnet die Arbeitsagentur im Bereich Verkauf und Einzelhandel. Weitere Schwerpunkte liegen in der Lagerwirtschaft sowie in der Konstruktionsmechanik.
"Jugendliche sollten jetzt bei der Suche aktiv bleiben,"
dies betonte der Chef der Regionaldirektion, Markus Behrens, und verwies darauf, dass Berufsberaterinnen und Berufsberater der Arbeitsagenturen auch kurzfristig bei der Suche nach einer passenden Lehrstelle unterstützen könnten.
Entwicklung bei Angebot und Nachfrage
Die Statistik zeigt eine leichte Verschiebung: Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsbewerberinnen und -bewerber liegt in diesem Jahr um 2,3 Prozent höher als im Vorjahr, während die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen um 3,1 Prozent zurückgegangen ist. Die Folge ist ein engeres Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage als in früheren Jahren.
| Kennzahl | Wert (Ende August) |
|---|---|
| Unbesetzte betriebliche Ausbildungsplätze | 2.006 |
| Suchende Bewerberinnen und Bewerber | 1.784 |
| Verhältnis (pro 100 Stellen) | 89 Bewerber |
| Veränderung Bewerberzahl vs. Vorjahr | +2,3 % |
| Veränderung gemeldete Ausbildungsstellen | -3,1 % |
Langfristige Bedeutung einer Ausbildung
Die Arbeitsagentur weist auf die langfristigen Vorteile einer abgeschlossenen Berufsausbildung hin. Nach ihren Angaben lag die Arbeitslosenquote 2025 bei Menschen ohne Berufsabschluss in Sachsen‑Anhalt bei 35 Prozent, während sie bei Personen mit Abschluss nur 5 Prozent betrug. Zudem verdienten Fachkräfte mit einer Berufsausbildung im Schnitt 719 Euro monatlich mehr als Personen ohne Abschluss. Diese Differenzen unterstreichen, wie stark eine Ausbildung die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern kann.
Ausbildung im Handwerk
Im Handwerk ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Auszubildenden seit 2022 um 2,4 Prozent gestiegen und lag zuletzt bei 9.108 jungen Menschen. Darunter befanden sich 710 ausländische Auszubildende, knapp die Hälfte mehr als vier Jahre zuvor. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass das Handwerk in Teilen stabil Fachkräftenachwuchs anzieht, zugleich aber nicht alle Branchen gleichermaßen vom Trend profitieren.
Praktische Hinweise für Bewerber und Betriebe
Die Regionaldirektion empfiehlt, die Angebote der Berufsberatung der Arbeitsagenturen zu nutzen. Dazu zählen unter anderem Bewerbungschecks, Hinweise zu offenen Stellen in der Region und Vermittlungshilfen. Für Betriebe kann es sinnvoll sein, kurzfristig Ausbildungsplätze noch einmal aktiv zu bewerben oder Ausbildungsinhalte anzupassen, um für potenzielle Bewerber attraktiver zu werden.
- Jugendliche: Ansprechpartner sind die Berufsberaterinnen und Berufsberater der örtlichen Arbeitsagentur.
- Betriebe: Angebote zur Ausbildungsplatzförderung und Beratung durch die Kammern prüfen.
- Eltern und Schulen: Berufsorientierung frühzeitig und praxisnah anbieten, um Übergänge zu erleichtern.
Regionale Perspektiven
Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt hat unmittelbare Folgen für die regionale Wirtschaft: Unbesetzte Lehrstellen können künftig zu Engpässen bei Fachkräften führen, wenn Ausbildungsnachwuchs dauerhaft ausbleibt. Andererseits bieten die noch vorhandenen offenen Plätze für viele Jugendliche gute Chancen, schnell einen Ausbildungsplatz zu finden. Entscheidend bleibt, dass Angebot und Nachfrage besser aufeinander abgestimmt werden – etwa durch verstärkte Kooperationen zwischen Schulen, Betrieben und Beratungsstellen.
Die Zahlen stammen aus der Auswertung der Regionaldirektion Sachsen‑Anhalt‑Thüringen der Bundesagentur für Arbeit zum Ende August. Jugendliche und Firmen im Land sind jetzt gefordert, die vorhandenen Möglichkeiten aktiv zu nutzen.