Bezirksamt verteidigt Projekt, Oppositionspolitiker zweifeln an Nutzen
Im Sommer hat das Bezirksamt Friedrichshain‑Kreuzberg an drei Orten sogenannte „mobile Gärten“ aufgestellt, mit dem erklärten Ziel, an heißen Tagen schattige Aufenthaltsorte zu bieten, Regenwasser zu nutzen und stadtklimatische Maßnahmen zu demonstrieren. Das Projekt startete Ende Juli und ist auf drei Monate angelegt.
Die Maßnahme ist Teil eines städtischen Versuchs, Konzepte gegen die Folgen der Klimaerwärmung im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Bezirksbürgermeisterin Clara Herrmann (Grüne) wird in der Projektbeschreibung mit den Worten zitiert, die mobilen Gärten zeigten „ganz praktisch, wie lebenswerte Kieze in Zeiten der Klimakrise gestaltet werden können“ und würden „die Umgebung kühlen, Regenwasser nutzen und Aufenthaltsorte für alle schaffen“.
Wenig Schatten, geringe Nutzung — kritische Bilanz vor Ort
Eine Stichprobe ergab allerdings, dass die Anlagen von Passanten auch an sonnigen Tagen kaum genutzt werden. Grund sei unter anderem die geringe Größe der überdachten Flächen: Die Dächer decken offenbar nicht ausreichend Fläche ab, sodass der Schatten oftmals nicht auf die Sitzbänke fällt. Fotos zeigen Sitzgelegenheiten ohne nennenswerte Beschattung.
„Die Kosten sind eine Unverschämtheit“, so der CDU-Abgeordnete Timur Husein, der die Ausgaben beim Senat erfragt hat.
Die Umweltverwaltung des Senats nannte für Miete, Anlieferung sowie Auf‑ und Abbau der Anlagen einen Betrag von 46.053 Euro. Dieser Wert wird vom CDU‑Abgeordneten Timur Husein (45) als Beispiel für verschwendete öffentliche Mittel kritisiert: Er bezeichnete die Anschaffung als überteuert und bezweifelt den Nutzen der kleinen Holzsitze mit begrenzter Bepflanzung.
Standorte und Kosten im Überblick
| Standort | Bezirksteil |
|---|---|
| Admiralstraße (am Kottbusser Tor) | Kreuzberg |
| Danneckerstraße | Friedrichshain |
| Yorckstraße/Ecke Katzbachstraße | Kreuzberg |
Die drei mobilen Gärten stehen an der Admiralstraße am Kottbusser Tor, in der Danneckerstraße in Friedrichshain sowie an der Yorckstraße/Ecke Katzbachstraße in Kreuzberg.
- Projektbeginn: Ende Juli
- Geplante Laufzeit: drei Monate
- Bekannte Kosten (Miete, Anlieferung, Auf/Abbau): 46.053 Euro
Vorgeschichte: Streit um teure Öko‑Projekte
Die aktuellen Diskussionen greifen auf bereits bekannte Debatten zurück: In der Vergangenheit war das Bezirksamt wegen anderer umweltbezogener Anschaffungen kritisiert worden. Als Beispiel wird eine Öko‑Toilette am Kottbusser Tor genannt, deren Anschaffungskosten in Berichten mit 56.000 Euro beziffert wurden; dazu kamen laufende Unterhaltskosten. Diese Vorfälle prägen die Skepsis in Teilen der Opposition und in der Öffentlichkeit gegenüber neuen Pilotprojekten.
Für Anwohnerinnen und Gewerbetreibende in Kreuzberg stellt sich nun die Frage, ob die Sichtbarkeit solcher Maßnahmen genügt oder ob die praktische Wirksamkeit und die Kostentransparenz stärker in den Mittelpunkt rücken müssen. Kritiker fordern genaue Evaluierungen und klarere Kriterien, wann temporäre Maßnahmen im öffentlichen Raum als sinnvoll und wirtschaftlich gelten.
Ausblick: Evaluierung und Debatte zu kommunalen Klimamaßnahmen
Das Bezirksamt hat die mobilen Gärten als Demonstrationsprojekt angekündigt; ob eine Ausweitung oder Anpassung erfolgt, dürfte von der Bewertung der Wirkungen abhängen. Für Kreuzberg bleibt wichtig, dass klimatische Maßnahmen nicht nur symbolisch sind, sondern auch tatsächlichen Nutzen für Hitzeentlastung, Aufenthaltsqualität und Regenwassernutzung bringen. Die jetzt laut gewordene Kritik dürfte die Debatte um Prioritäten und Ausgaben im Bezirksbudget weiter anheizen.
Meinungsgemäße Wertungen vermeide ich; angesichts knapper öffentlicher Mittel liegt die Verantwortung bei Verwaltung und Politik, Nutzen, Kosten und Transparenz bei künftigen Projekten klarer darzulegen, damit die Kieze spürbar profitieren.