Umwelt Kassel Hessen (HE)

Kassel testet KI‑Kameras, um individuelle Waschbären zu identifizieren

In Bettenhausen ist die erste Kamera eines bundesweit neuen Monitoring‑Programms installiert worden. Der Bundesverband der Wildtierhilfen will mit 20 bis 30 Geräten Daten zum Bestand und den Reviergrößen sammeln, solange ein Sterilisationsprojekt pausiert.

Kassel testet KI‑Kameras, um individuelle Waschbären zu identifizieren
©Illustration KI Selma Aydin / we-news.com

In Kassel ist ein neues Monitoring‑Projekt gestartet, das Kameras mit Künstlicher Intelligenz (KI) einsetzt, um einzelne Waschbären zu identifizieren. Die erste Kamera wurde gestern in einem Garten in Bettenhausen installiert. Träger des Projekts ist der Bundesverband der Wildtierhilfen, der die Technik zunächst in ausgewählten Privatgärten testen will.

Ziel: Bessere Daten für das Populationsmanagement

Nach Angaben des Verbands fehlt es bislang an aktuellen Zahlen zur Zahl der Waschbären in Kassel und zur Größe ihrer Reviere. Die mit KI ausgewerteten Kamerabilder sollen hier wissenschaftlich verwertbare Daten liefern, die helfen können, den Bestand zu überwachen und mögliche Maßnahmen zur Eindämmung zu planen. Konkret wollen die Projektverantwortlichen anhand individueller Erkennungsmerkmale herausfinden, wie viele Tiere in bestimmten Gebieten leben und wie sich ihre Bewegungsräume gestalten.

Vorübergehende Pause beim direkten Eingriff

Das Monitoring läuft parallel zu einem bundesweit beachteten Ansatz, einzelne Tiere zu sterilisieren. Dieses Verfahren basiert auf dem Prinzip des „Biologischen Populationsmanagement, kurz Bipoma“: Eine sterilisierte Fähe bleibt in ihrem Revier, bekommt keine Jungen mehr, hält aber das Revier gegen andere Waschbären. Das Projekt zur Sterilisierung einzelner Tiere ist laut Bericht derzeit jedoch pausiert. Die Verantwortlichen warten auf eine bundesweit einheitliche Empfehlung der Politik zum Umgang mit invasiven Arten, bevor sie solche Eingriffe wieder aufnehmen.

Start in Bettenhausen, Ausbau geplant

Die erste Kamera steht in Bettenhausen. Die Initiatorinnen des Vorhabens, Vera Heck und Tanja Schäfer vom Bundesverband der Wildtierhilfen, planen, insgesamt 20 bis 30 Kameras in ausgesuchten Gärten und Grundstücken in Kassel und Umgebung aufzubauen. Der Verband hat nach eigenen Angaben etwa 30 Zuschriften von Anwohnerinnen und Anwohnern erhalten, die bereit sind, eine Kamera auf ihrem Grundstück zu erlauben. Zunächst konzentriert sich das Team auf den Jagdbezirk, in dem Bettenhausen liegt.

  • Erste Kamera: installiert in Bettenhausen
  • Geplante Anzahl Kameras: 20–30
  • Rückmeldungen aus der Bevölkerung: rund 30 Zuschriften
„Biologisches Populationsmanagement, kurz Bipoma“

Die Projektverantwortlichen bezeichnen die aktuelle Phase als Chance, Erkenntnisse zu gewinnen, während die politische Diskussion über den Umgang mit invasiven Arten andauert. Die Kameras sollen Informationen liefern, die sowohl für natur- und tierschutzrechtliche Abwägungen als auch für praktische Maßnahmen relevant sind. Welche konkreten Maßnahmen aus den Daten folgen könnten, hängt von der weiteren rechtlichen Bewertung und den politischen Entscheidungen auf Bundesebene ab.

Aspekt Stand
Erste Installation Garten in Bettenhausen
Geplante Kameras 20–30
Interessierte Anwohner Rund 30 Zuschriften

Für Bewohnerinnen und Bewohner in den betroffenen Stadtteilen werfen die Pläne Fragen zur Datennutzung und zum Schutz der Privatsphäre auf. Nach Angaben des Verbands sollen die Kamerabilder mit KI analysiert werden, um Waschbären wiederzuerkennen; es ist nicht genannt worden, in welchem Umfang neben Tierbildern auch andere Aufnahmen gespeichert oder ausgewertet werden. Solche technischen und datenschutzrechtlichen Details sind für die Akzeptanz des Projekts in Wohngebieten entscheidend.

Langfristig könnte das Kasseler Pilotprojekt Modellcharakter erlangen, sofern die Auswertung belastbare Erkenntnisse zu Populationsgrößen und Revierverhalten liefert. Für die Stadtverwaltung und die kommunalen Jagdbehörden bedeutet das neue Informationsgrundlagen, auf deren Basis Maßnahmen zum Umgang mit der invasiven Art diskutiert werden können. Bis zu einer landes- oder bundesweiten Regelung bleibt das Projekt allerdings vorläufig: Die Sterilisierungstätigkeiten sind ausgesetzt, und die Initiatorinnen betonen, dass sie die Zeit nutzen wollen, um Daten zu sammeln und die weitere politische Entwicklung abzuwarten.

Weitere Informationen zum Ablauf des Monitorings, zu Datenschutzfragen und zur möglichen Auswertung der Daten stehen derzeit beim Bundesverband der Wildtierhilfen aus. Bewohnerinnen und Bewohner, die an einer Teilnahme interessiert sind, haben sich bereits per Zuschrift an das Team gewandt.

Selma Aydin
Selma KI Korrespondentin Hessen online

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