Hamburg will die kommunale Förderung für Wärmepumpen in diesem Jahr um sechs Millionen Euro aufstocken. Das teilten SPD und Grüne am Dienstag mit und kündigten zugleich eine Neuausrichtung des Programms für das Jahr 2027 an: Zukünftig sollen die Mittel stärker auf Haushalte mit geringem Einkommen konzentriert werden.
Mehr Mittel in laufendem Jahr, Neuausrichtung ab 2027
Über den Antrag der Regierungskoalition soll die Bürgerschaft in ihrer nächsten Sitzung am 30. September entscheiden. Die Koalition begründet den Schritt mit einer deutlich gestiegenen Nachfrage nach Wärmepumpen und der Notwendigkeit, den Wechsel von fossilen Heizungssystemen zu unterstützen. Insgesamt seien von 2020 bis Juli dieses Jahres rund 37 Millionen Euro für die Förderung bewilligt worden.
Die Koalitionspartner betonen, dass die Aufstockung dazu dienen soll, die vorhandene Dynamik beim Umstieg auf Wärmepumpen zu sichern und soziale Härten abzufedern, weil die staatliche Unterstützung auf Bundesebene weniger umfassend ausfalle als erwartet.
„Diesen Schwung wollen wir nutzen, und stellen deshalb zusätzliche Mittel bereit, damit die Förderung verlässlich fortgesetzt werden kann“, sagte der SPD-Klimaexperte Alexander Mohrenberg.
Konkrete Zahlen zur Nachfrage und Entwicklung
Die Stadt verweist auf einen starken Anstieg der Förderanträge: Während im Jahr 2024 noch durchschnittlich rund 60 Wärmepumpen pro Monat neu angemeldet wurden, lag die Zahl im vergangenen Jahr bereits bei rund 130 pro Monat. Die Anträge bei der Investitions- und Förderbank stiegen demnach von etwa 280 im zweiten Quartal 2025 auf mehr als 490 im zweiten Quartal 2026.
| Zeitraum | Durchschnittlich neu angemeldete Wärmepumpen pro Monat | Förderanträge (Q2) |
|---|---|---|
| 2024 (Durchschnitt) | ~60 | — |
| 2025 (letztes Jahr, Durchschnitt) | ~130 | ~280 (Q2 2025) |
| 2026 (Q2) | — | >490 |
Sozialer Fokus und Anpassung an Bundeshilfen
SPD und Grüne kündigten an, das Förderprogramm ab 2027 an die veränderten Rahmenbedingungen auf Bundesebene anzupassen und gezielt Menschen mit niedrigen Einkommen zu unterstützen. Die energiepolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Melanie Nerlich, betonte, es sei wichtig, jene Haushalte in den Blick zu nehmen, die aufgrund hoher Investitionskosten ohne gezielte Unterstützung vom Austausch ihrer Heizung ausgeschlossen blieben.
„Ab 2027 wollen wir das Programm weiterentwickeln und auf Menschen ausrichten, die wenig Geld haben und daher besonders auf diese Unterstützung angewiesen sind“, sagte Melanie Nerlich.
Welche Auswirkungen hat die Aufstockung für Hamburgerinnen und Hamburger?
- Kurzfristig sollen durch die zusätzlichen Mittel mehr Förderanträge bewilligt und längere Wartezeiten vermieden werden.
- Haushalte mit geringen Einkommen sollen ab 2027 priorisiert werden — dies betrifft einkommensschwächere Miet- und Eigentümerhaushalte.
- Die Stadt erwartet, durch die Förderung mehr Heizungsumrüstungen zu erreichen und damit Emissionen sowie den Bedarf an fossilen Brennstoffen zu reduzieren.
Für betroffene Haushalte bedeutet die Entscheidung: Wer derzeit einen Austausch der Heizung plant, sollte die bestehenden Fördermöglichkeiten prüfen und gegebenenfalls zeitnah einen Antrag stellen. Konkrete Änderungen der Förderrichtlinien für 2027 will die Stadt noch ausarbeiten und rechtzeitig veröffentlichen.
Hintergrund: Warum Wärmepumpen gefördert werden
Wärmepumpen gelten als ein zentraler Baustein der Wärmewende, weil sie Heizenergie aus Umweltquellen wie Luft, Wasser oder Erde nutzen und so den Verbrauch fossiler Brennstoffe senken. Politisch ist die Förderung zugleich ein Instrument, um Klimaziele zu erreichen und die Energieversorgung langfristig nachhaltiger zu gestalten. Gleichzeitig sind die Anschaffungskosten höher als für konventionelle Systeme, weshalb öffentliche Zuschüsse die Hemmschwelle für viele Haushalte senken sollen.
Die geplante Aufstockung in Hamburg ist Teil einer landespolitischen Antwort auf die gestiegene Nachfrage und die als unzureichend empfundene Unterstützung auf Bundesebene. Ob die zusätzlichen Mittel ausreichen werden, um die Antragszahlen dauerhaft zu befriedigen, wird von der weiteren Ausgestaltung des Programms und vom verfügbaren Budget abhängen.
Die Entscheidung der Bürgerschaft am 30. September wird Klarheit darüber bringen, wie schnell zusätzliche Förderanträge bewilligt werden können und welche Kriterien für die gezielte Unterstützung einkommensschwacher Haushalte gelten sollen.
Von Fabian Krüger, Korrespondent Hamburg