Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt vor einem erheblichen Lehrermangel zum Beginn des kommenden Schuljahres in Brandenburg. Nach Angaben des Landesvorsitzenden Günther Fuchs werden etwa 300 bis 320 Stellen voraussichtlich unbesetzt bleiben. Als Ursachen nennt Fuchs vermehrt nicht eingehaltene Einstellungszusagen und eine hohe Ausfallquote bei Lehrkräften.
Mehr Schülerinnen und Schüler, weniger verlässliche Zusagen
Fuchs betonte, dass sich die Lage trotz gestiegener Schülerzahlen verschärfe. Er habe eine Blitzumfrage unter den Personalräten durchgeführt, deren Ergebnisse auf die genannte Größenordnung unbesetzter Stellen hindeuten. Die Folgen seien nach seiner Einschätzung vollere Klassen und eine zusätzliche Belastung des verbleibenden Lehrpersonals.
„Wir erleben zurzeit auch, dass Zusagen von Lehrkräften, in Brandenburg ihren Dienst aufzunehmen, nicht eingehalten werden.“
Regionale Schwerpunkte und Einstellungsprofile
Der GEW-Landesvorsitzende berichtete, die Engpässe träten vor allem in Regionen auf, die bereits in der Vergangenheit Schwierigkeiten hatten, Lehrkräfte zu gewinnen. In diesen Gebieten gebe es kaum Bewerbungen. Zugleich verzeichnete Fuchs bei den Neueinstellungen einen deutlichen Anteil von Seiteneinsteigern, während ausgebildete Lehrkräfte seltener die offenen Stellen besetzten.
- Geschätzt unbesetzte Stellen: 300–320
- Ursachen: Nicht eingehaltene Zusagen, hohe Ausfallquoten, Zuwachs an Schülerinnen und Schülern
- Betroffene Regionen: Vor allem ländliche Bereiche mit wenig Bewerbungen
- Neueinstellungen: Viele Seiteneinsteiger, weniger ausgebildete Lehrkräfte
Konsequenzen für Unterricht und Schulalltag
Unbesetzte Stellen wirken sich unmittelbar auf den Unterricht aus. In betroffenen Klassen könnten Fachunterricht, Förderstunden oder Wahlpflichtfächer entfallen oder von nicht spezialisiertem Personal übernommen werden. Zudem steigt die Belastung für die vorhandenen Lehrkräfte, was wiederum zu Krankmeldungen oder vorzeitigem Ausscheiden führen kann — ein Teufelskreis, auf den die GEW hinweist.
Was Schulen und Eltern jetzt wissen sollten
Schulleitungen haben in solchen Situationen verschiedene Handlungsoptionen: Stundenpläne anpassen, Vertretungsreserven organisieren, Fächer zusammenlegen oder Lehrkräfte überregional anfordern. Eltern, deren Kinder betroffene Klassen besuchen, sollten sich über Vertretungsregelungen und Unterrichtsausfall informieren und bei Bedarf den Kontakt zu der jeweiligen Schulleitung suchen, um konkrete Auswirkungen zu klären.
Daten im Überblick
| Aspekt | Angabe |
|---|---|
| Geschätzte unbesetzte Stellen | 300–320 |
| Hauptursachen | Nichteingehaltene Zusagen, Ausfallquote, steigende Schülerzahlen |
| Besonders betroffen | Ländliche Regionen mit wenigen Bewerbungen |
| Charakter der Neueinstellungen | Viele Seiteneinsteiger, weniger ausgebildete Lehrkräfte |
Hintergrund: Seiteneinstieg und strukturelle Probleme
Seit Jahren erprobt Brandenburg neben klassischen Einstellungen auch den Seiteneinstieg, um akute Engpässe zu überbrücken. Dabei übernehmen Personen ohne reguläre Lehramtsausbildung Unterricht und werden in der Praxis qualifiziert. Die GEW kritisiert jedoch, dass dies allein strukturelle Ursachen nicht behebe: Attraktivität des Lehrerberufs, Bezahlung, Arbeitsbedingungen und die Bereitstellung von Aus- und Fortbildungsplätzen spielten weiterhin eine große Rolle.
Ausblick und Forderungen
Konkrete Forderungen der GEW sind in der hier zitierten Darstellung nicht detailliert aufgeführt. Aus der Bewertung durch Günther Fuchs lässt sich jedoch ableiten, dass kurzfristige Maßnahmen zur Sicherung des Unterrichts ebenso nötig sind wie längerfristige Strategien zur Personalgewinnung und -bindung. Dazu zählen bessere Arbeitsbedingungen, gezielte Rekrutierung in strukturschwachen Regionen und die Stärkung der Lehramtsausbildung.
Die Bildungsverwaltung des Landes Brandenburg wurde in der vorliegenden Meldung nicht zitiert. Konkrete Reaktionen der Landesregierung oder des zuständigen Ministeriums stehen damit noch aus.
Für Schülerinnen und Schüler, Eltern und Lehrkräfte bleibt die Lage in den kommenden Wochen zu beobachten. Schulen werden in eigener Verantwortung und in Abstimmung mit den Schulämtern Maßnahmen ergreifen müssen, um den Unterrichtsbetrieb zum Schuljahresbeginn bestmöglich zu sichern.