Halle — Immer mehr junge Menschen aus Sachsen-Anhalt absolvieren ihre berufliche Ausbildung außerhalb des Bundeslandes. Nach Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Halle pendeln derzeit knapp 4.000 Auszubildende täglich in andere Bundesländer, rund 150 mehr als noch vor fünf Jahren. Demgegenüber stehen etwa 2.180 Auszubildende, die aus anderen Bundesländern nach Sachsen-Anhalt kommen, ebenfalls ein Zuwachs um rund 150 im Vergleich zu vor fünf Jahren.
Negativsaldo und Folgen für den regionalen Arbeitsmarkt
Die Regionaldirektion bewertet das Ungleichgewicht als problematisch für die regionale Wirtschaft: Der überwiegende Verlust junger Fachkräfte in der Ausbildungsphase könne langfristig dazu führen, dass der Arbeitsmarkt im Land künftige Fachkräftegruppen nicht ausreichend bedient. Jeder Auspendler, so die Einschätzung der Behörde, stelle ein Risiko dar, dass die Region eine potenzielle Fachkraft von morgen verliere.
Besonders ausgeprägt ist der Trend bei jungen Männern. Von den knapp 4.000 Auspendlern seien etwa 2.400 männlich und knapp 1.600 weiblich. Bei den Zuzügen aus anderen Bundesländern sei das Verhältnis laut Regionaldirektion ähnlich.
Ziele der Pendler: Leipzig an der Spitze
Die meisten Auszubildenden aus Sachsen-Anhalt pendeln in die Stadt Leipzig (648), gefolgt von Berlin (228) und Nordsachsen (225). Diese drei Ziele verzeichnen die höchsten Pendlerzahlen und spiegeln laut Regionaldirektion die Konzentration bestimmter Ausbildungsangebote außerhalb des Landes wider.
| Zielregion | Anzahl Pendler |
|---|---|
| Leipzig | 648 |
| Berlin | 228 |
| Nordsachsen | 225 |
Ursachen: Branchenverteilung und Infrastruktur
Als Ursache für das Auspendeln nennen die Arbeitsagentur-Vertreter die räumliche Konzentration bestimmter industrieller und handwerklicher Ausbildungsbetriebe außerhalb Sachsen-Anhalts. Diese Ausbildungsrichtungen würden häufiger von jungen Männern gewählt, was das geschlechterspezifische Ungleichgewicht bei den Pendlern erkläre.
„Wenn vor allem junge Männer für die Ausbildung Sachsen-Anhalt verlassen, verpassen wir die Chance, sie frühzeitig an unsere regionalen Unternehmen zu binden.“
Markus Behrens, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion, betonte außerdem, dass die Vorzüge lokaler Ausbildungsplätze sichtbarer gemacht werden müssten. Er hob zugleich die Bedeutung eines besseren ÖPNV-Angebots in ländlichen Regionen hervor: „Dabei spielt auch der Ausbau des ÖPNV in ländlichen Regionen eine entscheidende Rolle. Jeder Auspendler weniger ist ein Gewinn für die dringend notwe...“
Konkrete Zahlen auf einen Blick
- Fast 4.000 Auszubildende pendeln täglich aus Sachsen-Anhalt in andere Bundesländer (plus rund 150 im Fünfjahresvergleich).
- Etwa 2.180 Auszubildende pendeln von außerhalb nach Sachsen-Anhalt (ebenfalls +150 gegenüber vor fünf Jahren).
- Geschlechterverteilung der Auspendler: rund 2.400 Männer, knapp 1.600 Frauen.
Die vorliegenden Zahlen basieren auf den Angaben der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Halle. Konkrete Maßnahmen, wie die Regionaldirektion und lokale Akteure dem Trend begegnen wollen, wurden in der Mitteilung nicht im Detail benannt.
Regionale Bedeutung und Ausblick
Für Unternehmen in Sachsen-Anhalt ist die Ausbildung von Nachwuchskräften ein entscheidender Baustein zur Sicherung künftiger Beschäftigten. Dass mehr junge Menschen außerhalb des Landes ausgebildet werden, kann die Bindung an lokale Betriebe verringern und Fachkräftelücken verstärken. Politische Initiativen zur Stärkung der Ausbildungsangebote vor Ort, eine bessere Darstellung vorhandener Möglichkeiten und Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr könnten nach Ansicht der Regionaldirektion dazu beitragen, den Negativsaldo zu verringern.
Für Auszubildende und Betriebe bedeutet die Entwicklung kurzfristig vor allem Praxis: Jugendliche, die für ihre Ausbildung pendeln, tragen Kosten und Zeitaufwand für Wege, während Betriebe in anderen Regionen von der Attraktivität ihrer Ausbildungsplätze profitieren. Ob die seit fünf Jahren beobachtete Zunahme des Auspendelns eine vorübergehende Entwicklung oder der Beginn eines längerfristigen Trends ist, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ohne weiteres ablesen.
Die Regionaldirektion hat die Tendenzen dokumentiert und die Debatte über Ausbildungsangebote, regionale Bindung junger Menschen und Infrastruktur neu befeuert. Weitere Schritte von Behörden, Kammern und Betrieben werden nun entscheidend dafür sein, ob der Negativsaldo in den kommenden Jahren reduziert werden kann.