Bildung Cottbus Brandenburg (BB)

Brandenburg meldet 313 unbesetzte Lehrerstellen – Minister erlaubt Ausnahmeregeln für Sek I

Wegen mehr als 300 unbesetzter Vollzeitstellen will das Bildungsministerium Unterrichtsangebote priorisieren und Übergangs-Regelungen für Klassen 7 bis 10 zulassen. Förderstunden und AGs könnten temporär entfallen.

Brandenburg meldet 313 unbesetzte Lehrerstellen – Minister erlaubt Ausnahmeregeln für Sek I
©Illustration KI Uwe Lindemann / we-news.com

Brandenburg beginnt das Schuljahr mit einem deutlichen Personalengpass: Nach Angaben des Bildungsministeriums sind zum Start 313 Vollzeitstellen an Schulen im Land noch nicht besetzt. Um trotzdem die Prüfungsfähigkeit und die Abschlüsse zu sichern, kündigte Minister Gordon Hoffmann (CDU) in Cottbus Ausnahmeregeln an, die zeitlich befristet gelten sollen.

Priorisierung wichtiger Fächer und befristete Erleichterungen

Hoffmann erklärte, dass angesichts der Lage „einige schmerzhafte Maßnahmen notwendig“ seien. Ziel sei, die Unterrichtsversorgung gerade in den für Abschlüsse wichtigen Fächern zu sichern. Dazu dürfen Schulen laut Ministerium vorübergehend von der regulären Stundentafel abweichen und in bestimmten Bereichen Stunden reduzieren. Diese Erleichterungen gelten nach seinen Angaben nur im Wahlpflichtbereich und ausschließlich in der Sekundarstufe I (Klassen 7 bis 10), nicht aber in den Kernfächern wie Deutsch und Mathematik.

„Das ist alles andere als schön, aber es gibt keine einfachen Lösungen.“

Für die Umsetzung sieht das Ministerium ein Antragsverfahren vor: Schulen können beim Ministerium eine Ausnahmegenehmigung stellen, um etwa Förderstunden zu kürzen oder Arbeitsgemeinschaften auszusetzen. Hoffmann betonte, dass die Angebote, die für Prüfungen und Abschlüsse entscheidend sind, Vorrang haben.

Mehr Schüler, höhere Belastung

Ein Grund für die angespannte Lage ist die gestiegene Zahl der Lernenden: Für das laufende Schuljahr nennt das Ministerium rund 324.400 Schülerinnen und Schüler im Land, den höchsten Stand seit zwei Jahrzehnten. Zusammengenommen mit den zahlreichen unbesetzten Stellen könne bereits das Ausfallen einzelner Lehrkräfte „Schulen vor ernsthafte Probleme stellen“, sagte Hoffmann.

Als kurzfristige Maßnahme will das Ministerium vermehrt Lehrerinnen und Lehrer in Teilzeit anschreiben und um zusätzliche Unterrichtsstunden bitten. „Jede Stunde mehr Unterricht zählt“, sagte der Minister zur Motivation dieser Aktion. Darüber hinaus soll ab dem zweiten Halbjahr des Schuljahres 2026/27 für verbeamtete Lehrkräfte eine zusätzliche Pflichtstunde pro Woche gelten.

Konkrete Folgen für Schulalltag und Freizeitangebote

Die angekündigten Erleichterungen können laut Ministerium unter anderem bedeuten:

  • Reduzierung von Förderstunden
  • Temporäre Aussetzung von Arbeitsgemeinschaften (AGs)
  • Gelegentliche Abweichungen von der Stundentafel im Wahlpflichtbereich

Diese Maßnahmen sollen nach Darstellung des Ministeriums nicht die, für Abschlüsse notwendigen Kerninhalte betreffen. Dennoch warnen Gewerkschaften und Personalräte, dass betroffene Schülerinnen und Schüler auf außerschulische Förderangebote angewiesen sein könnten, falls schulische Förderstunden wegfallen.

Zahlen und Hintergründe

Die Zahl von 313 unbesetzten Stellen wird vom Ministerium als „weniger als befürchtet“ bezeichnet, liegt jedoch über dem Vorjahreswert von 255 fehlenden Lehrkräften. Bereits im Vorfeld hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft eine noch angespanntere Lage beschrieben und von regionalen Schwerpunkten berichtet, in denen kaum Bewerbungen eingehen.

Angabe Zahl
Unbesetzte Vollzeitstellen 313
Schülerinnen und Schüler (aktuell) ~324.400
Fehlende Stellen im Vorjahr 255

Regionale Unterschiede bleiben kritisch

Vertreter der Lehrkräfte weisen darauf hin, dass der Mangel regional sehr unterschiedlich ausgeprägt ist. Besonders betroffen seien Gebiete, in denen schon in früheren Jahren kaum Bewerbungen eingingen. Dort drohten die größten Einschnitte im Angebot, sofern keine kurzfristigen Einstellungen oder Vertretungsregelungen gefunden werden.

Das Bildungsministerium setzt neben der Werbung für Mehrstunden auf die Umverteilung von Kräften innerhalb des Landes und auf die befristeten Ausnahmeregeln, um Engpässe zu überbrücken. Konkrete Zahlen zu genehmigten Abweichungen und den betroffenen Schulen nannte Hoffmann bei der Pressekonferenz in Cottbus nicht.

Ausblick und offene Fragen

Ob die Maßnahmen ausreichen, die Qualität der Abschlüsse landesweit zu sichern, bleibt abzuwarten. Die Kombination aus höherer Schülerzahl und zahlreichen unbesetzten Stellen macht das Schuljahr für viele Schulen zu einer Belastungsprobe. Eltern, Schulen und Kommunen werden in den kommenden Wochen aufmerksam verfolgen, wie viele Anträge auf Ausnahmegenehmigungen bewilligt werden und welche konkreten Auswirkungen das auf den Stundenplan der Schülerinnen und Schüler hat.

Weitere Entscheidungen, etwa zum zusätzlichen Stellenaufbau oder zusätzlichen Unterstützungspaketen, hängen von den haushaltspolitischen Beschlüssen der nächsten Monate ab.

Uwe Lindemann
Uwe KI Korrespondent Brandenburg online

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