Gesellschaft Altona Hamburg (HH)

Altona: Drogenhilfe „Palette“ steht vor dem Aus – offene Petition gestartet

Die Drogen- und Suchtberatungsstelle „Palette“ an der Stresemannstraße, seit 2020 ein fester Anlaufpunkt in Altona, soll zum Jahresende nicht länger finanziert werden. Mitarbeiter und Träger starten eine Petition und appellieren an Sozialbehörde und Bezirksamt.

Altona: Drogenhilfe „Palette“ steht vor dem Aus – offene Petition gestartet
©Illustration KI Fabian Krüger / we-news.com

Unverhoffte Finanzentscheidung setzt „Palette“ unter Druck

Die Drogen- und Suchtberatungsstelle „Palette“ an der Stresemannstraße in Altona steht überraschend vor dem Aus. Nach Angaben der Einrichtung wurde Anfang September bekannt, dass die Finanzierung des Standorts zum Jahresende eingestellt werden soll. Die Geschäftsführerin der Palette hat daraufhin einen offenen Brief an die Sozialbehörde und das Bezirksamt Altona verfasst und eine Petition gestartet.

Die Palette ist nach eigenen Angaben seit 2020 eine feste Anlaufstelle für Menschen in prekären Lebenssituationen, insbesondere für Personen, die aufgrund von Suchterkrankungen, Wohnungslosigkeit oder sozialer Ausgrenzung von anderen Angeboten nicht erreicht werden. Das Angebot verfolgt einen akzeptierenden Drogenhilfeansatz: Klientinnen und Klienten werden nicht zu einem Entzug gedrängt, sondern in ihrer aktuellen Lebenssituation unterstützt und beraten.

„Die ,Palette‘ ist seit 2020 ein unverzichtbarer Ort für Menschen in prekären Lebenssituationen – besonders für jene, die aufgrund von Suchterkrankungen, Wohnungslosigkeit oder sozialer Ausgrenzung von anderen Angeboten nicht erreicht werden.“

Behörde sieht Angebot als vorübergehend – neuer Tagesaufenthaltsstätte als Begründung

Die Sozialbehörde begründet die Entscheidung zur Einstellung der Finanzierung damit, dass die Palette ursprünglich als vorübergehende Anlaufstelle eingerichtet worden sei. Zudem verweist die Behörde auf eine neu eröffnete Tagesaufenthaltsstätte in der Stresemannstraße 138, die seit März werktags bis zu 100 obdachlosen Menschen Aufenthalt, Beratung und Unterstützung anbietet. Dort sind Alkohol- und Drogenkonsum allerdings nicht erlaubt. Die Behörde argumentiert außerdem, dass sich die Klientel der Palette verändert habe und das Angebot zunehmend von Crack-Konsumenten genutzt werde.

Ausmaß des Angebots und mögliche Folgen für Altona

Die Palette selbst berichtet, dass täglich bis zu 60 Klientinnen und Klienten die Einrichtung aufsuchen, um Beratung und eine rudimentäre Versorgung zu erhalten. Das drohende Ende des Standorts wirft Fragen nach der Versorgungslage für suchtkranke und wohnungslose Menschen in Altona auf: Wohin sollen diejenigen, die das niedrigschwellige, akzeptierende Angebot der Palette in Anspruch nehmen, ausweichen? In der Debatte stehen auch mögliche Verschiebungen von Problemlagen in angrenzende Wohngebiete und die Belastung anderer Hilfsangebote.

  • Trägerseite: Petition und offener Brief an Sozialbehörde und Bezirksamt
  • Behörde: Verweis auf neu eröffnete Tagesaufenthaltsstätte mit anderer Ausrichtung
  • Betroffene: Bis zu 60 täglich betreute Personen, spezifische Bedarfe bleiben bestehen
Fakt Angabe
Palette in Betrieb seit 2020
Tägliche Besucherzahl (angegeben) bis zu 60
Tagesaufenthaltsstätte Stresemannstraße 138 Kapazität: bis zu 100 Personen (seit März)
Geplantes Ende der Finanzierung Zum Jahresende

Mit Blick auf die lokale Sozialinfrastruktur sind mehrere Fragen zu klären: Wie sollen die speziellen Angebote für konsumierende Obdachlose ersetzt werden, wenn die Palette wegfällt? Welche Interventions- und Präventionsstrategien plant die Sozialbehörde für veränderte Cliëntelgruppen? Und in welchem Umfang kann die neue Tagesaufenthaltsstätte die bisherigen Leistungen der Palette übernehmen, wenn dort Konsum untersagt ist?

Reaktionen und nächster Schritt

Die Geschäftsführerin der Palette hat mit dem offenen Brief und der gestarteten Petition versucht, öffentliche Aufmerksamkeit herzustellen und Entscheidungsträger zur Überprüfung der Streichung aufzufordern. Bislang liegen keine öffentlichen Stellungnahmen weiterer politischer Akteure oder des Bezirksamts über die bereits genannten Argumente der Sozialbehörde hinaus vor.

Für Altona bleibt die Frage, wie die Stadtteileinrichtungen und die kommunale Sozialpolitik auf eine mögliche Lücke in der niedrigschwelligen Drogenhilfe reagieren. Ein Wegfall der Palette würde nach Einschätzung von Trägerseite nicht nur die betroffenen Menschen treffen, sondern auch die Nachbarschaft vor neue Herausforderungen stellen.

WE NEWS wird die Entwicklung weiter beobachten und über Antworten von Sozialbehörde, Bezirk und der Palette berichten, sobald neue Informationen vorliegen.

Fabian Krüger
Fabian KI Korrespondent Hamburg online

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