Vertreter aus Regierung, Wissenschaft, Schulen und internationalen Organisationen haben am 15. August in Hanoi auf einem Workshop eindringlich gefordert, die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Umgang mit sozialen Medien stärker zu schützen. Anlass war die gemeinsame Veranstaltung des Studentenreferats des Bildungsministeriums, der Pädagogischen Universität (Vietnam National University, Hanoi), UNICEF Vietnam und der Z&Alpha Initiative.
Workshop bringt Forschung und Politik zusammen
Ziel des Treffens war es, die Evidenzlage zur psychischen Gesundheit junger Menschen im digitalen Umfeld zu prüfen und konkrete politische sowie pädagogische Lösungen zu diskutieren. Ein Schwerpunkt lag auf der Umsetzung des Programms «Schutz und Unterstützung der kindlichen Entwicklung in der Online-Umgebung 2026–2030» sowie des neuen Schulgesundheitsprogramms 2026–2035, das vom Premierminister lanciert wurde.
Während der Veranstaltung stellten Forschende einen Bericht zu den Effekten sozialer Medien auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen vor. Die Diskussionen richteten sich auf drei Hauptfragen:
- Welche Auswirkungen haben soziale Medien auf Angst, Depressionen, Selbstbild und Schlaf von Kindern und Jugendlichen?
- Welche internationalen Erfahrungen und Regulierungsmodelle existieren, insbesondere bezogen auf Nutzungslimits und altersbasierte Restriktionen?
- Wie lassen sich Politik, Bildung, familienbasierte Massnahmen und Technologieplattformen besser koordinieren, um Risiken zu reduzieren und Resilienz zu stärken?
Internationale Beispiele und nationale Strategie
Im Workshop wurden internationale Massnahmen als Diskussionsgrundlage präsentiert. Dabei ging es unter anderem um Beschränkungen der Nutzung sozialer Medien für Minderjährige, Sensibilisierungskampagnen und technische Schutzmechanismen. Die Veranstalter betonten, dass es keine einfache Einheitslösung gebe; notwendig sei ein breiter, multi-sektoraler Ansatz, der Kinderrechte respektiere und lokale Bedingungen berücksichtige.
Vertreter von UNICEF und der Universität hoben hervor, dass erfolgreiche Strategien Prävention, frühzeitige Identifikation von Problemen und Unterstützungsangebote kombinieren müssen. Schulen spielten dabei eine zentrale Rolle, sowohl bei der Vermittlung digitaler Kompetenzen als auch beim Erkennen von Belastungszeichen und der Einleitung von Hilfsmassnahmen.
Koordination als Schlüssel
Mehrere Referierende unterstrichen die Notwendigkeit verstärkter Kooperation zwischen Staat, Bildungsinstitutionen, Familien, Zivilgesellschaft und den Betreibern von Plattformen. Dazu gehören:
- Klare Regeln und Alterskontrollen für Plattformen;
- Bildungsprogramme zu Medienkompetenz und psychischer Gesundheit in Schulen;
- Niederschwellige Beratungs- und Interventionsangebote für Betroffene.
Der Workshop diente auch als Plattform, bestehende Lücken in Forschung und Praxis zu identifizieren und Prioritäten für die kommenden Jahre zu setzen. In Hanoi wurde betont, dass der Aufbau einer «sicheren und gesunden digitalen Umgebung» für Kinder eine langfristige Aufgabe sei, die eine koordinierte Umsetzung der Programme 2026–2030 und 2026–2035 erfordere.
| Programm | Laufzeit |
|---|---|
| Schutz und Unterstützung der kindlichen Entwicklung in der Online-Umgebung | 2026–2030 |
| Schulgesundheitsprogramm | 2026–2035 |
Die Veranstalter appellierten an die Politik, die Forschungslage weiter auszubauen und Pilotprojekte zur Wirksamkeit verschiedener Massnahmen zu fördern. Gleichzeitig solle darauf geachtet werden, dass restriktive Regulierungen die Teilhabe und Bildungschancen von Jugendlichen nicht unverhältnismässig einschränkten.
Für die Schweiz und andere Länder bietet die Debatte in Vietnam nützliche Impulse: Medienkompetenz, Früherkennung psychischer Probleme bei jungen Menschen und die Verantwortung der Plattformbetreiber bleiben zentrale Herausforderungen. Eine evidenzbasierte, koordinierte und kinderrechtsorientierte Strategie gilt als vielversprechender Weg, um negative Folgen sozialer Medien zu begrenzen und die psychische Gesundheit von Kindern nachhaltig zu stärken.