Wiederkehrende Hitzewellen können Menschen messbar schneller altern lassen. Das legt eine aktuelle Analyse aus China nahe, die im Fachjournal Cyborg and Bionic Systems publiziert wurde. Die Forschenden untersuchten Blut- und Kreislaufmarkern und fanden Hinweise darauf, dass sich das sogenannte biologische Alter unter wiederholter Hitzebelastung erhöht. Besonders betroffen seien Stoffwechselprozesse bei Fett und Zucker.
Untersuchte Gruppe und Methode
Das Forschungsteam um Dengyong Xu von der Universität Zhejiang wertete Daten von etwas mehr als 2'300 Personen ab 45 Jahren aus einer grossen landesweiten Langzeitstudie aus. Das Durchschnittsalter lag bei 58,7 Jahren, mehr als die Hälfte der Teilnehmenden war weiblich und rund 70 Prozent lebten auf dem Land. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verglichen Biomarker aus den Jahren 2011 und 2015 und verbanden Veränderungen in den Blutwerten mit der lokalen Hitzebelastung.
Was messen die Forschenden?
Im Zentrum der Analyse stand das Konzept des biologischen Alters. Im Gegensatz zum chronologischen Alter soll es widerspiegeln, wie stark ein Körper tatsächlich gealtert ist. Für die Berechnung zogen die Forschenden mehrere klinisch relevante Parameter heran:
- Systolischer Blutdruck
- Gesamtcholesterin
- Langzeitblutzucker (HbA1c)
- Zwei Nierenwerte
- Ein Entzündungsmarker (CRP)
Aus diesen Messwerten ermittelten sie ein biologisches Alter und berechneten daraus die sogenannte Altersbeschleunigung: Positive Werte deuten darauf hin, dass ein Körper "älter" ist, als es das Kalenderalter erwarten liesse.
Ergebnisse und Interpretation
Die Studie findet, dass längere und wiederkehrende Hitzeperioden nicht nur kurzfristig zu mehr Herzinfarkten und Schlaganfällen führen — was bereits gut dokumentiert ist —, sondern langfristig mit einer Beschleunigung des biologischen Alterns verbunden sein können. Aus Sicht der Forschenden zeigt sich dies insbesondere über Veränderungen, die auf ein gestörtes Fett- und Zuckerstoffwechselprofil hindeuten.
Die Autorinnen und Autoren wiesen dazu die Entwicklung der Blutwerte in einem Vierjahres-Vergleich nach und stellten diese Veränderungen der lokalen Hitzebelastung gegenüber. Damit liefern sie Hinweise darauf, dass klimabedingte Hitze nicht nur akute, sondern auch chronische gesundheitliche Folgen haben kann.
Konsequenzen für die Schweiz
Auch in der Schweiz haben Hitzewellen in den letzten Jahren an Häufigkeit und Intensität zugenommen. Die Studie aus China legt nahe, dass gesundheitliche Massnahmen über akute Hitzeschutzstrategien hinausgehen müssen. Relevante Implikationen sind:
- Verstärkte Überwachung vulnerabler Gruppen (Ältere, Menschen mit Stoffwechsel- oder Nierenerkrankungen).
- Integrative Vorsorge, die sowohl akute Hitzeereignisse als auch mögliche langfristige Stoffwechselfolgen adressiert.
- Weitere Forschung zur Übertragbarkeit der Befunde auf unterschiedliche Klimazonen und Gesundheitssysteme.
| Untersuchte Merkmale | Bedeutung für die Studie |
|---|---|
| Systolischer Blutdruck | Marker für kardiovaskuläre Belastung |
| Gesamtcholesterin | Aussage zu Fettstoffwechsel |
| HbA1c | Langzeitindikator des Zuckerstoffwechsels |
| Nierenwerte | Hinweis auf renale Belastung |
| CRP | Allgemeiner Entzündungsmarker |
Wissenschaftliche Einordnung
Die Arbeit liefert wertvolle Hinweise, doch sie hat auch Limitationen: Beobachtungsdaten können Assoziationen nachweisen, aber nicht zwangsläufig kausale Mechanismen erklären. Die Übertragbarkeit der Resultate von einer überwiegend ländlichen chinesischen Population auf europäische Bevölkerungen muss in weiteren Studien geprüft werden. Zudem bleibt offen, welche biologischen Pfade genau die Altersbeschleunigung vermitteln — etwa direkte Hitzeeinflüsse auf Zellen oder indirekte Effekte über verändertes Verhalten und Lebensumstände.
Für die Praxis bedeuten die Befunde dennoch: Hitzeprävention muss Bestandteil einer langfristigen Gesundheitsstrategie sein, die akute Notfallmassnahmen mit Prävention von chronischen Stoffwechsel- und Entzündungsprozessen verbindet.
Weiterführende Forschung sollte prüfen, ob ähnliche Muster auch in europäischen Datensätzen sichtbar sind, welche Bevölkerungsgruppen am stärksten betroffen sind und welche Interventionen das Risiko für eine beschleunigte biologische Alterung durch Hitze mindern können.