Die Sommerhitze führt bei vielen Menschen zu verstärktem Schwitzen. Eine Dermatologin aus Wien erläutert die biologischen Grundlagen der Schweissbildung und zeigt auf, wie Ernährung und Lebensstil die Menge des produzierten Schweisses beeinflussen. Ihre Praxisnahen Hinweise können helfen, Beschwerden im Alltag zu vermindern.
Warum schwitzen wir?
Schwitzen ist primär ein physiologischer Mechanismus zur Wärmeregulation. Entscheidend für die Kühlung des Körpers ist nicht der reine Austritt von Schweiss auf der Haut, sondern das Verdunsten dieses Schweisses. Der individuelle Grundrhythmus der Schweissbildung ist biologisch vorgegeben, kann aber durch äussere Faktoren moduliert werden.
Lebensmittel und Getränke, die Schweissproduktion steigern
Die Dermatologin weist darauf hin, dass bestimmte Nahrungsmittel und Genussmittel die Schweissproduktion spürbar erhöhen können. Besonders genannt sind:
- Scharfe Speisen: Gewürze mit Capsaicin regen die Schweisstätigkeit an.
- Salzige Mahlzeiten: Ein hoher Salzkonsum korreliert mit vermehrtem Schweiss.
- Koffeinhaltige Getränke: Kaffee, Tee oder Energy-Drinks können das Schwitzen verstärken.
«Ich glaube, das wissen die Wenigsten», sagte die Ärztin in Bezug auf den Einfluss von Koffein auf die Schweissbildung.
Praktische Alltagsmassnahmen
Neben der Ernährungsanpassung lassen sich Symptome durch einfache Verhaltensänderungen reduzieren. Empfohlen werden unter anderem:
- Leichte, luftige Kleidung aus Naturfasern wie Leinen tragen.
- Das Zwiebelprinzip anwenden, um bei Temperaturschwankungen Kleidungsschichten anzupassen.
- Auf passend belüftete und kühle Schlafräume achten (als Richtschnur wird oft eine Raumtemperatur von rund 18 Grad genannt).
- Auf gute Fuss- und Schuhhygiene achten, Schuhe mehrmals täglich wechseln bei stärkerer Schweissneigung.
- Regelmässige Körperpflege: tägliches Duschen, Rasieren der Achselhaare und Nutzung von Deodorant bei Bedarf.
- Gewichtskontrolle und ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Unterstützung der allgemeinen Thermoregulation.
Wenn das Schwitzen krankhaft wird
Unabhängig von Hitze oder körperlicher Belastung kann es zu einer krankhaften Form des Schwitzens kommen, der Hyperhidrose. In solchen Fällen lindern allgemeine Massnahmen oft nicht ausreichend. Als medizinische Optionen werden genannt:
| Therapie | Kurzbeschreibung |
|---|---|
| Iontophorese | Elektrotherapeutische Behandlung, die vor allem an Händen und Füssen angewendet wird. |
| Botox | Lokale Injektionen, die die Nervenfunktion in den Schweissdrüsen vorübergehend blockieren. |
| Medikamente | Systemische oder lokale Pharmaka können in Einzelfällen eingesetzt werden. |
Einordnung und Bedeutung
Die Hinweise der Dermatologin sind evidenzbasiert hinsichtlich der bekannten physiologischen Effekte von Capsaicin, Salz und Koffein auf das autonome Nervensystem und die Schweissdrüsenfunktion. Für die Mehrheit der Bevölkerung reichen einfache Massnahmen wie Kleidungswahl, Flüssigkeitszufuhr und Anpassung der Ernährung, um das subjektive Schwitzempfinden zu reduzieren. Bei ausgeprägter oder plötzlich auftretender Hyperhidrose ist eine medizinische Abklärung sinnvoll, da gezielte Therapien verfügbar sind.
Für die Schweiz bedeutet das: Angesichts wiederkehrender Hitzetage sind Information und Prävention wichtig, um Beschwerden zu verringern und mögliche Komplikationen wie Hautreizungen oder Pilzinfektionen (etwa durch feuchte, enganliegende Sportkleidung) zu vermeiden. Die Empfehlungen sind praktikabel und lassen sich ohne grossen Aufwand in den Alltag integrieren.
Bei anhaltenden Problemen sollten Betroffene eine dermatologische Abklärung in Anspruch nehmen, um eine passende Therapie zu finden.