Ein Mann aus dem Raum Schaffhausen hat nach eigener Aussage vor vier Jahren seine Alkoholabhängigkeit überwunden und lebt seither abstinent. Nun hat er einen Ausbildungsplatz zum Peer‑Mitarbeiter erhalten – ein Schritt, der seine beruflichen Perspektiven nachhaltig verändern könnte. Die Vermittlung gelang mit Unterstützung des Blauen Kreuzes Schaffhausen‑Thurgau.
Langwieriger Weg zurück in Arbeit und Alltag
Die Geschichte des Mannes, der in der Quelle nur als Silvan genannt wird, ist geprägt von intensivem therapeutischem Einsatz. Zahlreiche Behandlungen halfen ihm, belastende Erlebnisse aus der Vergangenheit aufzuarbeiten, welche nach eigenen Angaben wesentlich zur Entwicklung seiner Suchterkrankung beigetragen hatten. Trotz dieser persönlichen Fortschritte gestaltete sich die Rückkehr in eine langfristige Anstellung schwierig.
Statt einer stabilen Anstellung absolvierte er demnach wiederholt Arbeitsversuche, Zwischenverdienste und temporäre Einsätze. Eine IV‑Rente bezieht er nicht, und das Anstreben einer Invalidenrente war nie sein Ziel. Sein Wunsch blieb konstant: eine sinnstiftende Aufgabe finden, die seine eigenen Erfahrungen nutzt, um anderen Menschen zu helfen.
Peer‑Arbeit als Ziel und Perspektive
Der nun erhaltene Ausbildungsplatz zum Peer‑Mitarbeiter sieht vor, dass er sich zum Experten aus Erfahrung qualifiziert. In dieser Rolle sollen Menschen mit einer Suchterkrankung in Kliniken begleitet und Fachpersonen unterstützt werden. Zusätzlich beginnt er ein Praktikum bei der Pfarrer‑Sieber‑Stiftung in Zürich, wie das Blaue Kreuz berichtet.
- Vier Jahre Abstinenz seit Überwindung der Alkoholabhängigkeit
- Keine IV‑Rente, stattdessen zeitlich begrenzte Arbeitsversuche und Zwischenverdienste
- Ausbildungsplatz zum Peer‑Mitarbeiter und Praktikum bei der Pfarrer‑Sieber‑Stiftung
Die Peer‑Arbeit bedeutet, dass Betroffene ihre eigenen Erfahrungen professionalisiert nutzen, um andere zu unterstützen. In verschiedenen Einrichtungen des Gesundheits‑ und Sozialwesens gewinnen solche Funktionen an Bedeutung: Sie verbinden Praxiswissen von Betroffenen mit fachlicher Betreuung und können Brücken bauen zwischen Patientinnen und Patienten und dem Personal.
Gesellschaftliche Dimensionen und Folgen
Der Fall macht zwei Aspekte deutlich: Erstens, wie langwierig und fragmentiert der Weg zurück ins Erwerbsleben nach einer Suchterkrankung sein kann; zweitens, wie wichtig niederschwellige sowie langfristig angelegte Ausbildungs‑ und Beschäftigungsangebote sind. Für viele Menschen mit Suchtbiografien sind flexible Arbeitsmodelle und individuelle Begleitung entscheidend, damit die Integration gelingt und Rückfälle vermieden werden.
Organisationen wie das Blaue Kreuz unterstützen Betroffene nicht nur therapeutisch, sondern auch bei der beruflichen Reintegration. Dass eine Person nach jahrelangen Therapien nun eine Ausbildung beginnen kann, wird in der Quelle als «wahrer Meilenstein» bezeichnet. Solche Erfolge sind für die Betroffenen oft verbunden mit neuem Selbstwertgefühl und der Möglichkeit, die eigene Geschichte konstruktiv einzubringen.
Gleichzeitig zeigt der Bericht, dass der Weg dorthin nicht automatisch zu einer stabilen Erwerbsbeteiligung führt. Viele bleiben auf Zwischenlösungen angewiesen, sofern speziell angepasste Angebote fehlen oder Vorurteile am Arbeitsmarkt bestehen. Die Schilderung legt nahe, dass Politik und Institutionen weiter prüfen müssten, wie Aus‑ und Weiterbildungen, Praktika und Beschäftigungsprojekte für Menschen mit Suchterfahrung besser verknüpft werden können.
Für den Betroffenen persönlich ist der jetzt erreichte Ausbildungsplatz ein konkreter Schritt in Richtung eines Berufslebens, das seine Erfahrungen berücksichtigt und nutzt. Die beteiligte Organisation wünscht ihm für die Ausbildung und den weiteren beruflichen Weg «viel Erfolg, Freude und erfüllende Begegnungen».
| Etappen | Status / Bemerkung |
|---|---|
| Überwindung der Alkoholabhängigkeit | Vor vier Jahren, seither abstinent |
| Beschäftigungssituation | Arbeitsversuche, Zwischenverdienste, temporäre Einsätze |
| Sozialleistungen | Bezieht keine IV‑Rente |
| Aktueller Schritt | Ausbildungsplatz zum Peer‑Mitarbeiter und Praktikum |
Der Fall steht exemplarisch für die Chancen, die in der Anerkennung von Erfahrung liegen, und für die Herausforderungen, die Betroffene auf dem Weg in Arbeit und Gesellschaft meistern müssen. Er macht deutlich, dass Rehabilitation mehr ist als Therapie: Sie braucht auch Perspektiven, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen.